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EM-Kader wohl mit Hummels und Müller: Vor- und Nachteile einer Rückkehr

Dominik Hager
Mats Hummels und Thomas Müller vor DFB-Comeback? Das spricht für und gegen die Rückkehr
Mats Hummels und Thomas Müller vor DFB-Comeback? Das spricht für und gegen die Rückkehr / CHRISTOF STACHE/Getty Images
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Kehren Mats Hummels und Thomas Müller zur deutschen Nationalmannschaft zurück? Die Spatzen pfeifen es zumindest immer lauter von den Dächern und auch Joachim Löw scheint für den Schritt bereit zu sein. Laut kicker-Informationen sollen beide Spieler im EM-Kader stehen. Doch was spricht eigentlich für und was gegen eine Rückkehr?


Der EM-Kader der Nationalmannschaft wird voraussichtlich mit den beiden Routiniers Thomas Müller und Mats Hummels auf Titeljagd gehen. Eine Entscheidung, die massive Auswirkungen auf das Abschneiden beim Turnier haben dürfte. Wir möchten die beiden Kandidaten daher noch einmal genauer unter die Lupe nehmen

Thomas Müller: Was spricht gegen eine Rückkehr?

Thomas Müller
Ein Müller ist in der aktuellen Form eigentlich unverzichtbar / MIGUEL MEDINA/Getty Images

Die Frage, was gegen eine Rückkehr von Thomas Müller spricht, könnte man eigentlich ganz einfach mit "nichts" beantworten. Ganz so leicht ist es dann vielleicht aber doch nicht.

So profitiert der 31-Jährige auch davon, dass er ideal in die Philosophie von Hansi Flick passt und seine Lieblingsrolle als hängende Spitze ausfüllen kann. Dies ist in der Nationalmannschaft natürlich anders. Dort gibt es an der Seitenlinie keinen Hansi Flick und auf dem Feld keine Spitze, die das Dasein eines Freigeistes wie Müller überhaupt ermöglichen könnte. Bei den Bayern profitiert Müller enorm von Lewandowski (wie auch umgekehrt jener von Müller profitiert).

Bei einer Rückkehr ins Dress der Nationalmannschaft müsste sich der Bayer also durchaus ein Stück weit umstellen und andere Wege gehen, als er das bei den Münchnern macht. Bis zur Automatisierung wäre das also eine ganze Menge Arbeit. Ein Thomas Müller lebt vom Zusammenspiel und ist keiner, der Tore nach herrlichen Alleingängen erzielen kann. Darüber hinaus fehlt es Müller etwas an Tempo. Sollte sich Joachim Löw dazu entscheiden, auf Konterfußball zu bauen, brächte der 31-Jährige zumindest ein kleines Handicap mit.

Thomas Müller: Was spricht für eine Rückkehr?

Für eine Rückkehr von Thomas Müller spricht in erster Linie seine Leistung. Mit zehn Toren und elf Vorlagen weist der Bayern-Star Quoten auf, von denen seine Landsmänner derzeit nur träumen können. Der zweimalige Triple-Gewinner ist seit Monaten in bestechender Form und glänzt neben seinen Torbeteiligungen mit Kampfgeist und Führungsqualitäten. Gerade die letzten beiden Punkte sind Fähigkeiten, die der DFB-Elf zuletzt abgegangen sind. So ist ein Toni Kroos kein Lautsprecher auf dem Platz und auch Manuel Neuer hat im Tor zu wenig Einfluss auf das Spiel. Müller könnte gemeinsam mit Kimmich vorangehen und mit Mentalität und Siegeswille ein gutes Beispiel abgeben.

Für den Offensivspieler spricht natürlich auch die Tatsache, dass er viele Kollegen vom Verein bestens kennt. Die offensive Dreierreihe mit Gnabry, Müller und Sané könnte eins zu eins von den Bayern übernommen werden. Damit wäre auch das eben angesprochene Problem mit den Laufwegen nur noch halb so groß. Schließlich beweist das Trio quasi wöchentlich, wie gut es aufeinander abgestimmt ist.

Letztendlich bleibt festzuhalten, dass ein Thomas Müller in der aktuellen Form definitiv in die Nationalmannschaft gehört und mit seiner Erfahrung und Spielfreude bei der EM eine große Unterstützung wäre. Dank seiner Handlungsschnelligkeit wäre er auch für einen etwaigen Konterfußball zu haben.


Mats Hummels: Was spricht gegen eine Rückkehr?

Jogi Löw, Mats Hummels
Baut Löw bei der EM auf Hummels? / CHRISTOF STACHE/Getty Images

Verglichen mit dem überragenden Thomas Müller, kann Mats Hummels zwar auch auf eine ordentliche Saison zurückblicken, hat jedoch mehr Schwankungen in seinem Spiel. Wie alle Dortmunder, hatte auch Hummels in dieser Saison Spiele dabei, in denen es einfach nicht laufen wollte. Immer wieder zeichnete sich dabei auch das große Problem des Dortmunders ab. So ist dessen Schwäche die Geschwindigkeit, mit nun 32 Jahren noch ein wenig ausgeprägter als früher. Dies kann auch in der Nationalmannschaft ins Gewicht fallen.

Zudem gilt Mats Hummels auch als nicht ganz unkomplizierter Typ. Der erfahrene Verteidiger übernimmt gerne die Chefrolle und hat Probleme damit, sich unterzuordnen. Demnach kann Joachim Löw den Dortmunder eigentlich nur als Stammspieler mitnehmen, um Ärger vorzubeugen.

Mats Hummels: Was spricht für eine Rückkehr?

Zwar kann man sagen, dass der Mats Hummels von heute nicht mehr der von früher ist, dennoch sucht man ein solches Kaliber in der Nationalmannschaft vergeblich. Der deutschen Innenverteidigung fehlt derzeit eben ein internationaler Topspieler. In diese Rolle konnte bislang weder Antonio Rüdiger, noch Matthias Ginter oder Jonathan Tah reinwachsen. Selbst ein Niklas Süle konnte im Nationaldress zuletzt selten glänzen und wäre möglicherweise eher ein Kandidat für die Rechtsverteidigung. So wäre also Platz für den 32-Jährigen, der international schon einige Schlachten geschlagen hat.

Hummels ist außerdem noch immer zweikampf- (67,5%) und kopfballstark (72,5%). Zudem könnte er das deutsche Spiel mit seinen starken Fähigkeiten im Spielaufbau von hinten raus sauber gestalten. Der Dortmunder könnte die Rolle als Abwehr-Leader bekleiden, die zuletzt von niemanden wirklich eingenommen wurde. Zudem sei noch gesagt, dass Hummels und Müller gute Freude sind. So würden zumindest die beiden Akteure ein harmonisches Duo abgeben.

Alles in allem ist die Sachlage beim Dortmunder etwas unklarer als bei Thomas Müller. Beim 32-Jährigen muss man im Vorfeld darüber nachdenken, wie seine Rolle aussehen soll. Setzt man auf Hummels als Leader, muss er ganz klar im Aufgebot stehen. Angesichts der schwächelnden Konkurrenz in der Innenverteidigung, erscheint dies immer noch als der beste Weg. Jerome Boateng sollte man jedoch deshalb nicht von der Liste streichen.

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