Bundesliga

Der DFB bleibt bei Gräfe stur: Eine große Fehlentscheidung

Stefan Janssen
Manuel Gräfe.
Manuel Gräfe. / Cathrin Mueller/Getty Images
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Mit 47 Jahren hat Manuel Gräfe die Altersgrenze des DFB erreicht und darf ab der kommenden Saison nicht mehr in der Bundesliga pfeifen. Damit muss der vielleicht beste deutsche Schiedsrichter aufhören, obwohl er nach wie vor topfit und sehr beliebt ist. Dass der DFB stur bleibt und keine Ausnahme machen will, ist fatal.


Manuel Gräfe ist einer der besten, wenn nicht vielleicht sogar der beste Schiedsrichter, den wir aktuell in Deutschland haben. Spieler und Verantwortliche schwärmen von dem Unparteiischen, wie jetzt wieder Mats Hummels und Thomas Müller anlässlich Gräfes Besuch im Aktuellen Sportstudio: "Ruhig und unaufgeregt" sei Gräfe nach Hummels' Meinung, "man hat bei ihm immer das Gefühl, er versucht nicht sich in den Vordergrund zu rücken."

Wo Woche für Woche über Entscheidungen der Schiedsrichter und vor allem über die Kommunikation dieser diskutiert wird, bekommt Gräfe stets Lob ab für seine Spielleitung: "Man erkennt in seiner Art des Pfeifens, dass er ein bisschen was vom Fußball versteht und den Fußball liebt", meinte Thomas Müller. "Als Schiedsrichter kann man fast nicht mehr erreichen", erklärte Gräfe angesprochen auf die Lobeshymnen von Spielern und Verantwortlichen seine Person betreffend.

Ihn habe es als Spieler im Amateurbereich selbst immer gestört, "wenn die Schiedsrichter zu überheblich und zu arrogant waren, wenn man mit ihnen nicht reden konnte. Das wollte ich immer besser machen." Und genau das tut Gräfe und das kommt in der Bundesliga überall gut an. Seine Kollegen handhaben es dagegen oft anders, was für Probleme sorgt.

Wo seine Art des Pfeifens, bei der das Spiel im Sinne des Fußballs auch einfach mal laufen gelassen wird, aber offenbar nicht so gerne gesehen wird, ist beim DFB. Dort habe ihm seine Art "nicht immer den einfachsten Weg bereitet", stellte Gräfe fest. Und so stößt sein Wunsch und auch der Wunsch vieler aus dem Fußball, dass er trotz der überschrittenen Altersgrenze von 47 Jahren noch weiter pfeifen dürfe, bei der sportlichen Leitung des DFB auf taube Ohren.

Warum das so ist, ist allerdings unerklärlich. Manuel Gräfe ist wie schon gesagt aktuell vielleicht der beste Schiedsrichter, den es in Deutschland gibt. Viele junge Schiedsrichter, die aktuell nachkommen, haben vor allem in der Kommunikation auf dem Spielfeld erhebliche Probleme. Egal wie sehr sich der DFB seine Statistiken schönredet, es passieren Woche für Woche unerklärliche Dinge. So gut wie nie daran beteiligt ist allerdings Manuel Gräfe, der seine Spiele stets im Griff hat. Wieso man ihn nun unter allen Umständen los werden will, ist ein Rätsel.

Der DFB argumentiert bei seiner Altersgrenze damit, dass die Entwicklung der jungen Schiedsrichter nicht blockiert werden soll. Nachvollziehbar. Aber bei einem Ausnahme-Unparteiischen wie Gräfe wäre eine Ausnahme angebracht. Gräfe selbst sagte im Sportstudio, er würde sich wünschen, dass man nicht so stur an dieser Grenze festhielte, sondern dass es mehr nach Leistung ginge. Das ist hier offensichtlich nicht der Fall.

"Ich habe mich nicht immer beliebt gemacht mit einer geraden, ehrlichen Linie, die vielleicht auch mal kontrovers war", sagte Gräfe: "Ich glaube Spieler, Trainer und Manager schätzen das sehr." Der DFB dagegen nicht. Deshalb kommt der 47-Jährige zu dem Schluss: "Ich glaube schon, dass das eine sportpolitische oder eine persönliche Retourkutsche ist."

"Ich würde das viel flexibler handhaben und mehr nach dem Leistungsaspekt. "

Manuel Gräfe über die Altersgrenze

Es ist ein absolut fatales Signal. In einer Zeit, in der den meisten Schiedsrichtern eine klare Linie fehlt und vor allem die Kommunikation katastrophal ist und in der der DFB jede noch so kontroverse Entscheidung irgendwie fadenscheinig als richtig begründet, ist es einfach kompletter Unsinn, seinen besten Schiedsrichter in Rente zu schicken. Trotz seiner 47 Jahre ist Gräfe topfit und leitet Spitzenspiele wie Bayern gegen Dortmund ohne Probleme.

Wie Gräfe verriet, wäre er auch gerne an einem Dialog mit dem DFB interessiert gewesen, an einer gemeinsamen Entscheidung, vielleicht von Jahr zu Jahr zu schauen. Doch auch das interessierte beim Verband niemand. "Im Gespräch mit der sportlichen Leitung wurde uns mitgeteilt, dass sie sich gut aufgestellt sehen", erklärte der Schiedsrichter. An einer gemeinsamen Lösung war dort offenbar niemandem gelegen.

Und so wird Manuel Gräfe am kommenden Samstag wohl sein letztes Bundesligaspiel pfeifen und danach als Schiedsrichter-Experte beim ZDF agieren. Allerdings denkt er auch eine Klage wegen Altersdiskriminierung, womit Schiedsrichter in den Niederlanden bereits Erfolg hatten: "Es könnte eine Option sein. Das war aber nicht das Ziel, ich wollte es im Miteinander regeln." Irgendwie ist zu hoffen, dass Gräfe diesen Weg wählt, gewinnt und weiter pfeift. Es würde die Bundesliga-Schiedsrichter in der kommenden Saison erheblich aufwerten.

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