Olise und Diaz schon stärker als Robbery? Bayerns Flügel-Asse im Ranking
Von Dominik Hager

Der FC Bayern hatte insbesondere in seiner jüngeren Historie stets sehr gute Außenstürmer, von denen einige sicherlich auch der Weltklasse-Kategorie zugeordnet werden konnten. Aktuell sorgen Michael Olise und Luis Diaz mit unfassbaren Scorer-Zahlen für Begeisterung. Doch wie schneiden die beiden derzeitigen Top-Flügel eigentlich im "historischen" Vergleich ab?
- Lese dazu: FC Bayern schwärmt von neuer Flügelzange
Wir werfen einen Blick auf die besten Bayern-Flügel des 21. Jahrhundert und kommen zu folgendem Ranking:
6. Serge Gnabry
An Serge Gnabry scheiden sich ein wenig die Geister, jedoch sei festzuhalten, dass 98 Tore und 69 Assists in 306 Partien durchaus bemerkenswert sind. Überragend gut war der 30-Jährige in der Triple-Saison 2019/20. Mit neun Toren trumpfte er dabei vor allem in der Champions League auf.
Gnabry hatte einen enormen Anteil am Gewinn des Henkelpotts, konnte aber in den Folgejahren gerade in der Königsklasse nicht mehr so häufig überzeugen. In der Bundesliga machte er zwar immer seine Buden und Assists, jedoch fehlte auf Top-Level ab und an die Durchschlagskraft. Gnabry ist kein überragender Tempodribbler oder Kreativspieler. Seine Stärken lagen immer mehr in seiner Gradlinigkeit, Explosivität und im Abschluss.
In den vergangenen Jahren kamen ihm aufgrund von mehreren Verletzungen auch diese Qualitäten ein wenig abhanden, jedoch zeigt er immerhin in der laufenden Saison wieder ein beachtliches Comeback.
5. Kingsley Coman
Verglichen mit anderen Münchner Offensivspielern war Kingsley Coman kein Scorer vor dem Herren. 72 Tore und 71 Vorlagen in 339 Spielen sind natürlich nicht schlecht, jedoch hatte Coman andere Qualitäten. So gab es nur ganz wenige Bayern-Flügel, die ähnlich ballsicher und verlässlich waren wie Coman. Der Franzose schob mit seinen Tempo-Dribblings zahlreiche Angriffe an und hielt das Offensivspiel am laufen.
Letztlich hatte Coman aber immer zwei Probleme: Dabei handelt es sich zum einen um seine Verletzungsanfälligkeit und zum anderen um das oft fehlende Endprodukt in seinen Aktionen. Seine Flanken fanden zu selten einen Abnehmer und seine Schüsse zu selten den Weg ins Tor.
Dabei darf man aber nicht vergessen, dass Coman einige ganz wichtige Tore für den FC Bayern gemacht hat. Unvergessen bleibt sein entscheidendes Kopfballtor im CL-Finale gegen Paris Saint-Germain.
4. Luis Diaz
Luis Diaz ist erst seit einem halben Jahr beim FC Bayern und doch ist er schon jetzt aus dem Team nicht mehr wegzudenken. Obwohl der Kolumbianer Top-Chancen teilweise auf absurdeste Art und Weise vergibt, ist sein Wert für die Mannschaft enorm. In 23 Pflichtspielen kommt Diaz bislang auf 14 Tore und zehn Assists. Eine gewaltige Quote, die noch höher einzuschätzen ist, wenn man sieht, wie viel der 28-Jährige rackert, kämpft und in der Defensive mithilft.
Einen ganz besonders denkwürdigen Auftritt hat Diaz in der Champions League gegen Paris Saint-Germain hingelegt, indem er erst überragend spielte und zwei Tore schoss und dann nach einer Roten Karte vom Platz musste. Diaz hat aber gezeigt, dass er auch in wichtigen Spielen gegen große Gegner knipsen kann.
Ist Diaz mal nicht dabei, merkt man das dem Bayern-Spiel sofort an. Man darf definitiv nicht unterschätzen, wie enorm wichtig der Neuzugang aus Liverpool schon ist - gerade im hohen Pressing. Für einen Treppchen-Platz ist Diaz aber schlichtweg noch nicht lange genug da, mal abgesehen davon, dass jetzt nur noch absolute Ausnahme-Könner kommen.
