​Mit José Manuel Jurado hatte ​Schalke 04 im Sommer 2010 einen jungen spanischen Offensivspieler verpflichtet, der von vielen Beobachtern als genialer Techniker geschätzt wurde. Seine Stärken konnte er beim S04 leider nie wirklich konstant zeigen - heute spielt er in der zweiten Liga in Spanien.


Für stolze 13 Millionen Euro wurde José Jurado im Sommer 2010 von Atlético Madrid verpflichtet. Der damals 24-Jährige hatte sich im spanischen Fußball bereits einen Namen gemacht: Immerhin kam er aus der Jugend von ​Real Madrid, eher er sich bei Atlético - über den Umwegi RCD Mallorca - zum Stammspieler entwickelte. In der Saison 2009/10 absolvierte der Offensivspieler satte 64 Pflichtspiele (wettbewerbs-übergreifend) für seinen Verein, mit dem er am Ende der Spielzeit sogar die Europa League gewinnen konnte.

Schalke's Brazilian striker Edu (L)celeb

Beim 5:2-Sieg gegen Inter Mailand zeigte Jurado (re.) einen seiner zu seltenen guten Auftritte


Wenig verwunderlich also, dass man die 13 Millionen Euro auf den Tisch blättern musste. Für die damalige Zeit eine ordentliche Ablösesumme, für Schalke ohnehin. Felix Magath wollte Jurado damals im blau-weißen Trikot spielen sehen, und viel sprach für einen tollen Transfer. 


Jurado kam als "Edeltechniker" und ging als "Schalker Sorgenkind" 

Der Spanier hatte zu diesem Zeitpunkt bereits den Ruf eines starken Technikers, eines kreativen Offensivspielers mit der Qualität für die große europäische Bühne - schließlich hatte er schon in jungen Jahren Erfolge feiern und sich in sehr guter Form zeigen können. Auf Schalke sollte es mit ihm jedoch so gut wie gar nicht funktionieren, mal wieder ausgerechnet beim S04, wie sich einige Fans wohl dachten. Jurado absolvierte zwar 72 Pflichtspiele für die Knappen, doch seinem Ruf konnte er leider nicht gerecht werden.


Leider, das muss man so deutlich sagen. Das Potenzial, welches er nahezu versteckt hielt, war immens. Immer wieder ließ er es aufblitzen, sodass man als Zuschauer ins Staunen geriet. Vielen wird die Chip-Vorlage mit dem Außenrist für Raúl gegen den ​SC Freiburg noch ein Begriff sein, immer wieder lief sie als Highlight in den Fußball-Kanälen. Sich satt sehen, das war kaum möglich.

Solche Momente gab es allerdings viel zu selten. So wurde Jurado schnell zum "Schalker Sorgenkind", wie er damals häufig betitelt wurde. Der "Edeltechniker" - auch eine bis dato zutreffende Bezeichnung - zeigte beispielsweise wenig Gefallen an der notwendigen Defensivarbeit, die ihn in der Bundesliga und auf Schalke erwartete. Huub Stevens, nach Magath als Trainer tätig, kritisierte damals, Jurado habe "keine Stabilität". Damit meinte der Kulttrainer die fehlende Konstanz, welche die Vereinsverantwortlichen an den Rand der Verzweiflung brachte. Immerhin war er mit einem Jahresgehalt von etwa vier Millionen Euro einer der absoluten Großverdiener. Noch heute, also im Jahr 2020, wäre er damit wohl im oberen Drittel, wenn nicht gar im oberen Viertel der S04-Gehaltsliste.


Unmut und Unzufriedenheit im letzten Jahr: Jurado gelingt auf Schalke nicht der Durchbruch


Schließlich kam es, wie es kommen musste: Im Sommer 2013 ging man endgültig verschiedene Wege, nachdem Jurado bereits ein Jahr an Spartak Moskau verliehen war. Unmutsäußerungen über fehlende Einsatzzeiten seinerseits, strenges Anzählen von Sportdirektor Horst Heldt und weitere - seinem eigentlichen Können entsprechend - enttäuschende Spiele waren dem vorhergegangen. Lediglich zwei bis drei Millionen zahlte der russische Verein an Schalke, doch die Summe schien damals kaum noch jemanden zu interessieren. Dass man das bittere Missverständnis beendet hatte, war wohl deutlich wichtiger. 


Die guten Spiele blieben angesichts der sonstigen Umstände so gut wie versteckt. Seine besten Leistungen lieferte er wohl außerhalb des Liga-Betriebs ab, wenn es im DFB-Pokal oder in der Champions League, etwa beim ​5:2-Erfolg gegen Inter Mailand, um Erfolge ging. So blieben der Gewinn des deutschen Pokals, sowie der weniger bedeutsame, jedoch zweifache Titel des Superpokal-Erfolgs. 


Anschließend kam es, wie es kommen musste: José Manuel Jurado sollte nicht mehr auf hohem Niveau spielen, das Talent war nicht ausgenutzt worden. Sein weiterer Werdegang ist schnell erzählt: Nach Moskau folgten Stationen beim FC Watford und bei Espanol Barcelona, sowie anschließend in Saudi-Arabien und in der zweiten (!) chinesischen Liga. Seit vergangenem Sommer spielt der heute 33-Jährige für den FC Cádiz im spanischen Unterhaus, wo er nur noch auf wenige Kurz-Einsätze kommt. Hoch gepriesen, tief gefallen - die Geschichte um Jurado sollte leider kein weiteres Kapitel des schönen Fußballs werden.


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