Kaum Einnahme-Potenzial: Bekommt Gladbach im Sommer ein Transfer-Problem?
Von Yannik Möller

Es braucht gar nicht unbedingt den Blick auf die düstere Ausgangslage in der Tabelle, um zu erkennen, dass sich im Kader von Borussia Mönchengladbach zur nächsten Saison einiges ändern muss. Über die vergangenen Jahre hat sich die Qualität der Mannschaft spürbar verschlechtert, was nicht zuletzt auch an zuweilen verpassten Einnahmen durch ablösefreie Abgänge (u.a. Marcus Thuram und Ramy Bensebaini) lag.
Rouven Schröder steht dementsprechend vor einer großen Herausforderung. "Wir sind dabei, Dinge anzupacken und einen Weg einzuschlagen, der für Borussia richtig ist", hatte der Sportdirektor bereits angekündigt. Ein Problem: Mit nennenswerten Einnahmen kann er im nächsten Sommer kaum rechnen, wenn nicht gleich mehrere Leistungsträger verkauft werden sollen.
Gladbach hat kaum Aussichten auf nennenswerte Transfer-Einnahmen
Die in Angelegenheiten rund um die Borussia zumeist sehr gut informierte Rheinische Post mutmaßt, dass es lediglich um die acht Spieler gibt, die im nächsten Sommer eine vernünftige Ablösesumme einbringen könnten.
Ausgehend von ihren geschätzten Marktwerten seitens transfermarkt bieten diese acht Spieler einen Gesamtwert von 80 Millionen Euro auf. Gar nicht erst zur Auswahl stehen Fohlenelf-Akteure, die entweder erst zu dieser Saison verpflichtet wurden oder die als Leihspieler zur Mannschaft gehören. Die Auswahl besteht daher aus Moritz Nicolas, Lukas Ullrich, Joe Scally, Nico Elvedi, Rocco Reitz, Robin Hack, Franck Honorat und Tim Kleindienst.
Schnell wird klar: Es werden wohl kaum mehrere dieser Spieler verkauft werden können, ohne dass sich die Borussia eine größere Qualitäts-Baustelle eröffnet. Und selbst in dieser Auswahl gibt es noch Spieler, deren Abgänge sehr unwahrscheinlich sind. Ullrich ist dafür ein gutes Beispiel, hat er seinen Vertrag erst kürzlich bis 2029 verlängert. Er wird daher kein Verkaufskandidat sein.
Ebenfalls ein Problem: Spieler wie Nicolas, der aufgrund beständig guter Leistungen auf sich aufmerksam macht und definitiv einen Markt haben wird, werden kaum eine Top-Ablöse einbringen. Der Torwart-Markt als solcher ist natürlich weitaus kleiner, ebenso die grundsätzliche Nachfrage. Die RP geht davon aus, dass eine niedrige zweistellige Millionensumme als etwaige Ablösesumme denkbar wäre. Doch dann müsste auch eine neue Nummer eins verpflichtet werden, der zugetraut wird, Nicolas zu ersetzen - insofern es kein Tor-Comeback von Jonas Omlin geben sollte.
Die größte Ablösesumme könnte voraussichtlich Reitz einbringen. Er gilt zurzeit als der einzige Gladbacher, der in finanzielle Sphären vorstoßen könnte, die den Klub wirklich weiterbringen würden.
Aufgrund der mindestens durchwachsenen oder zuweilen auch schlichtweg schwachen letzten zweieinhalb Jahre von Borussia, hat natürlich auch der Marktwert von Reitz und seine Markt-Perspektive etwas gelitten. Dennoch gilt er als wichtiger Führungsspieler. Laut der RP müsste sich Gladbach nicht mit weniger als 20 Millionen Euro zufrieden geben. Dem Vernehmen nach soll Reitz eine Ausstiegsklausel in Höhe von 28 Millionen Euro besitzen. Vor allem RB Leipzig wird aktuell Interesse nachgesagt, RBL ist der Klausel-Preis laut Sky aber zu hoch.
An der Schwelle zur Erstliga-Qualität: Schröder vor schwierigem Spagat
So wird deutlich: An Transfer-Einnahmen aus der Hochzeit unter Max Eberl, mit etwa 45 Millionen Euro für Granit Xhaka oder 25 Millionen Euro für Thorgan Hazard, wird der zurzeit Tabellenzwölfte nur dann heranreichen können, wenn gleich mehrere Leistungsträger verkauft werden. Darunter wiederum würde dann aber natürlich die Qualität der Mannschaft leiden, weil die etwaigen Einnahmen nicht eins zu eins reinvestiert werden könnten.
Schröder muss also einen Spagat schaffen: Bestmögliche Einnahmen generieren, während die Qualität des Kaders mindestens (!) auf dem gleichen Niveau bleibt. "Unser Weg wird sein, Spieler mit Potenzial zu finden und sie weiterzuentwickeln", kündigte er bereits einen Teilaspekt der künftigen Transfer-Strategie an.
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