Eintracht Frankfurt überrumpelt schwache Bayern | Spielbericht und Reaktionen

Christopher Kleis
Eintracht Frankfurt besiegt den FC Bayern München nach einer starken Leistung.
Eintracht Frankfurt besiegt den FC Bayern München nach einer starken Leistung. / Pool/Getty Images
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Eintracht Frankfurt besiegt den FC Bayern München nach einer umkämpften Partie. Vor allem in der ersten Halbzeit spielt die Eintracht den Rekordmeister phasenweise an die Wand. Mit dem Sieg bleibt Frankfurt auf dem vierten Tabellenplatz und baut den Vorsprung auf die Verfolger aus. Die Bayern bleiben zwar Spitzenreiter, müssen sich aber in der nächsten Woche deutlich steigern.

Tore: 1:0 Kamada (12.), 2:0 Younes (31.), 2:1 Lewandowski (53.)

Frankfurt Ton angebend - Bayern lässt sich dominieren

Die ersten Minuten der Partie begannen mit einer ungewöhnlichen Dominanz der Eintracht. Der FC Bayern ließen die Hausherren gewähren und sich das Spiel der Frankfurter aufzwingen. Vor allem über Kostic und Younes ging es immer wieder zielstrebig nach vorne. In der sechsten Minute gab es eine kuriose Pause, weil sich Linienrichter Mike Pickel verletzte und nicht weitermachen konnte. Für ihn sprang der vierte Offizielle Tobias Reichel ein.

Die SGE ließ sich nicht aus dem Takt bringen. Es wirkte eher so, als hätte sie dem Rekordmeister geschadet. Sportvorstand Hasan Salihamidzcic vergrub mehrfach das Gesicht in den Händen, als ob er wusste, was kommen sollte. In der 12. Spielminute schlug Frankfurt das erste Mal Kapital aus ihrer Überlegenheit. Younes steckte auf der linken Seite stark auf Kostic durch. Der Serbe konnte an der Grundlinie entlang in den Sechzehner eindringen und in die Mitte auf Kamada spielen. Aus sieben Metern brauchte der nur noch den Fuß hinhalten. Frankfurt führte in einem bisher sehr unterhaltsamen Spiel.

Die Gäste aus München suchten noch nach ihrem Matchplan. Gegen quirlig agierende Frankfurter hatte die Bayern-Defensive immer wieder ihre Probleme. Vor allem Younes und Kostic ließen sich immer wieder klasse zwischen die Ketten fallen und waren von Süle und Boateng kaum zu halten. Deshalb war es logische Konsequenz, dass Eintracht Frankfurt in der 31. Minute nachlegte. Kamada rettete eine etwas zu weit gespielte Flanke noch vor dem Aus und legte zurück auf Younes. Dieser konnte unbedrängt von links in den Strafraum ziehen. Anstatt nochmal zu flanken, zog der stark aufgelegte Mittelfeldmann nach einer schnellen Körpertäuschung mit Rechts ab. Der Ball ging unhaltbar für Manuel Neuer in den rechten Winkel. Ein tolles Tor, dass die Probleme des Rekordmeisters offenlegte.

Kurz danach wachten auf die Gäste aus der bayerischen Landeshauptstadt auf. Eine Bogenlampe von Coman konnte Trapp noch über die Latte lenken. Bei der anschließenden Ecke stand Süle komplett frei, aber sein Kopfball war kein Problem für den Frankfurter Torhüter. Jetzt schien der FC Bayern in dieser Partie angekommen zu sein. In der 40. Minute gab es die Doppelchance. Einen Fernschuss von Kimmich konnte Kevin Trapp nur zur Seite weg fausten. Den Nachschuss gab Coman von links aus ziemlich spitzem Winkel ab. Der Frankfurter Keeper hielt klasse mit dem Oberkörper.

Direkt vor der Pause hatte Toure die Gelegenheit, noch ein Tor nachzulegen. Nach einer Flanke konnte Kamada im Strafraum von fünf Verteidigern nicht unter Kontrolle gebracht werden. Irgendwie rollte der Ball weiter zu Toure. Aus sechs Metern halbrechter Position versuchte es der Frankfurter mit einem Schuss ins kurze Eck. Aber Neuer war da und entschärfte den Versuch aus rund sechs Metern. Danach war Halbzeit. Der FC Bayern musste dringend etwas verändern.

Schnelles Tor der Bayern als Antwort - Die zweite Halbzeit wurde direkt spannend

Nach dem Seitenwechsel ging es direkt mit Tempo los. Flick hatte mittlerweile Goretzka ins Spiel gebracht. Das machte sich bemerkbar. Das Pressing wirkte energischer und in der Mitte kam es zu mehr kreativen Szenen. Der Anschluss fiel aber vor allem über außen. Sané spielte an der rechten Strafraumkante Rode und Ndicka schwindelig, zog an ihnen vorbei und passte flach auf Lewandowski. Der Pole hielt aus fünf Metern den Fuß hin und so waren die Münchener wieder dran an der Eintracht. Es sprach viel dafür, dass das Spiel jetzt wieder richtig intensiv werden sollte.

Gefühlt spielte in den folgenden Momenten nur noch die Gäste. Frankfurt beschränkte sich auf das Verteidigen, was gegen so starke Münchener gefährlich war. Mehrfach versuchte der Rekordmeister es über die immer besser werdenden Coman und Sané. Aber bei Flanken war immer noch ein Frankfurter Bein dazwischen. Ein gefährliches Spiel, das die Eintracht hier spielte. Der FC Bayern erspielte sich immer mehr Abschlüsse, aber die Genauigkeit fehlte. Kevin Trapp musste nur selten eingreifen. Die meisten Bälle gingen am Kasten vorbei. Kaum eine Aktion fand im Strafraum statt. Frankfurt machte das Zentrum zu. So konnte man das Abwehr-Bollwerk nicht knacken.

Die Adler hofften nur noch auf Konter, um das Spiel zu entscheiden. In der 90. Minute hatte Kostic die große Chance, den Deckel drauf zu machen. Kamada legte klug nach links rüber und Kostic konnte mit Tempo in den gegnerischen Sechzehner einlaufen. Den Schuss setzte er flach ins rechte untere Eck, aber Manuel Neuer war zur Stelle und hielt seine Mannschaft im Spiel. Es entwickelte sich in den letzten Minuten ein echter Nervenkrimi. Aber ein letzter Abschluss kam nicht mehr. Diesmal gelang kein Lucky Punch und Sascha Stegemann pfiff nach vier Minuten Nachspielzeit ab.

Der FC Bayern München verliert in Frankfurt, weil vor allem die erste Halbzeit eines Tabellenführers nicht würdig war. Die Hausherren spielten den Rekordmeister teilweise an die Wand. Die Probleme in der Defensive wurden deutlich. Niklas Süle gelang kaum etwas. Sogar ein Joshua Kimmich konnte im Mittelfeld keinen Zugriff aufs Spiel entwickeln. Nach der Halbzeit wurde es besser, aber die kompakt verteidigenden Frankfurter ließen nur noch selten gefährliche Abschlüsse zu. Frankfurt muss sich nur ankreiden, das Spiel nicht schon früher entschieden zu haben. Toure und Kostic hätten das dritte To machen können, scheiterten aber an Manuel Neuer. Am Ende ein verdienter Sieg für die Hessen, die damit ihre Champions-League-Ambitionen unterstreichen.

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