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Bayern München

Der FC Bayern hat seine Planungen abgeschlossen: Reicht der Kader für die großen Ziele des Rekordmeisters?

Dominik Hager
Die Münchner Kaderplanungen sind abgeschlossen: Nagelsmann muss sich mit dem zufrieden geben, was er hat
Die Münchner Kaderplanungen sind abgeschlossen: Nagelsmann muss sich mit dem zufrieden geben, was er hat / Christian Kaspar-Bartke/Getty Images
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Abgesehen vom dringend notwendigen Upamecano-Transfer, der als Ersatz für David Alaba und Jérôme Boateng verpflichtet wurde, haben es die Bayern auf dem Transfermarkt eher ruhig angehen lassen. Viel wird sich voraussichtlich auch in den kommenden Wochen nicht mehr verändern, zumal die Münchner verlauten ließen, die Kaderplanung vorerst abgeschlossen zu haben. Reicht der aktuelle Kader aber tatsächlich für die ganz großen Titel? Einige Fans haben (berechtigte) Zweifel.


1. Tor

Manuel Neuer
Manuel Neuer ist weiterhin die Nummer eins im Bayern-Kasten / David Ramos/Getty Images

Im Tor hat der FC Bayern im Sommer grundsätzlich vieles richtig gemacht. Mit Manuel Neuer steht die unangefochtene Nummer eins natürlich weiterhin im Kasten.

Vertreten wird er jedoch nun wieder von Sven Ulreich, der nach seinem Intermezzo in Hamburg wieder zurück an der Isar ist. Alexander Nübel wird hingegen versuchen, sich in Monaco zu einem potenziellen Neuer-Nachfolger zu entwickeln.

Der Klub kann mit dieser Lösung sehr zufrieden sein, zumal nun auf der Torhüter-Position wieder Ruhe einkehrt, was aufgrund der angeblichen Einsatz-Klausel für Nübel nicht immer der Fall war.

Mit Christian Früchtl kehrt ein großes Talent zurück, dass mit Ron-Thorben Hoffmann um die Rolle als Nummer drei wetteifern wird.

2. Rechtsverteidigung

Benjamin Pavard
Benjamin Pavard ist bei den Bayern eher eine Schwachstelle / Pool/Getty Images

Die Rechtsverteidigung ist Stand heute die größte Schwachstelle im Kader. Benjamin Pavard begann zwar in München sehr gut, offenbarte in der Vorsaison dann aber doch einige Defizite.

Für die Viererkette ist der Franzose ein solider Mann, der aber dennoch eher unterdurchschnittliches Niveau für einen Stammspieler eines Top-Klubs mitbringt. Sollte Julian Nagelsmann auf eine Dreier-/Fünferkette wechseln, wäre Pavard nur für die Rolle des rechten Innenverteidigers geeignet. Für einen Stammplatz als Schienenspieler fehlt es dem Verteidiger an offensiver Power und Flankenstärke.

Sein Vertreter Bouna Sarr kann in beiden Formationen auflaufen, wobei ihm die Bayern-Tauglichkeit generell fehlt.

Dass auf dieser Position der Schuh drückt, ist offensichtlich. Allerdings entpuppte sich Hakimi als zu teuer, während die Bosse von Dumfries nicht wirklich überzeugt zu sein schienen.

Der spanische Redakteur Gerard Romeno berichtet nun, dass die Münchner beim FC Barcelona angefragt haben, um eine mögliche Leihe von Sergiño Dest, Emerson oder Sergi Roberto abzuklären. Allerdings ist unklar, wie die Katalanen auf den Vorschlag reagiert haben.

Den Münchnern würden alle drei Kandidaten weiterhelfen, zumal sie auch einen offensiveren Part als Pavard übernehmen könnten. Allerdings erscheint zumindest eine Leihe von Dest und Betis-Neuzugang Emerson unrealistisch. Routinier Sergi Roberto spielt in Barcelona auch häufig im Mittelfeld, weshalb er anderweitig eingeplant sein könnte.

Generell ist es unwahrscheinlich, dass das finanziell angeschlagene Barcelona Spieler per Leihe abgeben möchte.

Es besteht folglich weiterhin Klärungsbedarf, ob die Dreier-/Fünferkette in der kommenden Saison eine größere Rolle spielen soll. Derzeit kämen hierfür lediglich Experimente, wie Gnabry oder Coman infrage. Julian Nagelsmann verdeutlichte zumindest im Falle von Gnabry aber, dass er keine ganze Saison als Schienenspieler spielen wird.

