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Ein Gamechanger und zwei Verlierer: 5 Erkenntnisse zum DFB-Sieg

Der 4:3-Sieg gegen die Schweiz sorgte für eine zumindest kleine Euphoriewelle. Dennoch muss Bundestrainer Julian Nagelsmann nachjustieren. Die Erkenntnisse zum Spiel.
Florian Wirtz war gegen die Schweiz der Matchwinner
Florian Wirtz war gegen die Schweiz der Matchwinner | Stefan Matzke - sampics/GettyImages

Mit einem spektakulären 4:3-Sieg läutete die DFB-Elf das WM-Jahr 2026 ein, an dessen Ende der fünfte Titel stehen soll. Doch die Partie gegen die Schweiz zeigte: Bis zu diesem Ziel ist es noch ein weiter Weg.

Dennoch stimmten einige Aspekte und Leistungen positiv und machten Lust auf mehr. Allerdings dürfte die Frage nach dem Leistungsprinzip nach den Leistungen von Kai Havertz und Nick Woltemade ebenfalls nicht leiser geworden sein.

1. Erkenntnis: Florian Wirtz ist ein Gamechanger – auch für Jamal Musiala

Um aber mit den positiven Dingen anzufangen: Florian Wirtz gehört in dieser Form zu den besten Spielern der Welt. An allen vier Toren war der 22-Jährige beteiligt, darunter war auch das Traumtor zur zwischenzeitlichen 3:2-Führung.

Wirtz sprühte vor Spielfreude und war auf seiner linken Seite überall zu finden. Er dirigierte, spielte Pässe in die Tiefe und suchte selbst den Abschluss. Kann Wirtz diese Form konservieren, dann könnte das nicht nur für das Nationalteam generell ein Gewinn sein, sondern auch für Jamal Musiala.

Florian Wirtz
Florian Wirtz war ein absoluter Aktivposten | picture alliance/GettyImages

Dieser ist nach seinem Comeback noch nicht wieder bei 100 Prozent, weshalb ihn Nagelsmann kürzlich erst unter Druck setzte. Spielt Wirtz aber in dieser Form weiter, kann er so Last von den Schultern Musialas nehmen. Dadurch muss der Bayern-Star nicht sofort alles auf höchstem Niveau abliefern, sondern kann Wirtz den Vortritt lassen und sich in Ruhe akklimatisieren.

Nichtsdestotrotz bleibt Musiala für die Mission WM-Titel natürlich essenziell, aber es könnte sich im Turnierverlauf als wertvoll erweisen, wenn er nicht sofort "verheizt" wird, sondern behutsam aufgebaut wird und seine Pausen bekommt.

2. Erkenntnis: Lennart Karl gehört in die Startelf

"Wusiala" sind in der Offensive quasi gesetzt, die andere Planstelle in der Dreierreihe bleibt allerdings auch nach dem Schweiz-Spiel offen – und das hat auch mit Julian Nagelsmann zu tun. Leroy Sané bekam trotz schwacher Leistungen auf Vereinsebene erneut die Chance vom Bundestrainer. Nutzen konnte er diese allerdings nicht.

Lennart Karl hingegen hatte in 27 Minuten Einsatzzeit mehr Impact als Sané in den vorherigen 63. Insofern verwundert es umso mehr, dass Nagelsmann Sané im Anschluss für das Spiel gegen Ghana direkt erneut eine Startelf-Garantie aussprach.

Switzerland v Germany - International Friendly
Lennart Karls Debüt machte Lust auf mehr | EyesWideOpen/GettyImages

Nach den gezeigten Leistungen – nicht nur in diesem Spiel, sondern auf die gesamte Saison gesehen – muss Lennart Karl starten. Der 18-Jährige ist jung, unbekümmert, geht regelmäßig ins Dribbling und hat einen stetigen Zug zum Tor. Damit vereint er genau die Attribute, die Sané vermissen lässt. Nagelsmann muss endlich die Zeichen der Zeit erkennen und der nächsten Generation das Vertrauen schenken, anstatt weiterhin auf Spieler zu setzen, die das Leistungsprinzip de facto außer Kraft setzen.

3. Erkenntnis: Leon Goretzka sollte im Jahr 2026 nicht mehr in der Startelf spielen

Über Leon Goretzka wurde bereits viel geschrieben. Er selbst kann dabei wohl am wenigsten dafür, dass Julian Nagelsmann ihn auf Teufel komm raus immer nominiert und dafür sogar teilweise die Fakten verdreht.

