​Jahrelang war es eine Erfolgs-Geschichte, über viele Spielzeiten feierte Jérôme Boateng mit dem ​FC Bayern München Titel und Erfolge. Doch spätestens seit der letzten Saison wurde aus dem Verteidiger auf Weltklasse-Niveau immer mehr ein Bankdrücker, die Wechselwirkungen zwischen Boateng und den Bayern nahm ungeahnte Ausmaße an. Nun steht der Abschied des 30-Jährigen an, doch bereits im DFB-Pokalfinale war Boateng kaum noch ein Teil der Mannschaft.


Am Ende dieser Saison sind es acht Jahre, die der FC Bayern München und Jérôme Boateng gemeinsam auf Titeljagd gingen. In 286 Pflichtspielen kam Boateng dabei zum Einsatz, über viele Jahre spielte er dabei auf Top-Niveau, war sowohl aus dem Münchner Kader als auch der Nationalmannschaft nicht mehr wegzudenken. Doch seit einer geraumen Zeit scheint der Zauber erloschen zu sein.

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Boateng war noch vor wenigen Jahren kaum aus der Mannschaft wegzudenken


Es begann damit, dass der Verteidiger immer seltener zum Einsatz kam. Seine Nebenmänner Mats Hummels und vor allem der aufkommende Niklas Süle konnten mehr überzeugen. In den vorherigen Jahren wurde er zudem immer wieder durch Verletzungen gestoppt, Boateng wurde für die Bayern nicht mehr unersetzbar. Doch Boateng schien mit den wenigen Einsätzen zu hadern, je öfter er sich auf der Bank wiederfand, desto mehr ging seine Motivation in den Keller.


Dies gipfelte schließlich am gestrigen Abend, als Bayern München im DFB-Pokalfinale auf ​RB Leipzig traf. Einmal mehr saß der einstige Weltmeister nur auf der Bank, wie so häufig in dieser Saison. Mit nur 28 Pflichtspielen verpasste er einmal mehr seine persönlichen Ziele, eine Rückkehr zu seinem ehemaligen Status schien kaum noch möglich. Und anders als Boateng standen in dieser Saison wieder viele Spieler im Rampenlicht.


Als Franck Ribéry und Arjen Robben zu ihren letzten Minuten im Trikot des FC Bayern München kamen, wurden sie von allen Seiten bejubelt. Dass auch Boatengs Zeit beim Rekordmeister gekommen ist nahmen viele Fans dagegen nur noch zur Kenntnis. Wahrscheinlich war dies der Grund für Boatengs Reaktionen unmittelbar während und nach dem Duell. Ein Abschieds-Spiel wie seinen Kollegen bleibt ihm wahrscheinlich für immer verwehrt.


Boatengs traurige Blicke und der Gang in die Kabine


Dass er erneut nicht für die Bayern zum Zug kam wusste Boateng spätestens in der 87. Minute, als Trainer Niko Kovac sein Wechsel-Kontingent ​ausgeschöpft hatte. Doch auch während der Partie war ihm seine Frustration sichtlich anzumerken. Von Vorfreude auf einen möglichen Titel war nichts zu spüren, auch der Jubel über die Treffer seiner Mitspieler fiel ihm schwer. Boatengs Reaktionen sind Ausdruck für das immer weniger werdende Glück in den letzten Jahren.


Auch nach dem Abpfiff war bei Boateng kein Aufatmen, kein Anflug von Freude über den vielleicht letzten Titel mit den Bayern zu spüren. Wie die Bild nach dem Spiel berichtete, ging Boateng sofort nach dem Ende der Pokal-Übergabe in die Kabine, feierte nicht mit den Mitspielern und zeigte erst recht keine positiven Emotionen. Nichts war wie es einmal war, Boateng fehlte das Gefühl den Titel verdient und eigens erkämpft zu haben.

Natürlich sind die Reaktionen von Boateng sehr fraglich, auch der Team-Geist ließ sehr zu wünschen übrig. Immerhin ist er immer noch Teil einer Mannschaft, der er einen Großteil seiner bisher so erfolgreichen Karriere zu verdanken hat. Es wird immer die Frage bleiben, ob so die richtigen Abschiede aussehen und ob sich der Spieler in dieser Art überhaupt noch mit dem Team verbunden fühlt.


Klar ist aber auch, dass Boateng eben nicht immer nur der frustrierte Bankdrücker war. Es muss also auch andere Gründe geben, und da spielt eben wieder auch das Verhältnis zu den Bayern-Bossen eine große Rolle. Wenn man trotz schwerer Zeiten kaum bis gar kein Vertrauen von der Vereinsführung und dem Trainer erhält, wird es einem Profi-Sportler sicherlich sehr schwer fallen.


Dass Boateng neben "Robbery" ebenso ein Teil der überragenden Ära bei Bayern München ist, schien in der letzten Zeit immer mehr in Vergessenheit zu geraten. Zwar besitzt er immer noch einen Vertrag bis 2021, sein Abgang scheint aber nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Das schockierende wird vermutlich aber sein, dass ihm nicht allzu viele Fans hinterher trauern werden. Boateng ist ein Opfer der Schnelllebigkeit im Profi-Sport, seine Zeit bei den Bayern könnte kaum frustrierender enden.