Bayern München

"Stellen uns jedem Diskurs" - So lief die Jahreshauptversammlung des FC Bayern

Simon Zimmermann
Oliver Kahn erlebte seine erste JHV als Vorstandsvorsitzender
Oliver Kahn erlebte seine erste JHV als Vorstandsvorsitzender / CHRISTOF STACHE/GettyImages
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Die Jahreshauptversammlung beim FC Bayern wurde mit einiger Spannung erwartet. Oliver Kahn hielt seine erste JHV-Rede als Vorstandsvorsitzender. Dazu schwelte mit dem Katar-Sponsorendeal ein heikles Thema über den Audi Dome von München. So lief der JHV-Abend:


Für Bayern-Boss Oliver Kahn war die Jahreshauptversammlung des FC Bayern im Münchner Audi Dome der erste ganz große Auftritt als neuer Vorstandsvorsitzender des Klubs. Schon im Vorfeld drohte es für Kahn ungemütlich zu werden. Bayerns Sponsorendeal mit Qatar-Airlines ist vielen Mitgliedern mehr als nur ein Dorn im Auge.

Bayern-Mitglied Michael Ott hatte einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen den Sponsoringdeal eingereicht. Von der 13. Zivilkammer des Landgerichts München I wurde der Entscheidung des Amtsgerichts München wenige Stunden vor der JHV allerdings zugestimmt. Der Antrag ist nicht zugelassen. Aufgeben kommt für Ott aber nicht infrage - auf der JHV wolle er es mit einem "Spontanantrag" probieren, twittere er.

Bevor es am Donnerstagabend aber so richtig losging, wurde zunächst Gerd Müller gebührend geehrt. Im Anschluss wurde die Meisterschale und der Henkelpott aus dem Sextuple-Jahr auf die Bühne gebracht. Karl-Heinz Rummenigge, der eigentlich ebenfalls geehrt werden sollte, sagte seine Teilnahme an der JHV kurzfristig ab. Die aktuelle Corona-Lage sei der Grund dafür.

Präsident Herbert Hainer erhält Pfeifkonzert für Katar-Statement

Zu Beginn erhielt Präsident Herbert Hainer das Wort. Vor rund 1.000 anwesenden Mitgliedern (maximal waren 1.700 Besucher zugelassen) betonte er die Werte des FC Bayern: "Der FC Bayern wird niemals ein kickender Konzern werde, daran lassen wir uns alle messen!" Dabei verglich er den Rekordmeister auch mit anderen Großklubs: "Der FC Barcelona hat über 1,3 Milliarden Schulden. Der FC Bayern setzt Maßstäbe, darauf können wir und ihr alle unheimlich stolz sein!" (zitiert via Bild & tz)

"Der FC Bayern soll auch weiterhin ein leuchtendes Vorbild für alle sein", fuhr Hainer fort. "Ich liebe diesen FC Bayern genauso wie er ist, wir haben keine Schulden und sind nicht fremdbestimmt. Wir sind unabhängig und gehen unseren eigenen Weg. Wir lassen uns nicht von dem Wahnsinn da draußen treiben", so Hainer.

Dann bezog der FCB-Präsident auch Stellung zur Katar-Kritik: "Wir als Verein stellen uns jedem Diskurs, auch Kritik darf natürlich sein. Aber die Kritik soll immer sachlich und auf nüchterner Basis erfolgen. Eine Wortwahl wie 'niederträchtig und perfide' gehört nicht zum Ton des Vereins. Fachlich und sachliche Argumente müssen die Basis für jede Diskussion sein. Nur so ist ein vernünftiger Austausch möglich. Wir alle sind der FC Bayern."

Von den anwesenden Mitgliedern erntet Hainer während seiner Worte ein lautes Pfeifkonzert und wütende Zwischenrufe.

