Rot für Bellingham? Kehl kontert Forderungen

Dominik Hager
Sebastian Kehl hat Jude Bellingham in Schutz genommen
Sebastian Kehl hat Jude Bellingham in Schutz genommen / Helge Prang - GES Sportfoto/GettyImages
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Die Szene zwischen Jude Bellingham und Alphonso Davies kurz vor dem Pausenpfiff war der Aufreger im Klassiker zwischen Bayern und Dortmund. Der Engländer traf Davies mit dem Fuß am Kopf, flog jedoch nicht vom Platz, obwohl er zu diesem Zeitpunkt bereits eine Gelbe Karte mit sich herumschleppte. Die Fußball-Szene betrachtet die Situation gespalten, jedoch plädierten Sebastian Kehl und sogar Karl-Heinz Rummenigge für den BVB-Kicker.


Für Sky-Experte Lothar Matthäus stand sofort fest: Der Tritt in Richtung Kopf von Jude Bellingham an Alphonso Davies hätte eine Gelb-Rote Karte nach sich ziehen müssen. Julian Nagelsmann ging im Interview mit dem Pay-TV-Sender sogar noch weiter und sah in der Aktion  eine klare Rote Karte. In der Regelschulung sei klar zum Ausdruck gebracht worden, dass solche Szenen mit glatt Rot bestraft werden müssen, so der Bayern-Coach.

Schiedsrichter Aytekin sah das aber anders und erklärte, dass in der Situation der Kopf zu tief war und die Überzeugung gefehlt habe, um nach der strengen ersten Verwarnung einen Platzverweis auszusprechen. 

Kehl verteidigt Bellingham: "Jude hat ihn nicht gesehen"

Sebastian Kehl stellte sich nach der Partie ebenfalls gegen die Meinung von Matthäus und Nagelsmann. "Jude hat ihn gar nicht gesehen, er versucht den Ball mitzunehmen", schilderte der Borusse (via Ruhr Nachrichten) die Szene. Zwar gab er zu, dass die Szene "krass ausgesehen" habe, nahm sich aber auch die Bayern-Akteure vor. "Wenn wir jetzt anfangen, darüber zu diskutieren, weiß ich nicht, wie wir die Situationen bei Sané, Goretzka oder de Ligt einschätzen", schoss Kehl zurück.

Damit trifft Kehl streitbare Äußerungen. Klar ist jedenfalls, dass einzig und allein Alphonso Davies wegen einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus musste, während die anderen Spieler weitermachen konnten. Ob Absicht oder nicht, ein gefährliches Spiel liegt immer vor, wenn der Fuß auf Kopfhöhe unterwegs ist. Die Szene in einem Atemzug mit jenen von Goretzka oder de Ligt zu nennen, ist mutig.

Rummenigge akzeptiert Entscheidung: "Bin da bei Aytekin"

Unterstützung bekam Kehl jedoch von Karl-Heinz Rummenigge, der ebenfalls keinen Platzverweis für Bellingham gegeben hätte. "Ich bin da bei Aytekin. Die erste Gelbe war mir schon ein Stück zu hart", erklärte dieser bei Bild-TV. Nach dem Kopftreffer hätte es laut Rummenigge zwar "regelgerecht auch Gelb-Rot geben können", jedoch wäre "glatt Rot zu viel" gewesen.

In Summe kann sich der frühere Bayern-Vorstandsvorsitzende demnach mit der Entscheidung abfinden. "Der Schiedsrichter hat anders entschieden und es anders erklärt. Er wollte ihm nicht Gelb-Rot geben, weil er das Stadion nicht zum Kochen bringen wollte", erklärte er. Zudem wäre es eine "harte Entscheidung" mit Blick auf den Spielverlauf gewesen, weil Bellingham ein Schlüsselspieler sei.

Letztlich sei jedoch gesagt, dass weder das Stadion, noch die Tatsache, ob jemand ein Schlüsselspieler ist, auf eine Schiedsrichter-Entscheidung Einfluss haben darf. Richtig ist aber durchaus, dass die erste Gelbe Karte für Bellingham sehr hart war. Trotzdem: Geht der Spieler vorbelastet so rein, darf er sich über einen Platzverweis nicht beschweren. Fingerspitzengefühl hat Kingsley Coman bei seiner Gelb-Roten Karte schließlich auch nicht erfahren - wie Bayern-Boss Oliver Kahn auf Twitter schrieb. Aytekin saß dabei im Sport1-Doppelpass und erklärte erneut seine Entscheidungen.


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