Drei Gladbach-Stars im Fokus: So kann Polanski den Netz-Abgang abfedern
Von Oliver Helbig

Borussia Mönchengladbach hat sich am Deadline Day des Wintertransferfensters von Linksverteidiger Luca Netz getrennt und für den 22-Jährigen immerhin noch eine Ablöse von 2,5 Millionen Euro erhalten. Allerdings reißt der Abgang des talentierten Außenverteidigers auch eine Lücke im Kadergefüge der Fohlen, denn mit Lukas Ullrich steht nur noch ein weiterer angestammter Linksverteidiger zur Verfügung, der im Polanski-System die linke Seite beackern kann.
Trainer Eugen Polanski scheint das jedoch nicht sonderlich zu beunruhigen, denn der 39-Jährige hat sich offenbar bereits eine kleine Überraschung parat gelegt, wie er den Platz auf der linken Außenbahn absichern kann, sollte Ullrich mal ausfallen.
Ullrich wohl gesetzt - doch wer wird sein Backup?
Polanski gab im Gespräch mit der Bild nun tiefe Einblicke zu eben diesem Thema. "Auch wenn wir eine Option verloren haben, verfügen wir weiterhin über genügend Qualität, um auf der linken Seite flexibel zu agieren", sagte der Gladbach-Coach. In den Augen Polanskis ist der 21-jährige Ullrich auf der linken Bahn gesetzt. "Wir haben volles Vertrauen in Lukas Ullrich", so Polanski.
Doch was, wenn Ullrich, der sich regelmäßig mit Luca Netz auf dieser Position abwechselte, im weiteren Verlauf der Rückrunde mal nicht zur Verfügung steht? Hier scheint Polanski bereits eine kreative Lösung gefunden zu haben.
Polanski überrascht mit Castrop-Umschulung
"Im Training haben wir zudem bereits Szenarien mit Jens Castrop auf dieser Position durchgespielt, falls Ulle einmal ausfallen sollte", sagte der Gladbacher Cheftrainer gegenüber der Bild. Zumindest sei Castrop im Polanski-System mit Dreierkette dann die große Alternative für die linke Außenbahn.
Das dürfte spannend werden, denn Castrop ist Rechtsfuß und hat auf der linken Außenbahn erst zweimal in seiner Profikarriere gespielt – und das offensiv. Inwieweit er auch bei defensiven Aufgaben auf der linken Bahn fit ist, muss er noch beweisen. Doch ganz ohne Plan und Idee wird man sich in Gladbach dieser Thematik wohl nicht zugewandt haben.
Zudem ist man auch nicht zwingend von einem funktionierenden Jens Castrop als Linksverteidiger abhängig, denn die Defensive der Fohlen hat noch andere Lösungsansätze parat. Dafür wäre allerdings ein Systemwechsel nötig.
Neuzugang Bolin mit spannendem Profil
Eine weitere, wenn auch in Gladbach bisher ebenso wenig erprobte Option, könnte der Neuzugang Hugo Bolin darstellen. Der Schwede ist zwar im linken Mittelfeld beheimatet, ist allerdings wie Castrop ebenfalls Rechtsfuß und kein gelernter Linksverteidiger.
Immerhin konnte der 22-Jährige bereits 35 Karrierespiele in einer nicht ganz so offensiven Rolle auf der linken Außenbahn sammeln und scheint das gewisse Extra zu haben, das sich letztlich als ernsthafte Option abzeichnen könnte. Bolin feierte zehn Torbeteiligungen auf dieser Position und erweckt damit womöglich auch große Hoffnungen, künftig an seinen Landsmann und Gladbach-Liebling Oscar Wendt zu erinnern.
Womöglich ist der Transfer des schwedischen Youngster sogar als direkte Reaktion auf den Abgang von Luca Netz anzusehen? Dann dürfte Bolin bei entsprechender Entwicklung der ärgste Konkurrent von Lukas Ullrich auf der linken Außenbahn werden.
Ein Sonderlob von Coach Polanski hat sich der Winterzugang bereits eingeheimst: "Hugo hat von Anfang an einen sehr positiven Eindruck gemacht. Er ist ein Spieler, der direkt anpackt, keine Scheu zeigt und sehr viel Bock auf Borussia und die Bundesliga hat!"
Diks als Linksverteidiger in einer Viererkette
Sollte der Coach auf Viererkette umstellen, scheint es aber auch durchaus möglich, dass Kevin Diks dort aufläuft. Der Sommer-Neuzugang vom FC Kopenhagen kann sowohl die Position des Außenverteidigers als auch die des Innenverteidigers spielen.
Bisher hat Diks in seiner Profi-Karriere immerhin auch schon 47 Pflichtspiele als Linksverteidiger absolviert und war dabei an zehn Treffern direkt beteiligt. Die gleiche Dynamik wie ein Luca Netz bringt Diks zwar nicht auf den Platz, doch ist der 29-Jährige als durchaus solide Alternative anzusehen und unter den genannten Alternativen am erprobtesten mit Defensivaufgaben hinten links.
Egal wie: Ullrich-Alternative wird zum Experiment
Festzuhalten ist wohl, dass Eugen Polanski den Abgang von Luca Netz zwar nicht eins zu eins mit gleichen Attributen kopieren und auffangen kann, die dennoch spannenden Alternativen lassen vermuten, dass der Fohlen-Coach jederzeit und mit etwas Finesse in der Lage ist, den Abgang von Netz nicht so sehr ins Gewicht fallen zu lassen und Lösungen zu finden, falls Lukas Ullrich mal nicht zur Verfügung steht.
Grundsätzlich sucht man schließlich keinen neuen Linksverteidiger sondern vermutlich lediglich einen Backup für den zunächst gesetzt erscheinenden Ullrich. Aber: Egal welche Lösung Polanski dann ins Auge fassen muss, dürfte anfangs zum Experiment werden.
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