Umsatz- und Gewinnrückgang 2020/21

Vizepräsident Prof. Dr. Dieter Mayer legte im Anschluss den Rechenschaftsbericht der Vizepräsidenten ab. Wie der FC Bayern mitteilte betrug der Gesamtumsatz in der Saison 2020/21 643,9 Millionen Euro. Der Gewinn betrug vor Steuern fünf Millionen Euro, nach Steuern 1,9 Millionen Euro. Damit musste man erwartungsgemäß Einbußen bei Umsatz und Gewinn machen. Die Auswirkungen der Coronapandemie wurden hier als ausschlaggebender Grund angeführt. Insgesamt hat der FC Bayern rund 50 Millionen Euro weniger Gewinn gemacht. Das Eigenkapital beträgt knapp 140 Millionen Euro.

Im Anschluss kam dann Oliver Kahn an den Rednerpult. "Es war relativ schnell ein Gefühl von Heimkommen, von Heimat", erklärte der neue Vorstandsboss. "Ich möchte mich bei allen bedanken, dass wir im Gegensatz zu anderen Klubs stark und wirtschaftlich gesund dastehen", so Kahn weiter.

Im Anschluss erzählte Kahn zunächst eine nette Anekdote. Wenn er seinem Sohn Julian (10) erzähle, dass es auch mal andere Deutsche Meister als den FC Bayern gegeben habe, schaue der ihn "nur mit großen Augen an".

Ballon d'Or-Sieger? Für Kahn kann es nur Lewandowski geben!

Zum am kommenden Montag vergebenen Ballon d'Or hat Kahn eine ganz klare Meinung: es kann nur einen geben! Und der heißt Robert Lewandowski! "Mit 41 Toren hat er vergangene Saison eine Bestmarke aufgestellt, die wohl nie mehr gebrochen wird – außer vielleicht von ihm selbst. Er ist der beste Spieler der Welt. Ich gehe zur Ballon-d'Or-Wahl auf jeden Fall mit, obwohl wir eine Aufsichtsratssitzung haben. Es würde mich zutiefst enttäuschen, wenn er den Preis nicht gewinnen würde. Keiner hat es mehr verdient als er."

Wie schon Hainer bezog auch Kahn Stellung in der Impfdebatte. "Damit dieser Alptraum endlich zu einer schlechten Erinnerung wird, ist es das beste Mittel, sich impfen zu lassen. Mit dieser Haltung leisten wir jeden Tag Überzeugungsarbeit bei unseren Mitarbeitern und auch Spielern. Wir respektieren aber das Recht, sich frei zu entscheiden", so der FCB-Vorstandsvorsitzende. Hainer hatte zuvor ähnliche Worte gewählt, aber auch erklärt, dass man weiter voll hinter allen Spielern stehe.

Kahn über die Super League: "Das wäre das Ende des Fußballs gewesen, wie wir ihn kennen"

Applaus erntete Kahn für seine Worte über Investoren und die gescheiterte Super League: "Wir sind finanziell unabhängig und gesund, das ist ein wichtiger Wert. Bei uns bestimmt keine Investorengruppe oder ein Multimillionär! Dafür werden wir in ganz Europa bewundert. Aber klar ist auch: Es gibt keinen Grund, nachlässig oder Überheblich zu werden. Wir erleben gerade den fundamentalsten Wandel, den der Fußball je erlebt hat. Deshalb kämpfen wir an vorderster Front, dass es nicht sein kann, dass Investoren unbegrenzt Geld in Klubs pumpen können."

Und weiter: "Neu ist, dass der englische Meister das doppelte erwirtschaftet wie der Meister in der Bundesliga. Das sind 100 Millionen Euro mehr im Jahr. Das trifft auch den FC Bayern, und zwar schon heute. Das ist noch lange kein Grund, der Super League beizutreten. Denn dieses Projekt ist völlig zurecht innerhalb von 48 Stunden kollabiert! Das wäre das Ende des Fußballs gewesen, wie wir ihn kennen."

Kahn kam auch auf das Sponsoring zu sprechen. Dabei sollen soziale und umweltfreundliche Aspekte eine große Rolle spielen. Man wolle dies mit den Mitgliedern in einem vernünftigen Austausch besprechen.

Nach rund 32 Minuten war Kahns erste JHV-Rede vorbei. Eher nüchtern-sachlich - vor allem im Vergleich zu den Zeiten unter Uli Hoeneß.

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