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DFB-Team hinterlässt viele Fragezeichen: Gewinner und Verlierer der Länderspielreise

Dominik Hager
Chance verpasst: Für Timo Werner lief einfach alles schief.
Chance verpasst: Für Timo Werner lief einfach alles schief. / Alex Grimm/Getty Images
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Gut angefangen, stark nachgelassen und am Ende völlig blamiert: So kann man den Auftakt der Deutschen Nationalmannschaft in die WM-Qualifikationsrunde kurz und knapp zusammenfassen. In den drei Partien gegen Island, Rumänien und Nordmazedonien konnten einige Spieler mehr überzeugen, andere wiederum weniger. Wir blicken auf die größten Gewinner und Verlierer der letzten drei Spiele:

Die Gewinner der Länderspielreise

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Emre Can und Ilkay Gündogan sind die Gewinner der Länderspielreise. / INA FASSBENDER/Getty Images

Emre Can: Deutsche Allzweckwaffe überzeugt auf der linken Abwehrseite

Obwohl Emre Can sich eigentlich im Zentrum sieht, agierte der Dortmunder in den ersten beiden Spielen als klassischer Linksverteidiger. Dabei nutzte der 27-Jährige die Ausfälle von Marcel Halstenberg und Robin Gosens und bewies einmal mehr, dass er auch in einer ungewohnten Rolle verlässlich seine Leistung bringt.

"Emre war schon gegen Island gut und heute war er richtig stark - vor allem im Spiel nach vorne. Er war aus der Abwehr heraus sehr dynamisch, hat sich mit viel Tempo immer wieder ins Mittelfeld eingeschaltet und die Gegner immer wieder gebunden", zeigte sich Bundestrainer Joachim Löw im Interview mit RTL nach dem Rumänien-Spiel begeistert. Zudem gefallen dem DFB-Coach die Ballsicherheit und körperliche Stärke des Allrounders.

Während Can im Vorfeld der Länderspielreise klarer Außenseiter in Bezug auf einen Stammplatz war, erscheint er nun als ernsthafter Kandidat für die linke Abwehrseite.


Ilkay Gündogan: Man-City-Star endlich auch im DFB-Team ein Führungsspieler

Vor allem gegen Island gelang es Ilkay Gündogan auf beeindruckende Art und Weise, den Schwung aus seiner überragenden Premier-League-Saison mitzunehmen. Der 30-Jährige spielte 141 Pässe, wovon 96,5 Prozent ankamen. Darüber hinaus leitete er zahlreiche gute Gelegenheiten ein und traf selbst mit einem sehenswerten Weitschuss. Mit seiner grandiosen Leistung machte er Toni Kroos zumindest vorübergehend vergessen. Zudem harmonierte er prächtig mit Joshua Kimmich und Leon Goretzka. Demnach scheint es nun sogar möglich zu sein, dass Joachim Löw den Real-Star auf der Bank lässt.

Das Standing von Gündogan ist jedenfalls klar erkennbar gestiegen. Dies zeigt die Tatsache, dass der Mittelfeldspieler das Team gegen Nordmazedonien als Kapitän auf den Platz führen durfte und den Elfmeter zum zwischenzeitlichen 1:1 ausführte.


Thomas Müller: Rufe nach dem Bayern-Star dürften lauter werden

Nach den letzten drei Partien dürften die Stimmen nach Thomas Müller noch einmal lauter werden. Wirklich effizient zeigte sich die deutsche Offensive jedenfalls nur in der Anfangsphase gegen Island. Im Anschluss vergab das Team von Joachim Löw vor allem gegen die Rumänen erschreckend viele Chancen. Noch schwerer als das wiegt jedoch die völlige Ideenlosigkeit gegen die Nordmazedonier. Viele dürften sich dabei an das WM-Aus gegen Südkorea erinnert gefühlt haben. Es macht also den Anschein, als würde das Team noch immer nicht ohne Thomas Müller auskommen.

Die Kreativität, Mentalität und Torgefahr der Truppe würde der 31-Jährige definitiv steigern können. "Müller gehört da unbedingt rein, der ist immer für Tore gut und kann jeder Mannschaft der Welt in bestimmten Situationen helfen", wirbt auch Uli Hoeneß als RTL-Experte für den Münchner. Inzwischen ist es schon sehr wahrscheinlich, dass sich auch Joachim Löw dem öffentlichen Druck beugt.

