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Ist Book der Held, den Dortmund verdient, aber nicht der, den es gerade braucht?

Die Verpflichtung von Ole Book als Kehl-Nachfolger beim BVB lässt mir keine Ruhe. Ein Kommentar.
Ole Book folgte nun beim BVB auf Sebastian Kehl
Ole Book folgte nun beim BVB auf Sebastian Kehl | Alexandre Simoes/GettyImages

Die letzten Tage standen in der Bundesliga vor allem auch für einige personelle Paukenschläge: Neben dem Trainer-Aus von Lukas Kwasniok beim 1. FC Köln sorgte vor allem das Beben um Sebastian Kehl und Borussia Dortmund für die größten Schlagzeilen im deutschen Oberhaus.

Noch ehe der Stuhl des Sportdirektors von Kehl beim BVB erkaltet war, besetzte man diesen Posten mit Ole Book neu und holte den Erfolgsarchitekten der SV Elversberg aus der 2. Bundesliga an Bord. Die Meinungen zum neuen Sportdirektor und Kaderarchitekten der Borussen gehen allerdings noch etwas auseinander. So sehr man auch auf ein neues schwarzgelbes Fußballmärchen unter Book hoffen mag, drängt sich in diesem Zusammenhang eine Frage mit fadem Beigeschmack auf.

Hat der BVB mit Book die eigene Kragenweite verpasst?

Borussia Dortmund möchte sich national wieder als klarer und alleiniger Verfolger und Herausforderer des FC Bayern München etablieren. Dafür benötigt der BVB zum einen sportlichen Erfolg, der anhand des reinen Blicks auf die Tabelle in dieser Saison und das Punktekonto der Kovac-Truppe gegeben zu sein scheint. Echte Chancen auf Titel aber Fehlanzeige.

Zum anderen muss man in Dortmund womöglich auch endlich wieder an seriöser Strahlkraft und einem starken Auftritt zulegen, denn es kann nicht der langfristige Anspruch der Borussen sein, nur die deutsche Nummer eins in einer Welt ohne den FC Bayern zu sein.

Auch auf internationaler Bühne wäre es sicherlich im Sinne der BVB-Bosse, wieder als Topteam anerkannt zu werden und nicht etwa als gern gesehener Talenteförderer und Zulieferer für Vereine, die die namhaften Topstars der Gelb-Schwarzen mit Kusshand abnehmen.

Dortmund will wieder zurück ins Orchester der Großen – und genau da wirft die Personalie Book jetzt vermutlich Fragen auf. Eine davon: Wäre nicht eine große Lösung in der aktuellen Situation der bessere Weg gewesen? Viele BVB-Fans hatten schließlich auf erprobte Namen wie Markus Krösche oder eine Rückkehr von Michael Zorc gehofft, doch dafür hätte neben Kehl womöglich auch der Kopf von Lars Ricken rollen müssen.

So mancher BVB-Fan hoffte auf Markus Krösche
So mancher BVB-Fan hoffte auf Markus Krösche | picture alliance/GettyImages

Kann Book wirklich schon BVB?

Zugegeben, die Verpflichtung des vorherigen Erfolgsarchitekten der SV Elversberg basiert auf handfesten Beweisen von mehr als nur ordentlicher Arbeit beim Zweitligisten aus dem Saarland, der weiterhin am deutschen Oberhaus kratzt. Allerdings sind die SV Elversberg und Borussia Dortmund definitiv nicht zu vergleichen - selbst wenn bei beiden der Fokus auf Entwicklung von Talenten liegt.

Es wirkt fast so, als stammten die beiden Vereine aus zwei vollkommen verschiedenen fußballerischen Welten. In den Preisklassen, in denen sich die fußballerische Spitze bewegt, existiert der Name Elversberg nämlich nicht und Dortmund will schließlich nicht wie ein Underdog denken, sondern mit starkem Griff die Zügel in die Hand nehmen. Das beweisen zahlreiche Meister-Ansagen von Dortmunder Stars in der laufenden Saison.

Ole Book ist neuer BVB-Sportdirektor
Ole Book ist neuer BVB-Sportdirektor | Alexandre Simoes/GettyImages

Peanuttransfers wie die der Saarländer, die sich als Glücksgriff entpuppten, sind das eine, die Ansprüche und anvisierten Regale beim BVB aber etwas ganz anderes. Dort hofft man künftig eigentlich wieder auf Namen mit der Tragkraft eines Erling Haaland oder Jude Bellingham.

Sicherlich hatten sich viele Fans von Borussia Dortmund gerade deshalb und genau hier und jetzt einen starken und an Topfußball gewöhnten Sportdirektor-Namen erhofft. Mit Book holte der BVB jedoch eine kleine Lösung ohne große Vita – ohne dabei die Qualität des 40-Jährigen infrage stellen zu wollen.

Bei Book muss ich an Batman denken

Ole Book ist zweifellos ein herausragendes Talent auf seinem Gebiet und möglicherweise passt er auch als Mensch hervorragend zum BVB. Doch ist er auch der Mann, den der BVB so dringend braucht, um wieder dorthin zu gelangen, wo er hinwill? Ist ein vermeintlich eher schüchterner Sportdirektor der Heilsbringer für die Rückkehr an die europäische Spitze oder hätte es einen Namen gebraucht, der weitaus mehr Strahlkraft und Durchschlagskraft mit sich bringt?

Auf diese Frage werden nur die Zeit und die Arbeit von Ole Book eine aufschlussreiche Antwort liefern können. Doch irgendwie hat man den faden Beigeschmack, dass Dortmund beim Versuch, einen weiteren Schritt nach vorne zu machen, nach außen ein klares Signal gesetzt hat, dass man noch immer kleine Brötchen backt und noch nicht wieder zum elitären Kreis der Großen gehört.

Denn Fakt ist doch auch: Hat Ole Book überhaupt die Zeit, sich von einem absoluten No-Name der Fußballwelt wie Elversberg zum zweitgrößten deutschen Vertreter im Weltfußball zu akklimatisieren, in einer Größenordnung zu denken, die neue Strahlkraft abverlangt und sich auf dem internationalen Topmarkt gegen ausgefuchste Top-Manager durchzusetzen?

Auch sportlich betrachtet: Von Elversberg erwartete niemand etwas. In Dortmund ist der Druck nun aber ein ganz anderer. Ganz Fußball-Deutschland schaut dem Neuen nun auf die Finger und Book muss zeigen, dass er dem gewachsen ist.

Der Held, den Dortmund verdient, aber nicht der, den es braucht?
Der Held, den Dortmund verdient, aber nicht der, den es braucht? | Alexandre Simoes/GettyImages

Mit dem neuen Sportdirektor hat Dortmund sicherlich einen der vielversprechendsten Aufsteiger seines Fachs an Land gezogen. Doch unter dem Strich bleibt die Frage, ob sich der BVB in seiner Lage leisten kann, viel Lehrgeld zu zahlen. Das erste Bauchgefühl sagt, dass es in Dortmund kein Upgrade gab, das für große Aufbruchstimmung sorgt. Das Schöne daran: Der Raum für positive Überraschungen ist damit umso größer.

Dennoch schwingt bei mir gerade ein Zitat aus dem Film "Batman - The Dark Knight" mit. Dort heißt es über den als Fledermaus verkleideten Filmhelden: "Weil er der Held ist, den Gotham verdient, aber nicht der, den es gerade braucht." Dieser Satz lässt sich vermutlich auch auf Ole Book in Dortmund ummünzen. Zumindest wirkt es bei mir aktuell noch so.

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