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DFB-Team: Flick sollte weiter den Anti-Löw-Weg gehen

Martin Bytomski
Setzt in der Nationalmannschaft wieder vermehrt auf das Leistungsprinzip: DFB-Trainer Hansi Flick
Setzt in der Nationalmannschaft wieder vermehrt auf das Leistungsprinzip: DFB-Trainer Hansi Flick / Boris Streubel/GettyImages
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Bald ein Jahr ist Hansi Flick Trainer der deutschen Nationalmannschaft. Seitdem hat er gezeigt, dass er in Sachen Leistungskultur einen anderen Weg als sein früherer Chef Joachim Löw wählt. Das ist richtig so. Ein Kommentar.


Selbstverständlich hat Hansi Flick recht, wenn er mit Blick auf Leroy Sané im ZDF sagt: "Es ist wichtig, dass er Vertrauen spürt. Wenn jemand das Vertrauen spürt, gibt er das irgendwann wieder zurück." Gehen die Spieler für den Trainer durchs Feuer, kann es zu ungeahnten Leistungsschüben kommen. Ein Paradebeispiel dafür ist Jürgen Klopp, der 2011 beim BVB mit einem Haufen junger, aber gieriger und im besten Sinne trainerhörige Spieler durch die Bundesliga fegte und den Titel holte.

Und dennoch gilt auch für die größten Menschenfänger an der Seitenlinie, dass Vertrauen endlich ist. So spürte Klopp zum Ende seiner Zeit beim BVB, dass ein Neuanfang nötig war. Statt den Großteil "seiner Jungs" auszutauschen, nahm er selbst den Hut. Klar ist: Bei allem Vertrauen muss die Performance auf dem Rasen stimmen. So ist es nur richtig, dass Bundestrainer Flick im gleichen Interview betonte, dass auch bei ihm das Leistungsprinzip gilt. Dass das keine leere Phrase war, bewies er mit seiner Aufstellung für das Nations-League-Duell mit England. Nachdem Sané gegen Italien erneut wirkungs- und ideenlos agierte, ließ ihn Flick gegen die Three Lions kurzerhand zunächst auf der Bank schmoren.

Leistungsprinzip statt Nibelungentreue

Und sah, wie eifrig Jamal Musiala zu Werke ging und wie gradlinig Jonas Hofmann spielte. Es ist also nicht davon auszugehen, dass der Bundestrainer sich an der von Löw vorgelebten Nibelungentreue gegenüber verdienten Spielern orientiert - das ist richtig.

Es wäre für eine mit vielen hochkarätigen Spielern besetzte Fußballnation wie Deutschland hochgradig fahrlässig, nur einer Handvoll Spielern das Vertrauen zu schenken. Diesen Weg gilt es nun weiterzugehen. So sollte David Raum mit seiner starken Leistung weitere Chancen bekommen. Andere Spieler etwa, wie Karim Adeyemi, müssen zeitnah Möglichkeiten erhalten, um sich zu präsentieren. Denn vielleicht ist Adeyemi auch der Schlüssel für die deutschen Probleme im Angriffszentrum, wo Timo Werner seit geraumer Zeit nicht den höchsten Ansprüchen genügt.

Es bleibt also zu hoffen, dass Flick weiter den Anti-Löw-Weg beschreitet. Mit einem Gerüst an verdienten Spielern, die das Vertrauen aber auch mit Leistung zurückzahlen müssen - beurteilt nach ihrer Leistung und ohne falsche Loyalität. Und mit frischen und hungrigen Spielern in der Hinterhand. Damit wäre zwar der Erfolg nicht garantiert, aber ein Stück wahrscheinlicher als noch unter Löw.

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