Bayern Muenchen v Eintracht Frankfurt - DFB Cup Final
Deutschland wartet auf das Comeback von Thomas Müller. / Etsuo Hara/Getty Images

Kevin Volland und Co.: Hat Löw bei der Stürmerfrage ein Einsehen?

Es gibt Dinge, die man schlichtweg nicht oft genug sagen kann. Dazu gehört auch die Tatsache, dass der DFB-Elf schlichtweg ein Stürmer fehlt. Jedenfalls hat die Mannschaft wieder einmal viel zu viel "klein-klein" gespielt. Anstatt aus der zweiten Reihe für Torgefahr zu sorgen oder eine freie Schussbahn auszunutzen, wurde immer und immer wieder zum Nebenmann gepasst oder zu lange gezögert. Die deutsche Mannschaft braucht schlichtweg mehr Klarheit und Spieler, die einfach gnadenlos draufhalten.

Ein Spieler, der diese Anlagen mitbringt, wäre zum Beispiel Kevin Volland. Der Stürmer von der AS Monaco spielt effektiv und macht seit Jahren seine Buden (13 Tore und acht Vorlagen in der Ligue 1). Es ist zwar unwahrscheinlich, dass der 28-Jährige auf den WM-Zug aufspringt, seine Chancen haben sich allerdings sicher nicht verkleinert.


Die Verlierer der Länderspielreise

Timo Werner: Vom Stammspieler Deutschlands zum Ehrenbürger Nordmazedoniens

Der mit Abstand größte Verlierer im DFB-Team ist Timo Werner. Erst wurde der Chelsea-Star zum Joker degradiert und dann versagten ihm auch noch im entscheidenden Moment die Nerven. Seine vergebene Großchance gegen Nordmazedonien fällt eindeutig in die Kategorie von der verpassten Gomez-Chance gegen Österreich 2008.

"Das war ein Knacks für die Mannschaft, dass wir die Chance ausgelassen haben", kritisierte auch Joachim Löw. Zu guter Letzt gab es auch noch ordentlich Spott aus Nordmazedonien. Aus Dankbarkeit für die vergebene Chance erhielt Werner von der Zeitung Vecer Mk einen mazedonischen Personalausweis. Viel bitterer als die Auszeichnung zum "Ehrenbürger" dürfte jedoch sein, dass seine Startelfchancen bei der EM deutlich geschmolzen sind.


Robin Gosens: Bergamo-Star im DFB-Dress noch nicht angekommen

Mit vielen Vorschusslorbeeren reiste Bergamo-Star Robin Gosens zum DFB-Team. Allerdings sorgte eine Verletzung dafür, dass er erst im Spiel gegen Nordmazedonien mitmischen konnte. Wie bereits in seinen vergangenen Auftritten im DFB-Team konnte der Linksfuß jedoch nicht überzeugen. Eine gute Flanke im gesamten Spiel spiegelt jedenfalls nicht das wider, was Gosens in der Serie A leistet. Dazu offenbarte er erneut defensive Schwächen.

Eigentlich war zu erwarten, dass der 27-Jährige gegen vermeintlich schwache Gegner Pluspunkte sammeln kann. Letztlich war jedoch genau das Gegenteil der Fall. Der dynamische Außenbahnspieler brachte seine PS nicht auf die Strecke und verlor das Kräftemessen mit Emre Can recht deutlich. Somit sind seine Startelf-Chancen bei der EM nicht die größten.

Robin Gosens
Für Robin Gosens läuft es im DFB-Team noch nicht so richtig. / Boris Streubel/Getty Images

Kai Havertz: Youngster verpasst große Chance auf dauerhaften Stammplatz

Eigentlich begann die Länderspielreise für Kai Havertz sehr vielversprechend. Der Offensivspieler rückte für Timo Werner in die Startelf und markierte auf Anhieb einen Treffer. Allerdings zeigte er gegen Rumänien und Nordmazedonien, warum er beim FC Chelsea so häufig auf der Bank sitzt.

Der Youngster agierte in Tornähe viel zu kompliziert und vertändelte zahlreiche gute Chancen. Nach mehreren schwächeren Aktionen zeigte er sich zunehmend mutlos und legte nicht die Körpersprache an den Tag, die es bei der EM benötigt. Dies ist wirklich verwunderlich, zumal er die Chance gehabt hätte, ein klares Zeichen in Richtung Stammplatz zu setzen. Nach seiner schwachen Leistung gegen Nordmazedonien braucht er sich nicht wundern, wenn plötzlich wieder Thomas Müller als Konkurrent auftaucht.

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