Langfristig könnten Christopher Scott oder der noch in den USA spielende Justin Che eine Rolle einnehmen. Dies dürfte jedoch noch zwei, drei Jahre dauern.

3. Innenverteidigung

Dayot Upamecano
Dayot Upamecano ist das neue Aushängeschild in der Bayern-Abwehr / Alexandra Beier/Getty Images

In der Innenverteidigung stehen nach den Abgängen von Boateng und Alaba die weitreichsten Veränderungen bevor. Mit Neuzugang Dayot Upamecano und Lucas Hernández stehen jedoch zwei enorm zweikampfstarke und schnelle Innenverteidiger zur Verfügung, die vor allem gegen Konter genau die passende Absicherung darstellen könnten.
Im Spielaufbau werden die Bayern jedoch die Qualitäten von Alaba und Boateng vermissen.

Stand heute hat die Münchner Abwehr auch quantitativ viel zu bieten. Mit Niklas Süle steht noch ein weiterer erfahrener Verteidiger zur Verfügung, der in der Dreier- und Viererkette agieren kann. Hinzu gesellen sich mit Tanguy Nianzou und Hoffenheim-Rückkehrer Chris Richards zwei sehr interessante Talente.

Im Grunde ist die Innenverteidigung absolut top besetzt. Allerdings könnten zu Beginn noch einige Abstimmungsschwierigkeiten zu Gegentoren führen, zumal Hernández zum Saisonstart ausfällt. Aufgrund der Verletzungsanfälligkeit des Spielers ist auch nicht mehr von einem Abgang von Süle oder Richards auszugehen.

4. Linksverteidigung

Alphonso Davies
"Roadrunner" Alphonso Davies ist offensiv wie defensiv ein Trumpf / Alexander Hassenstein/Getty Images

Der derzeit noch verletzte Alphonso Davies ist die klare Nummer eins hinten links. Für den Kanadier stehen Neuzugang Omar Richards und Abwehr-Allrounder Chris Richards als Ersatz zur Verfügung.

Zum Saisonstart wird einer der beiden Akteure mutmaßlich starten, zumal Hernández ebenfalls verletzt ist und demnach nicht einspringen kann. Die Probleme hinten links dürften sich allerdings nur auf die ersten Spiele beschränken.

Mit seiner Power und Dynamik kann Davies sowohl in der Viererkette als auch als Schienenspieler agieren. Ersatzmöglichkeiten gibt es, wie soeben beschrieben, genügend. Hier wird auf dem Transfermarkt mit ziemlicher Sicherheit nichts mehr passieren.

5. Zentrales Mittelfeld

Leon Goretzka, Joshua Kimmich
Kimmich und Goretzka werden auch in der kommenden Saison das Spiel aus der Zentralen leiten / Matthias Hangst/Getty Images

Neben der Rechtsverteidiger-Position ist das zentrale Mittelfeld die größte Kader-Baustelle. Dies gilt jedoch nicht für die Erstbesetzung, zumal das Duo Kimmich & Goretzka auch in der kommenden Saison einwandfrei funktionieren sollte.

Sorge macht vielmehr die Kaderbreite. Der Spanier Marc Roca zeigte sich höchstmotiviert und hat im Sommer viel gearbeitet, um den Münchnern in Zukunft mehr helfen zu können. Allerdings muss er aufgrund eines Außenbandrisses mehrere Wochen pausieren und wird leider auch voll aus dem Vorbereitungs-Rhythmus gerissen.

Bei Corentin Tolisso scheint derzeit niemand so genau zu wissen, wie es weitergeht. Der Franzose könnte noch verkauft werden, sollte sich ein Abnehmer finden. Leistungstechnisch konnte dieser zuletzt auch nur selten überzeugen und wurde zu häufig von Verletzungen gestoppt.

Mit von der Partie ist auch wieder "Problem-Profi" Cuisance, der nach der enttäuschenden Marseille-Leihe womöglich vor einem Wechsel zu Galatasaray steht. Eine wirkliche Option wird er in München wohl kaum noch darstellen. Eine wirklich verlässliche Nummer drei hinter Kimmich und Goretzka sucht man demnach weiterhin vergeblich.

