​Fiete, ich hab ich dir von dieser Stelle aus oft genug - sagen wir´s ehrlich - verbal auf die Fresse gehauen. Weil ich enttäuscht war. Insgesamt. Von der Saison, von ​der Mannschaft und - von dir. Denn, weißt du, ich hatte es mir so schön vorgestellt. Vereinseigengewächs verlängert unter großen Trara bei "seinem" Klub, schießt ihn anschließend in die erste Liga zurück und wird der neue "Uns Uwe". Dein Name passte ja auch noch wie die Faust auf´s Auge. Fiete! In Hamburg! Geht´s noch besser? ​Uns Fiete stand für mich schon als Gütesiegel fest. Und für so viele andere in HH. 


Und dann sah ich, dass du manchmal gar nicht mehr im Kader warst. Anscheinend nicht gut trainiert hattest. Das ist jedenfalls immer meine erste Ableitung, wenn ein Spieler nicht unter den besten Achtzehn ist. 


Weißt du, ich habe mal in Madrid gelebt und da sozusagen vor Ort mitverfolgt, wie ein Vereinsidol geboren wurde. Fernando Torres - ist mit Atlético Madrid im Jahr 2000 abgestiegen. In seiner ersten Profi-Saison. So wie du. Und dann ist er mit seinem Herzensklub (auch wenn er mal bei Real war, egal) nach zwei Saisons im "infierno" (in der "Hölle") wieder aufgestiegen in die ​Primera División. Ok, danach war er dann weg. Für 38 Millionen Euro. Zum FC Liverpool. Der Rest ist Geschichte. 2008, Spanien wird Europameister - mit Tor von Fernando Torres gegen Deutschland im Finale. 


Und ich fand dich genauso gut, wie ich dich das erste Mal so richtig wahrgenommen habe. In der Sportschau damals nach dem Hertha-Spiel. Dein erstes Tor für den HSV. Und eine Woche später noch eins gegen den VfB. Wow, dachte ich, unser Fernando Torres. Unser neuer Uwe Seeler. Uns Fiete! 

Hertha BSC v Hamburger SV - Bundesliga

Jubel nach dem Debüttor: Jann-Fiete Arp nach seinem Tor im Berliner Olympiastadion in der Saison 2017/18


Aber in dieser Saison in den unteren Gefilden des deutschen Profi-Fußballs warst du auf einmal weg. Kurz noch mal gegen Heidenheim eine Vorlage für Lasso zum 3:1 und das war´s. Und dann muss der Trainer dir auch noch öffentlich den A....aufreißen. Da habe ich nur noch mit dem Kopf geschüttelt. Trainingseifer, Einsatzbereitschaft, der Wille, sich zu verbessern, tagtäglich, immer wieder auf´s Neue - bei dir anscheinend nicht da in diesen tristen Wintermonaten. Und danach war´s dann auch egal. 


Jetzt ist es so gekommen - wir steigen nicht auf, du gehst durch den Hinterausgang nach München. Aber dieser Moment am Sonntag gegen den MSV in der 64. Minute, als du wieder der warst, den ich einst sah, als du dich an deinem Gegenspieler vorbeigeschlängelt und anschließend abgezockt das 3:0 gemacht hast, und die Nordkurve, direkt vor dir, schier explodierte, da musstest du weinen. Und als ich das sah, hatte auch ich Tränen in den Augen. Weil wir beide darum wussten, dass dieser Moment ein so schöner hätte werden können, aber nun im Fluss der Geschichte untergehen wird. 


Dennoch glaube ich deinen Tränen. Und auch die meinen waren echt. Wenn du´s irgendwann mal nicht mehr aushältst, wo immer du dann gerade sein magst, erinnere ich an diesen Moment. Und an die Liebe, die dir 51.000 damals spendeten. Wir beim HSV werden dich immer mit offenen Armen umfangen. Hier hast du immer einen Ankerplatz. 


PS: und zeig den Bazis mal, dass man auch als HSVer richtig gut Fußball kicken kann!