3. Michael Olise
Mit Michael Olise haben die Bayern im vergangenen Sommer wahrlich einen Volltreffer gelandet. Nach 81 Pflichtspielen im Bayern-Trikot kommt der Franzose auf 71 Tore und Assists. Mit 0,87 Scorer pro Pflichtspiel ist Olise sogar effektiver als Ribéry und Robben.
Der Franzose spricht neben dem Platz nicht viel, entzündet auf diesem aber ein Feuer. Olise ist technisch herausragend gut, kann tolle Pässe und Flanken schlagen und seine Mitspieler dadurch exzellent in Szene setzen. Der Franzose ist aber auch selbst ungeheuer torgefährlich, was seine elf Bundesliga-Tore kurz vor Saison-Halbzeit unterstreichen. Olise muss nur darauf aufpassen, nicht zu cool und lässig zu agieren.
Der 24-Jährige verkörpert pure Weltklasse und kann mit den Bayern noch viele große Siege einfahren. Was bislang noch fehlte, sind die ganz großen Momente in den absoluten Big Games. So blieb Olise in den CL-Spielen gegen Inter Mailand beispielsweise ohne Torbeteiligung. Es ist aber wohl nur eine Frage der Zeit, bis der herausragende Fußballer auch die großen Spiele entscheidet. Dann kann es in diesem Ranking noch um einen oder zwei Plätze nach oben gehen.
2. Arjen Robben
Mr. Wembley war in seiner Zeit beim FC Bayern ein Unterschiedsspieler wie er im Buche stand. Der Niederländer schoss nicht nur das entscheidende Tor im Champions-League-Finale gegen Dortmund, sondern war auch in zahlreichen K.o.-Spielen über all die Jahre der Schlüsselfaktor. Robben dribbelte unnachahmlich von der rechten Seite nach innen, wo er dann mit seinem starken linken Fuß den Abschluss suchte. 144 Tore und 100 Vorlagen in 309 Spielen machen Robben zu einem der effizientesten Offensivspieler, den es im Bayern-Triokot jemals gab.
Obwohl Robben ein Weltklasse-Rechtsaußen und ein absoluter Unterschiedsspieler war, gab es aber auch mal schwierigere Phasen. Der Tiefpunkt war das Ende der Saison 2011/12, als Robben - nachdem er schon einen wichtigen Elfmeter gegen Dortmund verschossen hatte - im Champions-League-Finale gegen Chelsea vom Punkt scheiterte. Robben wurde von einigen Bayern-Fans sogar angefeindet, jedoch hat er sich mit all seiner Mentalität und Willensstärke eindrucksvoll zurückgekämpft - wie bereits nach seinen zahlreichen verletzungsbedingten Rückschlägen.
1. Franck Ribéry
Gibt es in der Vereinsgeschichte noch einen Bayern-Flügelspieler, der über Robben anzusetzen ist? Die Entscheidung ist wahrlich knifflig, doch Franck Ribéry ist dem Niederländer vielleicht eine Zehnagelspitze voraus.
Der Franzose hat zwar nicht ganz so häufig die entscheidenden Tore erzielt, dafür aber sehr viele davon vorbereitet. Ribery war sowohl der Assist-Geber bei Robbens finalem Champions-League-Tor als auch bei dessen Volley-Hammer gegen Manchester United.
Das große Plus von Ribéry ist die Tatsache, dass er unberechenbar war. Setzte Robben auf seinen Signature Move, mit dem er all die Jahre sehr erfolgreich war, konnte man nie voraussehen, was Ribéry mit dem Ball anstellen würde. Der Linksaußen vereinte fast alles, was ein Weltklasse-Offensivspieler braucht: Schnelligkeit, Dribbelstärke, Kreativität, Spielfreudigkeit und einen satten Schuss. In Summe brachte er es in 425 Spielen auf 124 Tore und 182 Vorlagen.
Im Jahr 2013 wurde Ribéry als Europas Fußballer des Jahres ausgezeichnet und galt als heißer Kandidat auf den Ballon d‘Or, auch wenn er diesen letztlich nicht gewann.
Mit seinen neun Meisterschalen hat er eine mehr geholt als Robben. Selbst wenn auch Ribéry auf und neben dem Platz immer wieder kleinere oder größere Verfehlungen hatte, ist er die verdiente Nummer eins.
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