Gegen die Schweiz durfte der 31-Jährige erneut von Beginn an ran – und es sollte das letzte Mal sein. Goretzka lieferte in diesem Spiel eine kurze Zusammenfassung davon, weshalb ihn viele so kritisch sehen.

Leon Goretzka war zwar bemüht, agierte häufiger aber unglücklich
Leon Goretzka war zwar bemüht, agierte häufiger aber unglücklich | picture alliance/GettyImages

Er gewann nur 25 Prozent seiner Bodenzweikämpfe, verlor dazu seine beiden Kopfballduelle und hatte am Ende eine Passquote von nur 76 Prozent (Quelle: FotMob). All das sind für einen defensiven Mittelfeldspieler schlicht keine akzeptablen Werte. Zwar ging er auch ein paar Mal mit nach vorne, dort ließ er aber häufig mit einem schlechten Zuspiel den Angriff im Sand verlaufen.

Es dürfte nach diesem Auftritt noch schwerer für Nagelsmann zu argumentieren sein, weshalb Goretzka unbedingt in die Startelf gehört. Spätestens, wenn wir bei der WM auf Nationen wie Frankreich oder Spanien treffen sollten, würde eine Startelf-Nominierung Goretzkas teuer werden.

4. Erkenntnis: Deniz Undav muss spielen – egal, ob von Beginn oder als Joker

Kai Havertz feierte gegen die Schweiz sein Comeback nach einer langen Verletzungspause – und fügte sich dabei direkt gut ein. Der 27-Jährige war in die Kombinationen eingebunden und hatte gleich mehrere gefährliche Abschlüsse.

Nur mit einem Tor wollte es nicht klappen – für Nick Woltemade übrigens auch nicht. Der 23-Jährige ersetzte Havertz nach 62 Minuten, konnte dem Spiel allerdings auch nicht seinen Stempel aufdrücken.

Deniz Undav
Deniz Undav blieb nur die Rolle des Zuschauers | picture alliance/GettyImages

Ob Deniz Undav hier die bessere Variante gewesen wäre? Der Stuttgarter ist aktuell schließlich der formstärkste Stürmer in ganz Europa, saß gegen die Schweiz aber 90 Minuten auf der Bank – warum? Nagelsmann begründete es am Ende damit, dass Undav "genug Selbstvertrauen" habe, Woltemade dieses jedoch noch brauche.

Hier führt Nagelsmann erneut das Leistungsprinzip ad absurdum, denn eigentlich hätte sich Undav zumindest einen Joker-Einsatz verdient gehabt. Schließlich hätte er sein Selbstvertrauen mit einer guten DFB-Leistung noch weiter steigern und Nagelsmann somit weitere sportliche Argumente liefern können.

Undav in seiner aktuellen Form ist schlicht und ergreifend immer gefährlich und schafft damit gleichzeitig auch Räume für seine Mitspieler. Diese Qualität haben Woltemade und Havertz aktuell nicht. Havertz fehlt es an Torgefahr, Woltemade an Selbstvertrauen – Spielminuten für Undav sind also eigentlich unvermeidbar.

5. Erkenntnis: Nico Schlotterbeck muss sich steigern

Bei all den Lobeshymnen auf Florian Wirtz und die Offensive sollte eins nicht unter den Tisch fallen: Die DFB-Elf hat auch drei Gegentore kassiert. Ja, die Schweizer waren brutal effektiv und Oliver Baumann konnte sich nicht einmal auszeichnen.

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Nico Schlotterbeck leistete sich gegen die Schweiz ungewohnte Fehler | FABRICE COFFRINI/GettyImages

Aber dennoch zeigte insbesondere Nico Schlotterbeck ungewohnte Wackler. Ins Auge stachen dabei vor allem die ungenauen Pässe, mit denen er die Schweizer zum Kontern einlud oder seine Mitspieler in Bedrängnis brachte.

Es war eine der schwächeren Leistungen des Dortmunders für die DFB-Elf, allerdings sollte man das Spiel jetzt auch nicht zu hoch hängen. Schlißelich stand am Ende trotz der ausbaufähigen Leistung eine Zweikampfquote von starken 67 Prozent. Und sind wir mal ehrlich: Lieber hat Schlotterbeck ein schwächeres Spiel in einem Freundschaftsspiel als bei der WM.

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