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DFB-Team

Nach Länderspiel-Triple: Die ersten Gewinner & Verlierer unter Hansi Flick

Dominik Hager
Unter dem neuen Bundestrainer Hansi Flick gibt es bereits Gewinner und Verlierer
Unter dem neuen Bundestrainer Hansi Flick gibt es bereits Gewinner und Verlierer / Boris Streubel/Getty Images
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Drei Spiele, neun Punkte und 12:0 Tore: Hansi Flick kann als neuer DFB-Coach bislang auf eine makellose Bilanz blicken. Im Vergleich zum Ende der Löw Ära sind unter Flick jedoch nicht nur spielerische, sondern auch personelle Veränderungen festzustellen. Hier sind die ersten Gewinner und Verlierer unter dem neuen Bundestrainer.

Gewinner unter Hansi Flick

1. Leroy Sané

Leroy Sane
Markus Gilliar/Getty Images

Der Bayern-Star ging als geprügelter Hund in die Länderspielreise und kommt als Leistungsträger wieder zurück. Im Vorfeld der Qualifikations-Partien rechneten sogar Medien damit, dass Flick auf den 25-Jährigen verzichtet.

Dies stellte sich jedoch als Trugschluss heraus. Der frühere Bayern-Trainer stärkte dem Außenbahnspieler demonstrativ den Rücken und ließ ihn in allen drei Spielen von Beginn an auflaufen. Mit drei Scorer-Punkten und sehr engagierten Leistungen zahlte der Krisen-Profi das Vertrauen zurück.

Man darf fest davon ausgehen, dass der Kaderplatz von Sané vor der nächsten Länderspielreise nicht mehr angezweifelt wird.

2. Thilo Kehrer

Thilo Kehrer
Markus Gilliar/Getty Images

Joachim Löw bestrafte Kehrer für seinen Bankplatz in Paris und ließ ihn im EM-Jahr 2021 außen vor. Derzeit spielt der frühere Schalker beim französischen Hauptstadt-Klub aber regelmäßig über 90 Minuten. Hansi Flick belohnte dies mit einer Nominierung und drei Startelfeinsätzen.

Dem Abwehr-Allrounder war sofort anzumerken, dass er im Verein an Selbstvertrauen hinzugewonnen hat und zeigte sich sehr stabil und aufmerksam in der Defensive. Wenngleich offensive Ausflüge eher an der Seltenheit waren, hat Kehrer einen großen Schritt in Richtung Stammplatz gemacht.

"Thilo Kehrer möchte ich mal hervorheben, er hat alle Spiele gespielt, auf drei verschiedenen Positionen. Der Junge ist topfit, hat das super gemacht", lautete das Sonderlob des Trainers.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich Kehrer als defensiver Gegenpart zu Rechtsverteidiger Jonas Hofmann festsetzen kann.

3. Jonas Hofmann

Jonas Hofmann
Alexander Hassenstein/Getty Images

Somit wären wir bereits beim nächsten Flick-Gewinner. Jonas Hofmann scheint auf der rechten Abwehrseite derzeit das Rennen zu machen. Der Gladbacher hätte eine ähnliche Rolle womöglich schon bei der EM ausgefüllt, wenn er sich nicht verletzt hätte.

Nachdem im Spiel gegen Liechtenstein noch Baku von Beginn an ran durfte, startete Hofmann gegen Armenien und Island. Gegen Armenien machte der 29-Jährige mit einem sehenswerten Distanztor auf sich aufmerksam und spielte auch sonst sehr ordentlich.

Die lang ersehnte Lösung auf der rechten Seite scheint endlich gekommen sein. Joshua Kimmich wird es ihm danken.

4. Karim Adeyemi

Karim Adeyemi
Markus Gilliar/Getty Images

Bei der U21-EM war Karim Adeyemi noch lediglich als Joker gefragt. Demnach kam die Nominierung des 19-Jährigen durchaus überraschend. Flick und Gerland haben den jungen Stürmer aber ausführlich beobachtet und sind dabei zum Schluss gekommen, dass er bereits jetzt eine Berufung verdient hat.

Adeyemi wurde für seinen glänzenden Saisonstart bei RB Salzburg belohnt und erhielt eine Einladung. Der Youngster feierte dann auch sein Debüt und erzielte gegen Armenien ein herrliches Joker-Tor.

