Bayern München

Die zwei Gesichter des FC Bayern: Die Intensität erhält zu spät Einzug

Florian Bajus
Der FC Bayern strauchelt wieder
Der FC Bayern strauchelt wieder / Pool/Getty Images
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Der FC Bayern dürfte sich die Rückkehr aus Katar definitiv anders vorgestellt haben. In den beiden ersten Partien nach der Klub-WM sammelte der Rekordmeister nur einen Zähler, der Vorsprung auf RB Leipzig könnte daher bis auf zwei Punkte schrumpfen. Gegen Eintracht Frankfurt (1:2) offenbarte die Elf von Hansi Flick erneut zwei Gesichter, wobei die ersten 45 Minuten wieder zu dünn waren.

In diesen Tagen fällt der FC Bayern in bekannte Muster aus der Vorweihnachtszeit zurück: Sowohl gegen Arminia Bielefeld als auch gegen Eintracht Frankfurt geriet der Rekordmeister und Tabellenführer in Rückstand, doch anders als in vielen Hinrundenspielen misslang es der Mannschaft von Hansi Flick, am Ende des Spiels als Sieger hervorzugehen. Während gegen die Arminia nach einem zwischenzeitlichen 0:2 und 1:3 immerhin noch ein 3:3-Remis heraussprang, mussten sich die Bayern am Samstagnachmittag nach einem erneuten zwei-Tore-Rückstand knapp gegen Eintracht Frankfurt geschlagen geben.

FC Bayern: Fehlende Intensität, große Passivität

Insbesondere in der ersten Halbzeit dominierten die Adlerträger das Geschehen, wobei besonders Amin Younes auffiel. Der wendige Zehner gab vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw eine eindrucksvolle Bewerbung für einen Platz im EM-Kader der deutschen Nationalmannschaft ab: In fast allen seiner Szenen klebte der Ball an seinem Fuß, für seine Gegenspieler war er kaum zu greifen. Mit einem Schnittstellenpass auf Filip Kostic leitete er die Führung durch Daichi Kamada (12.) ein, in Minute 31 erhöhte er auf 2:0, als er den Ball unnachahmlich in den Winkel jagte.

Über weite Strecken der ersten Halbzeit war die SGE wach und konzentriert, nah am Mann, konsequent im Gegenpressing und robust in den Zweikämpfen; einzig einige Fehlpässe führten zu gefährlichen Umschaltmomenten der Bayern. Die Münchner brachten wiederum zu wenig auf den Platz: Von Intensität und Körpersprache war keine Spur, statt Gegenwehr machte sich Passivität rund um den eigenen Strafraum breit, wie sich insbesondere bei den Gegentoren gezeigt hat, und ohne Thomas Müller und Leon Goretzka fehlte es an Tiefe und an Räumen, die bespielt werden konnten. Joshua Kimmich war wieder einmal der Dreh- und Angelpunkt, irgendwie sollte der defensive Mittelfeldspieler mit einem seiner genialen Pässe einen Vordermann finden - doch viele seiner Bemühungen versandeten im Meer.

Hansi Flick sah in den ersten 45 Minuten einen ideenlosen und uninspirierten Auftritt seiner Mannschaft
Hansi Flick sah in den ersten 45 Minuten einen ideenlosen und uninspirierten Auftritt seiner Mannschaft / Pool/Getty Images

Sofern es nicht über Kimmich ging, bevorzugten die Bayern die rechte Angriffsseite um Leroy Sané, der jedoch von keinem der Rechtsverteidiger - weder von Benjamin Pavard, noch von Bouna Sarr oder dem am Samstag eingesetzten Niklas Süle - ausreichend Unterstützung erhält. Infolgedessen erlitt der Sommerneuzugang gegen mindestens zwei Frankfurter einen Ballverlust nach dem anderen, an ein Durchkommen war nicht zu denken; auch nicht auf links über Kingsley Coman.

Erst mit Goretzka kippte das Spiel

Ein deutlich anderes Gesicht zeigte der Rekordmeister nach dem Seitenwechsel - weil Leon Goretzka für Marc Roca in die Partie kam. Der Spanier ist mehr ein Spielertyp Kimmich, doch an der Seite des 26-Jährigen braucht es im Spiel von Hansi Flick einen Typen wie Goretzka, der körperlich unheimlich präsent ist, sich konsequent ins Offensivspiel einschaltet und Laufwege in die Tiefe macht, um die Mannschaftskollegen zu unterstützen.

Einer der X-Faktoren im Bayern-Spiel: Leon Goretzka
Einer der X-Faktoren im Bayern-Spiel: Leon Goretzka / Alexander Hassenstein/Getty Images

Auf Anhieb erhielten die Bayern deutlich mehr Zugriff, als Goretzka auf dem Platz stand - und auch wenn deutlich mehr über die linke Angriffsseite funktionierte, weil Linksverteidiger Alphonso Davies mehr Unterstützung für Coman anbot, blieb Sané der aktivste Angreifer. Mit einem starken Solo in der 53. Minute ließ er gleich mehrere Frankfurter stehen, Robert Lewandowski musste im Strafraum nur noch zum Anschlusstor einschieben.

FC Bayern: Fehlende Breite, fehlender Plan B

In der Folge behielten die Bayern die Überhand, allerdings mangelte es an aussichtsreichen Torchancen. Und so bleibt die Erkenntnis, dass es in dieser Saison an Qualität in der Breite und einem Plan B mangelt, wenn Schlüsselspieler wie Müller oder Goretzka ausfallen. Erstgenannter fehlt hinter Lewandowski enorm, ist er doch derjenige, der die gegnerischen Abwehrketten auseinanderzieht. Ohne Müller fehlt es an Bewegung im letzten Drittel, in der ersten Halbzeit wirkte das Bayern-Spiel zu statisch. Auch fehlte die Passschärfe, die es braucht, um einen tiefen und im 5-3-2 kompakten Gegner wie die Eintracht in die Bredouille zu bringen.

Auf der Zehn ist Eric Maxim Choupo-Moting keine geeignete Alternative zu Thomas Müller
Auf der Zehn ist Eric Maxim Choupo-Moting keine geeignete Alternative zu Thomas Müller / Colin McPhedran/MB Media/Getty Images

Dahingehend ist Eric Maxim Choupo-Moting kein adäquater Müller-Ersatz. Der Stürmer kam wie schon gegen Bielefeld auf der Zehn zum Einsatz und reihte sich hoch neben Lewandowski ein, hinterlässt damit jedoch ein Vakuum. Dieses muss dann von einem der beiden Sechser geschlossen werden, doch Roca positionierte sich wie schon Corentin Tolisso am Montag zu tief; erst Goretzka verstand es, diesen Raum zu besetzen.

An seiner Systematik dürfte Flick, der erst gegen Ende der Partie weitere Wechsel vorgenommen hat, allerdings auch in den kommenden Wochen nichts ändern - für tiefgreifende Umstellungen fehlt die Zeit auf dem Trainingsplatz. Es bleibt nach ruhigeren und souveräneren Wochen eine extrem schwierige Saison für den Rekordmeister, der neben fehlender Frische über zahlreiche Ausfälle klagt. Die Meisterschaft ist längst nicht so sicher, wie der ein oder andere bereits geglaubt haben mag - und auch in der Champions League sind einige Konkurrenten einen Schritt voraus.

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