DFB-Frauen

DFB-Team: Starker Aufwind vor WM-Qualifikation dank EM

Alina Ruprecht
Pool/GettyImages
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Für die deutsche Nationalmannschaft geht es in diesen Tagen um nichts geringeres als die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2023 in Australien und Neuseeland. Es stehen zwei fordernde Spiele gegen die Türkei sowie Bulgarien an. Den Partien gehen die DFB-Frauen mit sichtbarer Freude und einem nie da gewesenen Aufwind entgegen, dank ihrer herausragenden Leistung bei der EM im Juli.

Vorbereitungen in Frankfurt

Derzeit trainiert die Mannschaft von Bundestrainer Martina Voss-Tecklenburg in der Großstadt am Main, bevor es am Donnerstag zunächst ins türkische Bursa geht. Am Dienstag stand eine offene Einheit an, zu der mehr als 2.000 Fans den Weg ins Stadion am Brentanobad fanden. Diese beachtliche Zahl überraschte die Spielerinnen, denen die Freude über das gestiegene Interesse auch einen Tag später noch anzusehen ist.

"Es war ein total tolles Erlebnis, erstmal mit der Mannschaft wieder zusammenzukommen - und dann vor so einer Kulisse zu trainieren, ist natürlich sehr besonders", resümierte Klara Bühl im Rahmen der Medienrunde am Mittwoch. "Wir waren doch zum Teil positiv überrascht, dass so viele da waren, waren total geflashed und haben einfach versucht, die Energie aufzusaugen, ein gutes Training zu machen und mit den Fans weiterhin in Kontakt zu bleiben. Wir haben es einfach total genossen und es hat super viel Spaß gemacht."

Teamkollegin Svenja Huth konnte sich dem nur anschließen. Einen Monat nach dem großen EM-Finale gegen die Gastgeberinnen aus England im Wembley Stadion hat sich vieles für das deutsche Team verändert, sowohl auf dem Platz, als auch daneben.

"Es ist so ein bisschen im Zwiespalt dadurch, dass wir jetzt auch nach der Europameisterschaft nicht so viel Pause hatten, dann direkt auch in den Vereinen wieder losgelegt haben und im Trainingslager waren", warf Huth auf. "Auf der anderen Seite der Spagat wieder zur Nationalmannschaft. Wir haben uns vor vier Wochen das letzte Mal gesehen und trotzdem war die Vorfreude wieder groß, dass wir jetzt hier zusammengekommen sind. Dass wir nach der Europameisterschaft viele, viele Rückmeldungen von begeisterten Menschen bekommen haben, freut uns natürlich auch."

Verpasste Chance nachholen

Die DFB-Frauen hätten sich bereits vor der EM für das nächste, große Turnier qualifizieren können. Jedoch ging das entscheidende Spiel gegen Serbien mit 2:3 verloren und ließ die Mannschaft frustriert zurück. "Ich glaube, dass da von uns keiner mehr daran denkt, das Spiel haben wir damals abgehakt", erklärte Svenja Huth mit Nachdruck. "Wir wissen, was wir besser machen müssen. Das werden wir jetzt auch Hinblick auf Türkei und Bulgarien nochmal ansprechen und einfach versuchen, die Dinge umzusetzen und es besser zu machen. Erfolgreich zu sein, effektiv zu spielen und dann gegen die Türkei und gegen Bulgarien zu gewinnen."

Serbia v Germany: Group H - FIFA Women's WorldCup 2023 Qualifier
Die verpasste WM-Qualifikation gegen Serbien wirkte bis zu Beginn der EM nach / Nikola Krstic/MB Media/GettyImages

Huth avancierte in England zu einer absoluten Schlüsselspielerin für den deutschen Erfolg. Auch im Hinblick auf den Turnierverlauf im Juli ist sie optimistisch, wenn sie an die nun anstehenden Partien denkt. "Ich glaube, dass wir einfach jetzt auch versuchen müssen, gerade mit der Art und Weise, wie wir bei der Europameisterschaft aufgetreten sind, das auch bei der WM-Quali gegen die Türkei und Bulgarien genauso zu machen", merkte Huth an.

