Angelo Stiller blickt bei der Bekanntgabe des DFB-Kaders erneut in die Röhre. Der VfB-Profi wurde bereits bei den Länderspielen im November nicht berücksichtigt und saß davor dreimal in Serie 90 Minuten lang auf der Bank.
Julian Nagelsmann scheint sich mit Stiller schlichtweg nicht anfreunden zu können. "Ich sehe Angelo nicht in der ersten Elf, deshalb haben wir uns dafür entscheiden, die Plätze dahinter anders zu besetzen", so seine deutliche Aussage im Rahmen der Pressekonferenz zur Kader-Bekanntgabe am Donnerstag. Offenbar sieht der Bundestrainer Stiller als den schlechteren Pavlovic an. "Inhaltlich sehe ich Pavlo vorn", stellte er einen Vergleich an.
Der Bayern-Youngster hat wohl im Mittelfeld-Zentrum derzeit einen Stammplatz inne und könnte mit Teamkollege Leon Goretzka gemeinsam agieren. Felix Nmecha scheint der erste Herausforderer zu sein. Ein Mittelfeld-Duo aus Pavlovic und Nmecha schloss der Bundestrainer jüngst aus.
Groß erhält das Vertrauen von Nagelsmann: "Magnet zwischen den Spielern"
Verblüffend ist aber doch ein wenig, dass Nagelsmann Anton Stach und insbesondere Pascal Groß den Vorzug vor Stiller gegeben hat. Immerhin sprechen wir über jenen Groß, der beim BVB kaum noch gefragt war und im Winter zu seinem Ex-Klub Brighton & Hove Albion abgeschoben wurde.
Nagelsmann geriet bei den Qualitäten von Groß relegrecht ins Schwärmen. "Er hat die Gabe, Spieler miteinander zu verbinden, er ist immer ein verlängerter Arm des Trainers. Ich sehe ihn wie einen Magneten zwischen Spielern, der ein gutes Gespür dafür hat, wer gerade was braucht. Er ist sehr, sehr selbstlos. Er ist einfach ein toller Mensch und deshalb auch ein richtig guter Kaderspieler", stimmte Nagelsmann relegrecht eine Ode auf den Mittelfeld-Ressigeur an.
Darum ist Pascal Groß eine schwierige Wahl
Es scheint jedoch so, als würde Nagelsmann Groß ein wenig durch die rosarote Brille sehen. Schließlich gab es gute Gründe dafür, dass der Routinier in Dortmund nicht mehr funktioniert hat. Problematisch ist bei Groß insbesondere seine Physis gegen den Ball. Der 34-Jährige gehört zu den langsamsten Spielern in den europäischen Top-Ligen und schafft es schlichtweg zu selten, die Lücken im Mittelfeld-Zentrum zu schließen.
Groß kommt kaum in die Zweikämpfe und sorgt dafür, dass gegnerische Teams oft in Windeseile durch das Mittelfeld schlüpfen können. Gerade gegen starke Gegner werden solche Defizite meist heftig bestraft.
Stiller ist eine Leader-Figur bei einem Bundesliga-Topklub
Sicherlich ist Stiller auch nicht der größte Abräumer, jedoch ist sein Verhalten in den Zweikämpfen griffiger und energischer. Der frühere Bayern-Junior ist seit zweieinhalb Jahren der Dreh- und Angelpunkt im Spiel des VfB Stuttgart und hat einen enormen Anteil am Höhenflug des Vereins. Man darf nicht vergessen, dass der VfB auf einem CL-Platz steht und im Pokal-Halbfinale mit dabei ist. Eine solche Leader-Figur eines Topklubs in der Bundesliga nicht mitzunehmen, ist wahrlich erstaunlich. Stiller ist überaus konstant und hatte in seiner VfB-Zeit kaum mal schwache Phasen.
Groß mag seit seinem Brighton-Wechsel wieder besser klarzukommen als beim BVB, jedoch sprechen wir hier natürlich über eine geringe Zeitspanne. Zu lange hat der Routinier in Dortmund durchwachsene Leistungen gezeigt. Man kann schon argumentieren, dass Nagelsmann das Leistungsprinzip über Bord wirft. Grundsätzlich sind beide ja ähnliche Spielertypen, nur ist Stiller jünger, beständiger und kann gegen den Ball mit mehr Intensität punkten.
