Hamann widerspricht Hummels! Warum das BVB-Mittelfeld weniger Problem als Stärke ist
Von Leonard Schmidt

Mit klaren Worten hatte Mats Hummels zuletzt die "diffuse" Situation im Dortmunder Mittelfeld kritisiert. Zu viele unterschiedliche Spielertypen, zu viele Wechsel, zu wenig Konstanz. Jede Veränderung habe Auswirkungen auf die Struktur, meinte der Abwehrspieler bei Prime Video.
Dass diese Kritik auf offene Ohren stieß, überraschte nicht. Schon zuvor wurde Kovac immer wieder vorgeworfen, seine Mannschaft offensiv nicht weiterzuentwickeln und zu viel zu rotieren.
Doch die Daten zeigen ein anderes Bild. Keine Mannschaft hat in der Champions League hinter dem amtierenden Meister PSG (19 Tore) mehr Tore erzielt als der BVB (17 Tore). Und das 4:0 gegen Villarreal war bereits das vierte Spiel mit vier Toren in der Königsklasse.
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Hamann kontert! Für ihn ist das Zentrum eher eine Stärke
Für Didi Hamann ist die Debatte daher falsch aufgezogen. "Man kann nicht mit derselben Formation 45 oder 50 Spiele machen", sagt der Sky-Experte. Entscheidender sei, dass Kovac genau wisse, welches Duo er in wichtigen Spielen aufstellt.
Geht man bei Fotmob in die detaillierte Profilanalyse, zeigt sich schnell, dass Kovac im Mittelfeld eine große Bandbreite an Qualitäten, aber auch klaren Schwächen zur Verfügung hat. Entscheidend ist für ihn, die passende Kombination für den jeweiligen Gegner zu finden.
Jobe Bellingham bringt starke Werte im Luftzweikampf mit und liefert solide, aber nicht herausragende Beiträge in der Offensive. Defensiv bewegt er sich im Mittelfeld, ebenso bei den Ballkontakten. Marcel Sabitzer überzeugt vor allem durch viele Schussversuche und herausgespielte Chancen, fällt jedoch bei defensiven Aktionen und Ballbesitzkontakten etwas ab.
Pascal Groß gehört in puncto Ballkontakte zur absoluten Spitze. Im Vergleich mit anderen Mittelfeldspielern gehört er zu den oberen elf Prozent und zählt auch bei den kreierten Chancen zum Topbereich.
Felix Nmecha schließlich bietet durchschnittliche Defensivzahlen, dafür aber auffällig starke Offensivimpulse. Er bringt Tempo, Tiefe und Dynamik, die Kovac in vielen Spielen bewusst einbaut.
So entsteht ein Profilmix, der viel Flexibilität erlaubt, aber auch sensible Entscheidungen verlangt. Genau darin liegt die Herausforderung, die Hummels meint – und die Hamann im selben Atemzug relativiert.
Kovac’ Gesamtbilanz spricht für sich
Hamanns Kernbotschaft ist klar: Die Kritik am BVB sei überzogen. "Was wollen die Leute denn?", fragte er schon in seiner Kolumne. Die Dortmunder haben unter Kovac wettbewerbsübergreifend erst zwei Spiele verloren. In der Champions League winkt Platz sechs der Ligaphase, in der Bundesliga rangiert der BVB unter den Top vier.
Die wirklichen Probleme lagen für Hamann an anderer Stelle. Der BVB verschenkte in Hamburg, bei St. Pauli und gegen Stuttgart drei nahezu sichere Siege. Mit diesen Punkten wäre Dortmund drei Punkte hinter Bayern – und die Debatte um das Mittelfeld gäbe es vermutlich gar nicht.
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