Bundesliga

Bayern-Code geknackt? Gladbach-Sieg für Vogts eine Blaupause für die Bundesliga

Nikolas Pfannenmüller
Laut Berti Vogts hat der Gladbach-Sieg im DFB-Pokal gegen den FC Bayern eine "große Bedeutung für die gesamte Bundesliga".
Laut Berti Vogts hat der Gladbach-Sieg im DFB-Pokal gegen den FC Bayern eine "große Bedeutung für die gesamte Bundesliga". / Alex Livesey/GettyImages
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Fraglos war die gestrige 0:5-Niederlage des FC Bayern München in Mönchengladbach ein Spiel für die Geschichtsbücher. Während sich die Gastgeber in einen Rausch spielten, erlebte der Rekordmeister einen Abend zum Vergessen. Aber was lässt sich aus dem Spiel für die Zukunft ableiten? Ist nun das Bayern-System geknackt, wie Ex-Bundestrainer Berti Vogts orakelt?


Schon einmal in seiner Vereinsgeschichte gewann Borussia Mönchengladbach mit 5:0 gegen die Bayern. An diesem 18. Mai 1974 stand auch Berti Vogts auf dem Platz. 47 Jahre und fünf Monate später triumphierte die Borussia mit exakt dem gleichen Resultat.

"Der Sieg hat nicht nur eine große Bedeutung für die Mannschaft, sondern für die gesamte Bundesliga. Jetzt wissen andere Mannschaften, wie man gegen Bayern zu spielen hat", sagte Berti Vogts im Gespräch mit Spox und Goal.

"Adi Hütter allein gebührt großes, großes Lob. Er hat das System der Bayern geknackt und die Schwächen herausgefunden."

Berti Vogts

Vogts, der 1996 als deutscher Nationaltrainer Europameister und 1974 als Spieler Weltmeister wurde, räumte dem Erfolg der Borussia einen hohen Stellenwert ein. "Adi Hütter allein gebührt großes, großes Lob. Er hat das System der Bayern geknackt und die Schwächen herausgefunden", so der Rekordspieler Borussia Mönchengladbachs.

Bayern-System geknackt oder einfach nur ein schlechter Tag?

Doch ist das Bayern-System wirklich "geknackt", wie Berti Vogts bemerkte? Diese Einschätzung ist mit Vorsicht zu genießen, nachdem die Bayern in der laufenden Saison bis zum gestrigen Pokal-Spiel von den ersten 13 Pflichtspielen elf gewannen. Selbst bei der 1:2-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt war die Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann dominant und hätte gut und gerne vier oder fünf Tore erzielen können.

Beim denkwürdigen 0:5 am Mittwoch in Mönchengladbach war Bayern zum ersten Mal in dieser Saison komplett chancenlos. Ein schlechtes Spiel gibt allerdings keinen seriösen Aufschluss über die kommenden Wochen und Monate.

Gladbach hätte Hütters System gut umgesetzt "und nicht immer über die Außenpositionen", sondern durch das Zentrum gespielt: "Da sind die Bayern immer sehr anfällig", behauptete Vogts. Tatsächlich taten sich gestern in der bayrischen Verteidigung einige Lücken auf, das lag allerdings eher an individuellen Schnitzern als an der Struktur.

In allen anderen Saisonspielen gelang es den Bayern größtenteils, das Zentrum kompakt zu halten, worauf Nagelsmann nach eigener Auskunft auch sehr großen Wert legt. Am Mittwoch unterliefen den Abwehrspielern der Bayern ungewohnt gravierende Fehler - allen voran Dayot Upamecano, der sich mehrmals bei langen Bällen der Hausherren verschätzte. Aber auch die individuellen Leistungen seiner Mitspieler waren unterdurchschnittlich.

Hütters Bilanz gegen Bayern

Adi Hütter indes gebührt eine Menge Respekt, der Heiland vom Niederrhein ist auch er aber nicht. Tatsächlich hat der Österreicher in seiner Trainerkarriere eine ansehnliche Bilanz gegen den FC Bayern: Von zehn Duellen konnten von ihm trainierte Mannschaften drei für sich entscheiden, ein Spiel ging Unentschieden aus (1:1 beim Saisonauftakt der laufenden Spielzeit). Als Gladbach-Trainer ist der 51-Jährige nach zwei Spielen also noch ungeschlagen gegen die Bayern.

Im November 2019 führte ein 5:1-Sieg von Eintracht Frankfurt, die Hütter damals noch coachte, zur Entlassung von Bayern-Trainer Niko Kovac. Übrigens folgte auf Kovac Hansi Flick als Trainer und Bayern holte in dieser Saison das Triple.

Ungeachtet dessen sollte man auch erwähnen, dass Hütter mit Frankfurt mehrmals deutlich gegen die Bayern verlor. Zweimal verlor der 51-Jährige mit jenen fünf Toren Unterschied, die unter umgekehrten Vorzeichen gestern ganz Fußball-Deutschland in Erstaunen versetzten (0:5 im August 2018, 0:5 im Oktober 2020).

Vogts zufolge hat Hütter dem Rest der Bundesliga einen "Hinweiszettel" besorgt, wie man den Bayern Probleme bereiten kann: "Gladbach hat gezeigt, dass man die Bayern im Auswärtsspiel mit Mut und Begeisterung jederzeit schlagen kann."

Jetzt muss die Borussia aufpassen

Andererseits ist Vogts auch Realist und vermutet, dass Gladbach sich nicht von jetzt auf gleich zu einer Spitzenmannschaft entwickeln wird. "Die Borussia wird nicht jedes Wochenende so spielen. Man hat auch gesehen, dass die Bayern Gladbach spielen gelassen haben. Das werden andere Bundesligavereine nicht zulassen", sagte der 74-Jährige.

"Gladbach ist im Moment auf dem 12. Platz und da gehört noch eine ganze Menge dazu. Hier war es im Pokal und das sieht in der Bundesliga gegen den VfL Bochum am Sonntag schon wieder ganz anders aus", betonte Vogts.

"Wenn man nur gegen den FC Bayern hundert Prozent abruft und dann gegen Bochum nur mit 60 Prozent spielt, wird es am Wochenende vielleicht schon wieder eine Überraschung geben", mahnte er.

In der Bundesliga trat die Borussia bislang äußerst inkonstant auf. Gegen das Top-Team von Borussia Dortmund gewann man vor viereinhalb Wochen mit 1:0, in Augsburg und bei Hertha BSC verlor man hingegen mit jeweils dem gleichen Ergebnis.

Warnendes Beispiel, dass man nach einem Erfolg gegen die Bayern nicht unbedingt von Sieg zu Sieg eilen muss, ist Eintracht Frankfurt. Ehe die Mannschaft von Oliver Glasner von Hertha BSC und kürzlich dem VfL Bochum bezwungen wurde, gewann sie vor der Länderspielpause in München.

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