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DFB-Team

Leon Goretzka gegen Portugal wieder dabei: Darum ist die Rückkehr so wichtig

Dominik Hager
Leon Goretzka könnte gegen Portugal sogar in der Startelf stehen.
Leon Goretzka könnte gegen Portugal sogar in der Startelf stehen. / Alexander Hassenstein/Getty Images
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Nach dem etwas enttäuschenden EM-Auftakt gegen Frankreich dürfen sich die Deutschen zumindest über eine gute Nachricht freuen. Laut Sport-1-Redakteur Florian Plettenberg wird Leon Goretzka gegen Portugal im Kader stehen. Der Münchner Mittelfeldspieler soll sogar ein Kandidat für die Startelf sein.


Im Vorfeld der Partie Deutschland gegen Frankreich war nicht jeder Fan und Experte überzeugt von der Doppelsechs Kroos & Gündoğan. Die beiden Akteure wurden von einigen Kritikern als zu zweikampfschwach, zu langsam und dadurch in der Defensive als anfällig betitelt.

Überraschenderweise schlug sich das Duo jedoch in der Abwehrarbeit recht gut, nach vorne allerdings lief nicht viel. Toni Kroos positionierte sich zu tief, wohingegen sein Mittelfeld-Kollege über weite Strecken untertauchte und nur wenige Akzente setzen konnte. Dabei hätte das etwas verloren wirkende Offensiv-Trio dringend Unterstützung benötigt.

Darum ist Goretzka für das DFB-Team so wichtig

Die angesprochene Unterstützung ist jedoch nun in Person von Leon Goretzka unterwegs. Der Bayern-Star ist quasi das komplette Gegenteil von Toni Kroos. Spielaufbau und Passspiel sind jedenfalls keine Punkte, über die sich der Ex-Schalker definiert.

Der 26-Jährige ist aber dafür unglaublich athletisch und dynamisch. Goretzka hat Power und versteht das Spiel ohne Ball. Der klassische "Box-to-box"-Spieler weiß genau, wie er sich bewegen muss, um Torgefahr zu erzeugen. Der Bayern-Star positioniert sich geschickt im Rückraum und macht auch in der Box Alarm.

Der dynamische Mittelfeldspieler ist genau derjenige, der die Lücke zwischen Mittelfeld und Angriff schließen und in gefährliche Räume laufen kann. Eben daran ist İlkay Gündoğan gegen die Franzosen gescheitert.

Selbstredend wird Goretzka auch als Dauerläufer und Lückenstopfer gebraucht. Mit seiner Körperlichkeit und Schnelligkeit ist er ein besserer Balleroberer als Toni Kroos oder İlkay Gündoğan, selbst wenn die beiden Techniker diese Rolle gegen Frankreich wahrlich nicht schlecht ausgeführt haben.

Goretzka vor Rückkehr: Wer muss für den Münchner weichen?

Nichtsdestotrotz bringt Goretzka Komponenten mit, auf die Joachim Löw setzen muss. Insbesondere im Falle einer Dreierkette sind die "Box-to-Box"-Fähigkeiten von Goretzka schlichtweg wertvoller als ein sicheres Kurzpassspiel. Sollte der Bayern-Spieler von Beginn an auflaufen, hätte Löw mehrere Optionen.

Die geringste Veränderung bestände darin, den Mittelfeldakteur neben Kroos oder Gündoğan zu bringen. Im Falle einer Dreierkette würde ein Zusammenspiel mit dem Manchester-City-Star Sinn machen. Kroos ist als reiner Stratege vor einer Dreierkette einfach Fehl am Platz, zumal es keinen Spieler braucht, der sich zwischen drei Spielern die Bälle abholt.

İlkay Gündoğan versteht hingegen etwas vom Spielaufbau und weiß auch, wie man ein Spiel antreibt. Der 30-Jährige ist ein Stück weit dynamischer und beweglicher als Kroos und kann auch mal mit einer Körpertäuschung einen Spieler stehen lassen.

Im Falle ein Viererkette wäre jedoch Kroos der geeignetere Kandidat. In diesem Fall würde schließlich ein Stratege Sinn machen, zumal ein Innenverteidiger fehlt. Da Goretzka diese Aufgaben nicht ausführen wird und sollte, könnte Kroos als klassischer Ballverteiler agieren. Der Goretzka würde, ähnlich wie bei den Bayern, den Weg zur Box suchen und extrem viel Laufarbeit verrichten.

Nach Auftaktpleite gegen Frankreich: Bayern-Block und Rückkehr zum 4-2-3-1?

Allerdings bestände natürlich auch die Möglichkeit, Kimmich zurück ins Mittelfeld zu stellen und mit einem Bayern-Duo zu spielen. Hier weiß schließlich jeder, dass beide perfekt miteinander harmonieren. Prinzipiell macht es durchaus Sinn, eines der erfolgreichsten Gespanne im Klub-Fußball auch in der Nationalmannschaft gemeinsam auflaufen zu lassen.

Problematisch ist dabei nur, dass İlkay Gündoğan und Toni Kroos dann wohl auf der Bank Platz nehmen müssen und ein neuer Rechtsverteidiger auflaufen muss. Während dies im Falle einer Fünferkette Probleme machen könnte, wäre all das mit vier Verteidigern weniger problematisch.

Matthias Ginter präsentiert sich sowohl mit als auch gegen den Ball derzeit so stark, dass er definitiv ein aussichtsreicher Kandidat für die Rechtsverteidiger-Position wäre. Robin Gosens hat ebenfalls eine starke defensive Leistung gegen Frankreich geboten, was daraus schließen lässt, dass er auch ein wenig tiefer stehend sein Ding machen würde. Solange Ginter eher den absichernden Part übernimmt, könnte er auch seine offensiven Qualitäten ins Spiel bringen.

Die Rückkehr von Goretzka bietet Joachim Löw die Chance, den vollen Bayern-Block im Mittelfeld aufzustellen. Dies sollte er tun, selbst wenn er dabei İlkay Gündoğan und Toni Kroos opfern müsste. Ein 4-2-3-1 könnte auch Müller wieder seine Parade-Rolle ermöglichen, was deutlich vielversprechender wäre, als ein weiterer Einsatz auf halblinks.

So könnte Deutschland mit Goretzka spielen:



Neuer - Ginter, Hummels, Rüdiger, Gosens - Goretzka, Kimmich - Sané, Müller, Gnabry - Havertz (Werner)

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