Bundesliga

Niklas Süle zum BVB: Ein erstaunlicher Wechsel, der der Liga guttut

Dominik Hager
Was für ein Hammer: Niklas Süle wechselt nach Dortmund
Was für ein Hammer: Niklas Süle wechselt nach Dortmund / Alexander Hassenstein/GettyImages
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Es ist ohnehin schon eine ziemliche Seltenheit, dass sich etablierte Bayern-Stars dazu entscheiden, den Verein zu verlassen. Wenn es dann doch mal geschieht, liegt das meist an spektakulären Angeboten aus Madrid, London oder Manchester. Die Münchener Verantwortlichen dürften daher auch in ihren kühnsten Träumen keinen Wechsel von Niklas Süle zum Liga-Rivalen Borussia Dortmund in Betracht gezogen hat. Für die Bundesliga ist der Deal im Großen und Ganzen aber positiv zu bewerten.


Es ist inzwischen beinahe zehn Jahre her, als der BVB letztmals an der Vorherrschaft der Münchner geknabbert hat. Zwei Meistertitel in Serie und das furiose 5:2 im Pokalfinale haben Zweifel daran aufkommen lassen, ob der FC Bayern überhaupt noch der Vorzeigeverein in Deutschland ist. Letztlich konnte der BVB den Schwung aus den großen Jahren jedoch nicht mitnehmen, wohingegen die Münchner national und international groß aufspielten.

Dies gilt jedoch nicht nur in Bezug auf sportliche Leistungen und Titel, sondern auch was die Machtverhältnisse auf dem Transfermarkt angeht. Mit Mario Götze, Robert Lewandowski und Mats Hummels wechselten drei BVB-Stars zum FC Bayern. Zwar konnten die Dortmunder Götze und Hummels zurückholen, jedoch kamen die Wechsel nur zustande, weil die Münchner diesen aus mehreren Gründen auch gerne zustimmten.

Süle-Wechsel zum BVB gegen die Natur der Bundesliga

Im Fall von Niklas Süle wurde die eigentlich festgefahrene Nahrungskette der Bundesliga mal gehörig auf den Kopf gestellt. Normalerweise bedienen sich die Schwarz-Gelben bei einem etwas kleineren Verein und verlieren die Spieler irgendwann an den FC Bayern oder ans Ausland. Die Münchener mussten sich hingegen stets nur vor den Top-5-Klubs aus dem Ausland fürchten.

Doch reicht ein Wechsel von Niklas Süle, um dem FC Bayern mehr als nur einen Zacken aus der Krone schlagen zu können und die Bundesliga wieder spannend zu machen? So weit kann man definitiv nicht gehen. Dafür hätten die Borussen schon einen unumstrittenen Stammspieler und Leistungsträger weglocken müssen.

Trotz allem dürfte der Transfer aus Dortmunder Perspektive eine echte Genugtuung und eine sportliche Verstärkung sein, wohingegen die Bayern-Verantwortlichen wohl mit einer Mischung aus Unverständnis und Erstaunen auf den Wechsel reagieren dürften.

Darum ist der Süle-Wechsel zum BVB gut für die Bundesliga

Für die Bundesliga und Fußball-Deutschland ist der Transfer in Summe ein absoluter Glücksfall. Der BVB wird den Münchenern deswegen nicht gleich Paroli bieten können, jedoch bleibt immerhin ein sehr guter Abwehrspieler der Liga enthalten. In den vergangenen Transferperioden wurde die Bundesliga immer schwächer, weil häufig Stars ins Ausland verkauft wurden und sich die deutschen Klubs Spieler aus der heimischen Liga oder weniger hoch veranlagte Akteure aus dem Ausland als Ersatz gesichert haben. Ein Timo Werner wurde beispielsweise ein Jahr später durch André Silva ersetzt, der ohnehin schon in der Bundesliga aktiv war.

Der FC Bayern beteiligte sich auch an diesem Spiel, indem man Alaba zu Real ziehen lassen musste und dafür Upamecano aus Leipzig holte. Prominente Verkäufe ins Ausland wie die von Kai Havertz oder Jadon Sancho sind ebenfalls Beispiele, wie die Liga nach und nach an Qualität einbüßte.

Der Süle-Transfer ist jedoch das genaue Gegenteil der derzeitigen Tendenz. Während der FC Bayern dadurch nicht wesentlich schwächer wird, gewinnt der BVB auf der größten Problem-Position einen tollen Spieler hinzu. Zudem werden sich die Bayern einen Ersatzmann angeln müssen, der voraussichtlich aus dem Ausland kommt. Hierbei wurden bereits interessante Namen wie Bremer und Andreas Christensen gehandelt. Letztlich dürfte die überraschende Entscheidung von Süle dafür sorgen, dass die Bundesliga um einen hochveranlagten Verteidiger reicher wird.

Im internationalen Kräftemessen kann das nur ein Vorteil sein. Schließlich vermochte es zuletzt praktisch nur der FC Bayern, in der Fünfjahreswertung ordentlich zu punkten. Dies kann auf Dauer jedoch nicht das Ziel sein. Auch Teams wie Borussia Dortmund, RB Leipzig oder Bayer 04 Leverkusen müssen auf dem Transfermarkt Risiken eingehen und hier und da überraschende Zeichen setzen. Der Süle-Deal ist diesbezüglich ein guter Anfang.


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