"Mit dieser Energie, mit dieser Leidenschaft, mit diesem guten Gefühl, was wir uns jetzt erarbeitet haben. Natürlich sind das komplett andere Spiele als bei der Europameisterschaft. Wir werden auch wieder, davon gehe ich aus, sehr viel Ballbesitz haben, wodurch wir dann einfach einen guten Positionswechsel brauchen, aber eben auch mit viel Spielfreude agieren müssen. Und genau diese Spielfreude und diese Energie, die wir bei der Europameisterschaft gezeigt haben, müssen wir bei diesen beiden Spielen auf den Platz bringen."

Alles eine Frage der Belastunsgssteuerung

Wie von Huth bereits angesprochen, ging es für die Spielerinnen diesen Sommer Schlag auf Schlag vom Trainingslagern zu Spielen und zurück. Viel Zeit für Pausen oder längere Ruhephasen gab und gibt es kaum, da die neue Saison auf Vereinsebene bereits in Kürze beginnt. Zahlreiche Nationalspielerinnen haben in den nächsten Monaten einen besonders vollen Spielplan, da diverse Vereine neben dem Ligabetrieb auch in zwei weiteren Wettbewerben antreten.

"Jede möchte immer spielen, keine Frage, aber es gibt viele Umstände, die man berücksichtigen muss", antwortete Klara Bühl auf die Frage nach der Belastungssteuerung im Nationalteam. "Klar, viel zu viel Spielzeit bei der EM, wenig Pause und die Wochen, die danach kommen, werden auch sehr, sehr intensiv mit der Dreifachbelastung. Deswegen müssen einfach alle zusammen entscheiden, wie es am besten passt. Und egal wer auflaufen wird, wir werden eine super Elf haben und auch Spielerinnen von der Bank, die nochmal Input geben können."

Klara Buehl
Für die Vize-Europameisterinnen sind Pausen rar geworden / Pool/GettyImages

Bei Svenja Huth dominiert derweil auch der Gedanke, dass fast alle Spielerinnen fit zur Maßnahme angekommen seien und sie viel Spaß und Vorfreude zusammen hätten. "Auch ein großes Thema ist, dass man natürlich auch darauf Rücksicht nimmt und guckt, wie die Belastungen oder das Empfinden der einzelnen Spielerinnen ist. Um man berücksichtigt, welche Möglichkeiten man im Team hat", führte sie aus und fügte hinzu, dass das Team einen sehr breiten Kader mit sehr guter Qualität habe. "Von daher werden das dann letztendlich die Trainer und Trainerinnen entscheiden, wie die Aufstellung oder wie die Wechsel aussehen."

Übertragung der Spiele

Neu ist nach der EM, dass die kommenden Spiele der deutschen Nationalmannschaft allesamt live im Fernsehen (ARD One und ZDF) übertragen werden. Zuvor war die Sichtbarkeit zumeist auf Streams im Internet beschränkt. Huth sieht dies als großen Fortschritt an, betont aber auch, wie wichtig es ist, im Oktober auch "zur Prime Time gegen einen starken Gegner wie Frankreich in einem vollen Stadion zu spielen". Bis heute wurden für die Neuauflage des EM-Halbfinals in Dresden mehr als 17.000 Tickets verkauft.

Germany v France: Semi Final - UEFA Women's EURO 2022
Am 7. Oktober trifft Deutschland vor heimischem Publikum erneut auf die Mannschaft aus Frankreich / Anadolu Agency/GettyImages

Man hoffe, "die Menschen wieder vor dem Fernseher zu begeistern". "Von daher glaube ich, dass wir da schon auch einen Schritt weiter sind", fügte Huth hinzu. "Dass natürlich nicht von heute auf morgen alles plötzlich anders sein kann und wird, ist auch klar. Es ist ein Prozess, den wir jetzt immer weiter anschieben wollen, um dann eben auch möglichst viele Menschen weiterhin zu erreichen, sichtbar zu sein und die Leute auch mitzunehmen."


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