Kwasnioks Spiel mit dem Feuer - Ein Köln-Kommentar
Von Oliver Helbig

Der 1. FC Köln scheint sich seit Wochen in eine bedenkliche Krise zu manövrieren. Seit dem 2. November 2025 ist es dem Kult-Klub vom Rhein nämlich nicht mehr gelungen, einen Sieg einzufahren. Letztmals am 9. Spieltag der laufenden Bundesligasaison konnten die Geißböcke einen Dreier bejubeln, als man den Hamburger SV mit einem satten 4:1-Sieg zurück an die Elbe schickte und mit diesem Achtungserfolg gegen den Mitaufsteiger zumindest kurzzeitig die vom Saisonbeginn bekannte Euphorie etwas zurückkehren ließ.
Im Anschluss dieses sportlichen Ausrufezeichens musste man in Köln dann aber vier Niederlagen und drei Unentschieden hinnehmen und das große Warten auf den erlösenden Befreiungsschlag hält an. Effzeh-Coach Lukas Kwasniok betreibt bei der Problemlösung aber vermeintlich einen gefährlichen Ritt auf der Rasierklinge.
Effzeh durchlebt Höhen und Tiefen
Der 1. FC Köln hat in der jüngeren Vergangenheit schwere Zeiten durchgemacht. Neben dem Bundesliga-Abstieg im Sommer 2024 musste der Verein auch eine monatelange Transfersperre durchstehen, die die Rückkehr in die Bundesliga nicht gerade erleichtert hat. Dennoch konnte sich der Verein trotz dieser Hürden und auch des Verlustes des einen oder anderen Leistungsträgers zurückkämpfen und in der Spielzeit 2025/26 gleich mit positiven Schlagzeilen beeindrucken.
Neben dem rasanten Aufstieg des Kölner Shootingstars Said El Mala und einem starken Saisonstart mit sieben Punkten aus den ersten drei Spielen sowie dem Weiterkommen im DFB-Pokal herrschte in Köln schon im Sommer vereinzelte Karnevalsstimmung. Diese Aufbruchsstimmung ist nun aber seit einigen Wochen ins Stocken geraten und Köln ist stattdessen zurück im Krisenmodus.
Kwasnioks Plan trägt keine Früchte mehr
Für Trainer Lukas Kwasniok, der seine ersten Wochen als neuer Cheftrainer des Aufsteigers mit Bravour zu meistern schien und dabei auch eine gewisse Lockerheit an den Tag legte, hat sich der Wind mittlerweile gedreht: Der 44-Jährige sieht sich zunehmend scharfer Kritik ausgesetzt. Von der großen Lockerheit ist aktuell kaum noch etwas zu spüren – im Gegenteil: Der Ton am Rhein ist rauer geworden und auch Kwasniok spürt zunehmend den kritischen Atem des eigenen Anhangs im Nacken.
Die Schwere der Aufgabe als Kölner Cheftrainer dürfte Kwasniok bereits vor Amtsantritt bewusst gewesen sein, denn neben einem der heißesten Medienbrennpunkte der Bundesliga und einem heißblütigen aber kritischen Fan-Anhang stellen auch die qualitativen Aspekte des Kölner Kaders eine große Herausforderung für den Trainer dar und könnten dem Coach in seinem Umgang damit womöglich zum Verhängnis werden.
Spielidee: Lieber reagieren als agieren?
In dieser Saison basierte Kwasnioks Ansatz bisher vorwiegend darauf, die Kölner Mannschaft an die jeweiligen Gegner anzupassen. Dies führte beinahe wöchentlich zu umfangreichen Veränderungen in der taktischen und teils auch personellen Herangehensweise.
Die Idee, den eigenen Erfolg vor allem darin zu suchen, die Stärken der Gegner zu schwächen, ist grundsätzlich auch kein ganz unkluger Ansatz, der in der Vergangenheit auch schon mehr als erfolgreich bei einem gewissen Thomas Tuchel beim FSV Mainz 05 funktionierte – und ja, auch dem Effzeh schon in die Karten spielte. Dennoch ist diese Herangehensweise auch ein gefährlicher Ritt auf der Rasierklinge - vor allem wenn der Erfolg ausbleibt.
Kwasnioks Spiel mit dem Feuer?
Die ständig wechselnde taktische Herangehensweise und die personellen Veränderungen bergen das große Risiko, dass der 1. FC Köln umso anfälliger ist, wenn die angepeilten Schwächen der Gegner nicht wie geplant getroffen werden und die Kölner Kontrahenten dann ins Rollen kommen. Genau dann fehlt dem Effzeh folgendes: Automatismen und ein taktischer Anker.
Da sich die Kölner bisher nicht mit einer festen Elf und einem fixen Plan einspielen konnten, wirken sie in vielen Fällen umso anfälliger, unsicher und leicht umwerfbar. Genau hier liegt das Problem, denn sowohl die Fans als auch die Kölner Spieler würden eine eingespielte Truppe und ineinandergreifende Zahnräder wohl mittlerweile wohl deutlich mehr schätzen als wöchentliche Experimente, die auch die Trainingsarbeit des Effzeh in großem Umfang erschweren dürften.
Effzeh-Coach muss aufpassen, seine Spieler nicht zu verlieren
Zuletzt nahm Kwasniok auch die eigene Mannschaft in die Pflicht und ließ öffentlich kritische Töne verlauten. Der symbolische mahnende Zeigefinger des Cheftrainers könnte ihm jedoch schnell um die Ohren fliegen. Dies wäre der Fall, wenn der sportliche Erfolg des Effzeh weiterhin ausbleibt und seine taktischen Herangehensweisen nicht langsam beginnen, wieder Früchte zu tragen.
Die Spieler, die dem Plan ihres Trainers folgen, könnten ab einem gewissen Zeitpunkt den engen Draht zu Kwasniok verlieren und nicht mehr vollends hinter seinen Ideen stehen, wenn sie es letztlich sind, die am Ende das Fett wegbekommen.
Ein brenzliger Kipppunkt, auf dem sich Lukas Kwasniok nun befindet, und bei dem ihm viele aus Reihen des Effzeh wohl raten würden, mehr für Kontinuität in Sachen taktischer Herangehensweise und einer klaren Spielidentität einzutreten, anstatt sich weiter in taktischen Unzulänglichkeiten und wechselnden Planspielchen zu verstricken. Derzeit scheint es auf dem Rasen nur zwei Konstanten zu geben: Zum einen, dass Köln nicht mehr gewinnen kann und zum anderen, dass Said El Mala eine Art sportliche Lebensversicherung darstellt. Nun ist aber Kwasniok gefragt, im Kölner Gesamtgefüge für Stabilität und vor allem für Zählbares zu sorgen.
Allerdings sollte man Lukas Kwasniok aufgrund der Gesamtlage, die der 1. FC Köln in jüngerer Vergangenheit durch hat und seiner noch immer herrschenden Unerfahrenheit im deutschen Oberhaus noch Zeit und Zugeständnisse machen und etwas Geduld schenken, aus vermeintlichen Fehlern und nicht funktionierenden Ideen zu lernen. Auch Kwasniok steckt wie der Effzeh mitten in der Entwicklung. In der Regel hat man als Trainer dafür aber kaum Zeit.
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