​Beim morgen anstehenden ​EM-Qualifikationsspiel zwischen Deutschland und Weißrussland (20.45 Uhr) droht eine Minuskulisse im Mönchengladbacher Borussia-Park. Die Gründe dafür sind mannigfaltig, aber zu großen Teilen vom DFB selbst verschuldet.


In nicht zu ignorierender Deutlichkeit hat der FPMG Supporters Club (Dachorganisation aller Borussen-Fans) angekündigt, morgen sowohl das Fan-Haus als auch den Info-Stand hinter der Nordkurve aus Protest geschlossen zu lassen. 


Dazu ließ der Vorstand folgendes Statement verkünden: "Die Fanszene Mönchengladbach ist nicht gewillt, die Machenschaften beim DFB sowie den Kommerz rund um unsere Nationalmannschaft mitzutragen. Künstliche Konstrukte wie etwa die Umbenennung in „Die Mannschaft“ oder die Zwangsmitgliedschaft im sogenannten „Fanclub Nationalmannschaft“, um Eintrittskarten zu erhalten, stoßen langjährige Fans vor den Kopf. Mit Verband und Nationalmannschaft in der derzeitigen Prägung wollen wir nichts zu tun haben." (Quelle: express.de).


Deutliche Worte von sichtlich gefrusteten Fans. Jetzt kann man natürlich darüber streiten, ob Namensschöpfungen wie "Die Mannschaft" (die ja noch nicht mal vom DFB selbst kommt, sondern einfach nur aus Volkes Mund übernommen wurde) wirklich eine solche Transzendenz haben, um gleich das große Ganze in Frage zu stellen. 


Doch gängelnde Maßnahmen wie Zwangsmitgliedschaften, wie beim Fanclub Nationalmannschaft, oder seit Jahren zementierte späte Anstoßzeiten taugen durchaus, um die Kluft zwischen Verband und Fans weiter anwachsen zu lassen. Speziell auf den morgigen Spielort Mönchengladbach bezogen, darf man sich vonseiten des DFB ebenfalls nicht darüber wundern, dass die dortigen Fans nicht ganz so gut auf den Verband zu sprechen sind. 


Mönchengladbach immer noch sauer wegen Nicht-Berücksichtigung bei der EM 2024


Immerhin ist den Niederrheinern der Genuss von Live-Spielen im Stadion im Rahmen der Euro 2024 verwehrt worden - ​Mönchengladbach guckte bei der Vergabe der 10 Spielorte (wie auch Nürnberg, Hannover und Bremen) bekanntlich in die Röhre. 


Die nicht immer gegebene Transparenz bei diesem Auswahlverfahren hat die Entscheidung für die zurückgewiesenen Städte sicher nicht angenehmer oder leichter zu akzeptieren gemacht. 

Für den Supporters Club sei es "eine Farce, Borussia und die Stadt Mönchengladbach als traditionsreichen Fußballstandort bei der Vergabe von Topspielen sowie als Spielstätte bei Europa- und Weltmeisterschaften trotz bester Voraussetzungen schlicht zu ignorieren." 


Zu diesen atmosphärischen Störungen zwischen Verband und Basis kommen dann noch die klassischen sportlichen Argumente: das peinliche Vorrunden-Aus der DFB-Mannschaft bei der letzten Weltmeisterschaft (ist ja auch erst gerademal eineinhalb Jahre her) wirkt bei vielen Fans hierzulande immer noch nach. 


Zumal die Auftritte nach dem Turnier in Russland ja auch nicht alles glanzvoll und strahlend verliefen. Und dann ist da ja auch noch der Gegner. Weißrussland! So attraktiv wie ein Keuchhusten. Aktuell 86. der FIFA-Weltrangliste, und somit noch hinter Teams wie Panama, Usbekistan oder Curaçao. 


Deshalb stimmt es eben nicht ganz, wenn Joshua Kimmich behauptet, dass ein respektables Zuschaueraufkommen nur davon abhänge, ob er und seine Kollegen "sexy spielen oder nicht". 

Selbst wenn sie sexy wie selten spielen würden - es gäbe dann nur ein hohes (vielleicht zweistelliges) Ergebnis. 


Doch wer will so was? Wer erinnert sich und schwärmt denn heute noch vom 13:0 in San Marino vor 13 Jahren? Eben - keiner! Weil niemand solche Spiele braucht. Das war vor dreißig Jahren schon so, und hat sich wegen der immer höher steigenden Ansprüche der Fans, verwöhnt von Premium-Produkten wie der Champions League, bis heute eher noch verstärkt. 


Zufälligerweise war das letzte in Mönchengladbach ausgetragene Länderspiel ebenfalls keines mit riesiger Strahlkraft: am 31. August (!) 2016 wollten nur 30.121 Zuschauer den Test-Kick der DFB-Elf gegen Finnland live im Stadion verfolgen. 


Wenn also morgen knappe 30.000 Zuschauer den Borussia-Park füllen, ist das zwar keine Auslastung, die die Fans schwindelig werden und den DFB-Schatzmeister vor Freue in die Luft springen lässt - es ist aber auch nicht das Ende des Fußball-Landes Deutschland.