Stammspieler wird Adeyemi sicherlich nicht so schnell werden, jedoch scheint er in Flick einen Trainer gefunden haben, der voll auf ihn setzt. Anders ist diese sehr frühe Nominierung nicht zu erklären.

5. Timo Werner

Timo Werner, Isak Bergmann Johannesson
Alex Grimm/Getty Images

Im Schatten von Havertz, Gnabry und Müller spielte Timo Werner bei der EM keine sonderlich große Rolle. Unter Hansi Flick scheint sich der Chelsea-Stürmer aber wieder zu berappeln. Werner durfte in allen drei Partien von Beginn auflaufen und absolvierte sogar die volle Spieldauer. Sein letzter 90-minütiger Einsatz unter Löw liegt hingegen knapp ein Jahr zurück.

Selbst wenn der Angreifer erneut gute Chancen liegen ließ, knipste er in allen drei Spielen und scheint derzeit in der Sturmspitze gesetzt zu sein.

"Wir brauchen ihn in der Box, weil er da seine Gefahr hat. Klar, für ihn waren die Chancen ärgerlich, aber es kann passieren. Ich freue mich umso mehr, dass er das Tor gemacht hat," äußerte sich Flick nach dem Island-Spiel über Werner.


Verlierer unter Hansi Flick

6. Kai Havertz

Kai Havertz
Alexander Hassenstein/Getty Images

Wo es Gewinner gibt, da müssen auch irgendwo Verlierer sein. Im Spiel gegen Liechtenstein durfte der Chelsea-Star zwar im offensiven Mittelfeld ran, überzeugte aber überhaupt nicht und wurde nach 60 Minuten ausgewechselt.

Nachdem ihn gegen Armenien eine Erkältung stoppte, fand er sich gegen Island zunächst auf der Bank wieder. In der zweiten Hälfte durfte der Offensiv-Allrounder dann zwar ran, blieb auf der rechten Seite aber ziemlich blass und vergab eine 100-prozentige Chance.

Die ersten Länderspiele unter Hansi Flick hätte sich der deutsche Hoffnungsträger sicherlich anders vorgestellt. Bei der EM war der Londoner schließlich der mit Abstand beste Offensivspieler der Löw-Elf. Nun scheint sein Stammplatz zunächst in Gefahr zu sein.

"Über seine Qualitäten brauchen wir uns nicht zu unterhalten, er hat absolut geniale Fähigkeiten, er tut jeder Mannschaft gut", sprach Flick dem Spieler jedoch sein Vertrauen aus.

7. Robin Gosens

Hans-Dieter Flick, Robin Gosens
Alex Grimm/Getty Images

Robin Gosens legte nicht unbedingt einen Traumstart unter Hansi Flick hin. Gegen Liechtenstein agierte der Linksfuß enttäuschend, ehe er gegen Armenien aufgrund einer Fußverletzung fehlte. Beim Duell mit Island fand sich der offensivstarke Linksfuß auf der Ersatzbank wieder.

Für den Atalanta-Star gibt es gleich zwei Probleme. Zum einen machte Thilo Kehrer seinen Job auf der linken Seite gut und zum anderen hat Jonas Hofmann derzeit auf rechts gute Karten. Setzt Flick in der Rechtsverteidigung auf den offensiven Gladbacher, macht auf der linken Seite ein defensiv orientierter Spieler Sinn. Dieser ist nun mal der Paris-Star und nicht unbedingt Gosens.

Das Duo Gosens & Hofmann ist beim offensivfreudigen Bundestrainer zwar vorstellbar, letztlich aber doch etwas gewagt.

8. Florian Neuhaus

Florian Neuhaus
Sebastian Widmann/Getty Images

Florian Neuhaus hatte schon in der Löw-Ära meist das Nachsehen gegen die geballte Mittelfeld-Masse um Goretzka, Kimmich, Kroos und Gündoğan. Dennoch bekam der Gladbacher immer wieder seine Einsätze und überzeugte dabei meist auch.

Eigentlich hätte man erwartet, dass Neuhaus vom Kroos-Rücktritt profitiert und auch Gündoğan den Kampf ansagen kann. Davon war bislang aber noch rein gar nichts zu sehen. Tatsächlich erhielt der 24-Jährige keine einzige Minute Spielzeit.

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