Der FC Bayern wird es mutmaßlich weiterhin mit Roca und Tolisso probieren. Für den defensiven Part könnte auch Nianzou als Option infrage kommen.

Es erscheint derzeit unwahrscheinlich, dass die Bayern auf die Verletzung von Roca reagieren. Sollte Tolisso aber doch noch gehen, muss die Suche auf dem Markt anrollen. Möglicherweise wird dann auch Gladbach-Star Denis Zakaria erneut zum Thema.

Den interessanten jungen Belgier, Sambi Lokonga, haben die Bayern vermutlich bereits verpasst, da dieser wohl zum FC Arsenal wechselt. Florian Neuhaus und Eduardo Camavinga sind wohl selbst bei einem Tolisso-Verkauf zu teuer. Die Bayern betreiben hier ganz klar ein gefährliches Spiel.

6. Offensive Außenbahn

Serge Gnabry, Leroy Sane
Nach herber EM-Enttäuschung: Serge Gnabry und Leroy Sané sind die Sorgenkinder bei den Bayern / BSR Agency/Getty Images

Auf den offensiven Außenbahnen ändert sich personell eigentlich überhaupt nichts. Kingsley Coman, Serge Gnabry und Leroy Sané sind die etablierten Flügel-Kräfte. Allerdings müssen wir die Leistungsstärke von Gnabry und Sané durchaus hinterfragen, zumal beide eine äußerst wechselhafte Saison gespielt haben und bei der EM so richtig enttäuschten.

Derzeit darf man nicht unbedingt davon überzeugt sein, dass die DFB-Kicker in den großen Spielen den nötigen Input liefern können. Beide dürfen sich aber keine längeren Schwächeperioden mehr leisten, da Jamal Musiala dem Duo immer dichter an den Fersen hängt.

Bei Kingsley Coman gilt es zu hoffen, dass er mit dem Gedanken beim Fußball und nicht bei einem möglichen Wechsel und den Vertragsverhandlungen ist. Laut der L'Equipe soll Coman ein Thema beim FC Chelsea sein, die Blues würden demnach Callum Hudson-Odoi als Verhandlungsmasse anbieten.

Transfer-technisch wird eigentlich jedoch nicht mehr viel passieren. Dies ist auch die richtige Entscheidung, zumal es eher darauf ankommt, die Spieler, die man hat, wieder in Form zu bringen.

7. Angriff

Robert Lewandowski, Thomas Mueller
Lewandowski und Müller sollen auch in der kommenden Saison fleißig für Tore sorgen / Sebastian Widmann/Getty Images

Mit Thomas Müller als hängende Spitze und Robert Lewandowski als Mittelstürmer sind die Rollen klar verteilt. Für Müller könnte Musiala als Back-Up fungieren, wenngleich er die Rolle vermutlich eher wie ein Zehner interpretieren würde.

Robert Lewandowski wird weiterhin die Münchner Lebensversicherung sein, die von Choupo-Moting und Zirkzee nicht dauerhaft ersetzt werden kann. Es ist also weiterhin dringend nötig, dass der Weltfußballer fit bleibt.

Auf einen zweiten Sturm-Kracher wird man vergebens warten, zumal eine wirklich qualitativ hochwertige Lösung nicht in die finanziellen Kapazitäten passt. Demnach gilt es zu hoffen, dass der Kameruner Lewandowski zumindest so gut ersetzen kann, wie er es im Vorjahr getan hat.

Ob Joshua Zirkzee überhaupt noch eine Zukunft in München hat, wird sich zudem erst noch zeigen müssen.


Fazit: Der FC Bayern droht den Anschluss zu verlieren

Generell wird es für den FC Bayern nicht einfach, mit den großen Teams, wie beispielsweise Manchester City oder Paris Saint-Germain, Schritt halten zu können. Während die beiden Konkurrenten die nötigen Mittel haben, sich individuell verstärken zu können und überall doppelt besetzt zu sein, läuft der FC Bayern ein wenig auf Sparflamme.

Vor allem die Rechtsverteidigung macht Sorgen, wobei auch im Mittelfeld und im Angriff ein wirklich hochklassiger Back-up Gold wert wäre. Julian Nagelsmann wird für große internationale Erfolge alles rausquetschen müssen. Zudem benötigt der Klub das Glück, dass sich Leistungsträger, wie Lewandowski oder Kimmich nicht verletzen.

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