Neuer Blickwinkel: Was, wenn der Dzeko-Deal weit mehr als nur ein Transfer war?
Von Oliver Helbig

Der FC Schalke 04 hat in der Spielzeit 2025/26 eine verblüffend gute, aber auch überraschend erfolgreiche Hinrunde in der 2. Bundesliga gespielt. Seit Beginn der Rückrunde muss der Verein jedoch etwas kämpfen, um den Rückenwind des ersten Halbjahres unter Miron Muslic nicht gänzlich zu verlieren. Die 0:2-Niederlage im kleinen Revierderby gegen den VfL Bochum an diesem Wochenende stellt dennoch einen gewissen Stimmungsdämpfer dar, nachdem zuletzt vor allem die Verpflichtungen von Edin Dzeko und Dejan Ljubicic für große Euphorie und Aufsehen gesorgt haben.
Blickt man jedoch etwas hinter die offensichtlichen Geschichten der letzten Monate und zu diesen gefeierten Top-Transfers, so lässt sich ein weitaus tiefgründiger Punkt entdecken, den man vom FC Schalke 04 so schon gar nicht mehr gewohnt war: Handeln mit Weitsicht.
Das Feeling rund um Schalke hat sich verändert
So mancher Schalker Fan erinnert sich sicherlich an die Zeit vor Miron Muslic und Frank Baumann, als die Transfers der Knappen selten wirklich zufriedenstellend waren und vieles nicht nur nicht nachvollziehbar, sondern letztlich auch ein großer Reinfall war. Selbst der größte Kritiker in Gelsenkirchen kann nicht von der Hand weisen, dass sich der Wind spätestens seit letztem Sommer mächtig gedreht hat. Auch mich beschäftigt das Staub-Abklopfen der Königsblauen seither deutlich intensiver.
Nun ist mir jedoch ein bislang noch unbeleuchteter Aspekt aufgefallen, der im Schatten der großen Meldungen und Erfolge der letzten Wochen und Monate offenbar etwas unbemerkt blieb. Zugegeben: Ich selbst bin auf diesen Gedankengang erst gestoßen, als ich mir einen Artikel meines 90min-Kollegen Yannik Möller durchgelesen habe.
- Der angesprochene Artikel: Große Analyse: Ist Schalke unter Muslic bereits entschlüsselt worden?
Schalke-Gegner versuchen Knappen die Stärken zu nehmen
In diesem Artikel hat der von mir sehr geschätzte Kollege und glühende Schalke-Fan eine kleine Analyse geschildert, die zu zeigen scheint, dass die Gegner des FC Schalke 04 in der 2. Bundesliga nun versuchen, den Knappen den Zahn zu ziehen, indem sie der Truppe von Miron Muslic die größte Stärke rauben: das Umschaltspiel.
Demnach tat sich Schalke mit eigenem Ballbesitz deutlich schwerer, klare Torchancen zu erarbeiten, als dies über Ballgewinne und das rasch vorgetragene Konterspiel der Fall war und noch ist. Stattdessen scheinen die Gegner den Schalkern nun mehr den Ball und das Heft des Handelns zu überlassen, um stattdessen selbst vermehrt über Umschaltmomente für Probleme in der Schalker Hintermannschaft zu sorgen.
Was, wenn...
Und genau bei diesem Aspekt ist es mir wie ein Blitz in den Hinterkopf geschossen. Sind die Verpflichtungen von Dejan Ljubicic und vor allem die von Edin Dzeko letztlich also weit mehr als nur die von namhaften und unerwarteten Top-Transfers, sondern ein Beleg für eine mittlerweile weit über den Tellerrand hinaus gedachte Strategie und Weitseicht der Schalker?
Mit der bosnischen Fußballlegende Dzeko konnte man sich schließlich einen der weltweit bekanntesten und verdientesten Strafraumstürmer angeln. Noch immer gilt der mittlerweile schon 39-jährige Routinier als eiskalte und treffsichere Waffe in der gegnerischen Box. Okay, und weiter?
Was, wenn Muslic und Baumann diese Umstellung der Gegner nach der Hinrunde auf das Schalker Spiel vorhergesehen oder zumindest antizipiert haben? Was, wenn es das Ergebnis einer eigenen Analyse in der Winterpause ist? Was, wenn hier klar angesprochen wurde: So wie es in der Hinrunde lief, wird es in der Rückrunde nicht laufen. Was, wenn die Verpflichtung von Edin Dzeko daher ein cleverer Schachzug war, der als Vorgriff auf eben dieses in der Analyse angesprochene Problem abzielen und als Lösung dienen soll?
Mit dem klaren und dann auch beeindruckenden Hintergedanken, dass man sich in der Rückrunde und im Rennen um den Aufstieg nicht mehr nur auf das Umschaltspiel verlassen könne, sondern der nächste Schritt in der Evolution erreicht werden müsse und vonnöten wäre? Dass man sich in diesem Punkt bewusst war, dass die kommenden Spiele bis Saisonende weitaus öfter in umkämpften Strafraumszenen entschieden werden als über schnelle Gegenstöße nach Ballgewinn und dass man dafür einen eiskalten Knipser wie Edin Dzeko benötigen würde?
Ist der Dzeko-Deal weit mehr als nur ein Transfer?
Wenn dem so wäre, dann müsste man vor den Machern auf Schalke nun wirklich und endgültig den Hut ziehen, denn das wäre ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass man zwar von Spiel zu Spiel geht, aber weit darüber hinaus denkt und versucht, Erfolg bis zu einem gewissen Grad planbar zu machen.
Es wäre ein Beleg dafür, dass Schalke nicht nur weiß, wen sie verpflichten wollen, sondern auch, warum sie Spieler XY verpflichten wollen und welches Spielerprofil für welche mögliche Hürde benötigt wird, um letztlich das Maximum aus der Saison herauszuholen und vorbereitet zu sein. Das würde belegen, dass Schalke nicht nur fußballerisch wieder deutlich gefestigter scheint, sondern dass der Verein endlich wieder Plan, Struktur und clevere Ideen umzusetzen weiß. Woanders roter Faden genannt, in diesem Falle ein blau-weißer. Es wäre ein weiterer Aspekt der schrittweisen Rückkehr zu alten Erfolgszeiten. Ob dieser letztlich von großem Erfolg geprägt sein wird oder nicht, sei mal dahingestellt. Das ist Zukunftsmusik. Allein die Tatsache aber, dass man derart planen und denken würde, wäre jedoch ein beeindruckender Schritt nach vorne.
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