Das Testspiel zwischen Deutschland und der Schweiz war ein echtes Feuerwerk. Florian Wirtz schob seine Kritiker ganz nebenbei auf die Bank und gleichzeitig gaben mehrere Personalien unter Julian Nagelsmann klare Hinweise darauf, wer in diesem System besser passt und wer eher nachjustieren muss.
Neben den bekannten Baustellen in der Defensive wurden auch vorne klare Stärken und Schwächen sichtbar. Und ausgerechnet ein Experiment gewann dabei spürbar an Gewicht: Lennart Karl.
Karl bringt die Energie, die bei Sané fehlt
Vorweg: Hier geht es um Karls ersten Einsatz im DFB-Team. Sowohl er als auch Sané haben noch Zeit, sich bis zur WM nach oben oder unten zu entwickeln. Trotzdem war der Unterschied in diesem Spiel erstaunlich deutlich.
Leroy Sané tat sich schwer, seine Chance wirklich zu nutzen. Es wurde deutlich, dass er bei Galatasaray aktuell kaum Spielpraxis hat. Zwar band er sich ordentlich ins Passspiel ein, arbeitete auch defensiv mit, aber für einen bleibenden Eindruck fehlten die gefährlichen Aktionen. Kaum einmal ging er wirklich ins Dribbling oder in die Tiefe – und das in einer Partie, die insgesamt torreich war und viele Räume anbot.
Ganz anders Lennart Karl. Er kam nach 63 Minuten für Sané und veränderte sofort die Statik des Spiels. Mehr defensive Aktionen, mehr herausgespielte Chancen, deutlich bessere Zweikampfquote und das alles in deutlich weniger Zeit. Dazu kamen mehrere sauber ausgeführte Dribblings, von denen eines sogar den Siegtreffer von Florian Wirtz einleitete. Der Impact vom 18-Jährigen war kaum zu übersehen.
Statistik-Vergleich zwischen Karl und Sané (Quelle FotMob)
Lennart Karl | Leroy Sané | |
|---|---|---|
Minuten gespielt | 27 | 63 |
Ballkontakte | 31 | 40 |
Herausgespielte Chancen | 3 | 0 |
Großchancen kreiert | 1 | 0 |
Defensive Aktionen | 4 | 1 |
Gewonnene Bodenzweikämpfe | 5 von 6 | 2 von 7 |
Natürlich darf man dabei nicht vergessen, dass die Schweiz zum Zeitpunkt von Karls ersten Spielminuten bereits sieben Wechsel vollzogen hatte. Trotzdem bestätigte der 18-Jährige genau das, was ihn auch beim FC Bayern München schon jetzt so wertvoll macht: Er bringt sofort Energie, nimmt Duelle an und sorgt für direkte Aktionen im letzten Drittel.
Nagelsmann kommt nicht mehr an ihm vorbei
Schaut man auf die vergangenen Monate beim FC Bayern und dann auf diesen ersten DFB-Abend, wird der Punkt klar: An Lennart Karl kommt Julian Nagelsmann nicht mehr vorbei.
Karl ist genau der Spielertyp, der in späten Phasen ein K.-O-Spiel zu DFB-Gunsten kippen kann. Und spätestens nach seinem guten Debüt ist er sogar ein Kandidat für die Startelf. Zu unbeschwert, zu gut und vor allem zu ertragreich war seine Leistung im Vergleich zu der von Sané. Entscheidend wird jetzt der zweite Eindruck im Duell mit Ghana. Vielleicht erkennt Nagelsmann bis dahin ja auch die Zeichen der Zeit und soergt auf dem rechten Flügel für den Generationenwechsel. +
