90min
Bayern München

Schwere Kritik am FC Bayern: "Man rennt von der Debatte weg"

Dominik Hager
Ärger bei der Jahreshauptversammlung: Michael Ott schießt gegen den FC Bayern
Ärger bei der Jahreshauptversammlung: Michael Ott schießt gegen den FC Bayern / CHRISTOF STACHE/GettyImages
facebooktwitterreddit

Die Jahreshauptversammlung des FC Bayern - oder um es mit den Worten von Uli Hoeneß zu sagen: "die schlimmste Veranstaltung aller Zeiten" - sorgt derzeit für ein gewaltiges Echo. Eine große Rolle spielt dabei selbstredend auch das ewige Katar-Thema. Den Stein ins Rollen brachte Michael Ott, dessen Antrag gegen das Katar-Sponsoring zwar nicht zugelassen wurde, seine Wirkung nach außen aber nicht verfehlte.


Was für ein Chaos! Die Jahreshauptversammlung endete höchst spektakulär, nachdem Herbert Hainer die Veranstaltung trotz einiger Wortmeldungen schloss und ein Mitglied einfach auf den Tisch stieg und seine Rede von dort aus anstimmte.

Ott beschwert sich über Verlauf der Versammlung: "Man flieht vor der Debatte"

Schon zuvor war die Veranstaltung geprägt von Pfiffen und Unzufriedenheit von allen Seiten. Kein Gehör fand am Donnerstag auch Michael Ott, der nun gegenüber der BILD seine Eindrücke schilderte.

"Der ganze Verlauf da hat sich nahtlos fortgesetzt wie das Verhalten in den letzten Wochen, Monaten und Jahren war - man flieht einfach vor der Debatte! Meinen Antrag hätte man zulassen können als Satzungsdurchbrechungsbeschluss. Das hatte ich Herrn Hainer ja auch noch erklärt auf der Bühne. Das hat man ignoriert. Ich stand auch noch auf der Liste für die Wortbeiträge", erklärte der wütende Antragsteller gegen das Katar-Sponsoring, welches von Vize-Präsident Dr. Dieter Mayer als "rechtswidrig" abgestempelt wurde.

Die Münchner Verantwortlichen wussten, dass Ott den Verein durchaus in eine ungemütliche Position bringen kann. Allerdings sei man laut Herbert bemüht, die Angelegenheiten "im Diskurs" zu besprechen.

Am Donnerstag klappte genau dies jedoch schon mal nicht und Ott wurde gewissermaßen mundtot gemacht.

Ott kontra Herbert Hainer: "Wahnsinnig unsouverän"

"Ich bin mehrmals hingegangen! Und habe versucht, das abzuklären. Aber dann wird man einfach rausgestrichen von der Liste. Wahrscheinlich ging es nicht nur mir so, sondern einigen anderen auch. Das ist wahnsinnig unsouverän. Und dann beschwert sich Herbert Hainer darüber, dass ich das Verhalten feige nenne - wie anders kann man das denn benennen, wenn man so vor der Debatte wegrennt", wunderte sich Ott.

Für diesen wäre es das Mindeste gewesen, dass er zumindest seine Rede hätte halten dürfen, nachdem sein Antrag schon nicht von Erfolg gekrönt war. "Selbst wenn sie den Antrag nicht zur Abstimmung zulassen, was ich auch schon fragwürdig finde - dass man mich dann zumindest mal meine Rede halten lässt. Das wäre ein guter Stil gewesen, das hätte Größe gezeigt. Das ist keine Größe, was man jetzt gezeigt hat", beklagte er sich.

Nicht tragbar fand er zudem den Stil von Uli Hoeneß, der noch das Wort ergriff, als kein Mitglied mehr reden durfte. "Das finde ich auch ein steiles Selbstverständnis: Wenn kein Mitglied mehr reden darf, aber Uli Hoeneß darf dann noch reden. Was soll das denn?", fragte sich Ott.

Immerhin ist er sich jedoch mit dem Münchner Ehrenpräsident einig, dass dies die "schlimmste Veranstaltung" gewesen sei, die es beim FC Bayern je gab.

Ott strebt Satzungsänderung an: Mitglieder sollen auch über Fußball-Abteilung abstimmen dürfen

Michael Ott wird jedoch nicht die Füße still halten, sondern auch im kommenden Jahr versuchen, etwas zu bewegen. Sein Hauptziel wird es zunächst sein, die Satzung dahingehend zu ändern, dass Mitglieder auch über die Fußball-Abteilung abstimmen dürfen.

"Das Problem ist ja die Gerichtsentscheidung, die jetzt ergangen ist. Davor hatte man zwei Auslegungsseiten von der Satzung. Jetzt steht fest: Wir sind der Fußballklub Bayern München, aber die Mitglieder dürfen nur über die Tischtennis-Abteilung entscheiden, nicht über die Fußball-Abteilung. Das ist ja eigentlich völlig absurd. Von daher wäre das der dringendste Schritt, den wir für die nächste Mitglieder-Versammlung angehen müssen. Dass wir die Satzung dahin korrigieren, dass klargestellt wird, dass die Mitglieder auch über die Fußball-Abteilung abstimmen dürfen", erklärte er.

Die Widerworte vonseiten Dr. Mayer, wonach ja sonst auch über Audi oder blau-weiße Trikots abgestimmt werden könne, betitelte er als "populistisch". "Und selbst wenn: Was wäre das Problem? Klar, es soll nicht abgestimmt werden, wer nächsten Samstag in der Startelf steht. Aber dass man über die Trikotfarbe abstimmt - warum nicht? Auch wenn das ein schlechtes Beispiel ist", so Ott, der am Demokratieverständnis der Bayern zweifelt.

Mit einem kurzen "ja" antwortete er auf die letzte Frage, ob am Ende des Tages alles ein wenig undemokratisch war.

facebooktwitterreddit