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Diesen schweren Fehler hat der BVB nach der Schlotterbeck-Verlängerung begangen

Der BVB lässt kein Fettnäpfchen aus. Ein Kommentar.
Nico Schlotterbeck hat seinen Vertrag beim BVB bis 2031 verlängert
Nico Schlotterbeck hat seinen Vertrag beim BVB bis 2031 verlängert | Hendrik Deckers/GettyImages

Nach wochenlangem Hin und Her konnte Borussia Dortmund nun endlich die Vertragsverlängerung mit Abwehrchef Nico Schlotterbeck verkünden. Der deutsche Nationalspieler ist dank des neuen Arbeitspapiers bis 2031 an den Verein gebunden - in der Theorie. Dass damit aber endlich Ruhe um diese Personalie einkehrt, ist allerdings nicht der Fall. Ein Gerücht über eine vermeintliche Ausstiegsklausel des 26-Jährigen trübt das Bild rund um die Vertragsverlängerung gewaltig und zieht die Verantwortlichen in Dortmund fast noch mehr ins Rampenlicht, als zuvor.

Demnach könnte Schlotterbeck nämlich bereits im Sommer nach der WM den BVB doch noch verlassen. An diesem Bundesliga-Wochenende schlägt die Meldung natürlich weiter enorm hohe Wellen. Die BVB-Verantwortlichen halten sich dazu aber bedeckt. Doch abseits der im Rampenlicht stehenden Thematik hat der BVB möglicherweise auch im Nachgang der Vertragsverlängerung einen gewaltigen Fehler begangen, der mich nur noch mit dem Kopf schütteln lässt. Ein Kommentar.

BVB mit Bärendienst an Book

Es war abzusehen, dass der Eiertanz der Dortmunder rund um die kolportierte Ausstiegsklausel zu weiterem Ärger und Schlagzeilen führen würde.

Nun musste auch noch der neue Sportdirektor Ole Book vor dem Bundesligaduell gegen Bayer 04 Leverkusen an diesem Samstag Rede und Antwort stehen. Er sah sich einer hartnäckigen und zackig aufgelegten Laura Wontorra am DAZN-Mikrofon gegenüber, die versuchte, mit scharfen Fragen eine Antwort aus dem erst kürzlich ins Amt geholten Book zu quetschen. Dieser wehrte sich mit aller Macht, einerseits gegen die Fragen, andererseits aber auch dagegen, etwas Falsches zu sagen. Und genau da liegt der große Fehler des BVB.

Das Thema Nico Schlotterbeck schlägt weiter hohe Wellen
Das Thema Nico Schlotterbeck schlägt weiter hohe Wellen | Hendrik Deckers/GettyImages

Ole Book, der erst vor wenigen Wochen als neuer Sportdirektor und Nachfolger von Sebastian Kehl verpflichtet wurde, arbeitete vor diesem Engagement beim SV Elversberg in der 2. Bundesliga. In der saarländischen Fußball-Provinz musste er sich keiner großen Aufmerksamkeit ausgesetzt sehen und schon gar keine großen Vertragspoker moderieren. Nun wird er von den BVB-Bossen ausgerechnet bei der vermutlich bedeutendsten Dortmunder Personalfrage der gesamten Saison vor die Kameras und somit vor die Augen ganz Fußball-Deutschlands gestellt, bei der Book darf zwar viel reden, aber nichts sagen darf.

Warum verbrennt Dortmund seinen Sportdirektor?

Die einen – vielleicht auch die Dortmunder Bosse – mögen der Meinung sein, dass Book sich mit diesem Thema gleich mal an den rauen BVB-Wind und den neuen Ton in seiner Berufswelt gewöhnen kann. Der Sprung ins eiskalte Haifischbecken zum Abhärten sozusagen.

Was bei dieser Entscheidung jedoch offenbar nicht bedacht wurde, sind die möglichen Folgen aus diesem Interview. Denn nun wird Ole Book bei seiner ersten richtig großen BVB-Geschichte gleich mit etwas Negativem in Verbindung gebracht und zieht sich mit einem nichtssagenden Wischiwaschi die Wut der Dortmunder Fans auf sich, obwohl er am Ende gar nichts dafür kann.

Ole Book
Ole Book | picture alliance/GettyImages

Hätte man in diesem speziellen Fall nicht einen Dortmunder Kopf hinstellen können, der ohnehin schon von Kritik behaftet ist und bei dem ein weiterer Flecken auf dem Hemd nicht weiter wehtut? Warum verbrennt man ausgerechnet denjenigen, der eigentlich für einen positiven Aufschwung und Neuanfang stehen soll und dessen Verpflichtung als Lichtblick für die Zukunft angesehen wird?

Gerade ihn setzt man - noch ziemlich grün hinter den gelbschwarzen Ohren - einem derart großen Thema aus, bei dem er, egal, was er sagt, nur verlieren kann und das sich als Negativbild in den Köpfen des BVB-Anhangs festsetzt. Eine Anhaftung, die Book vermutlich erst einmal schwer wieder loswerden dürfte und für die er nun sicherlich einige positive Meldungen machen muss, um wieder freundlicher angeschaut zu werden.

Dortmunder Inkompetenz oder fehlende Weitsicht?

Es leuchtet mir einfach nicht ein, warum man beim Thema Schlotterbeck und dem brisanten Gerücht rund um eine angebliche Ausstiegsklausel nicht etwa Lars Ricken ans Mikrofon lässt und Ole Book vorerst noch aus der Schusslinie nimmt. Warum lässt man nicht einen derjenigen antworten, die bereits gestandene BVB-Größen sind und bei denen eine Kritik mehr oder weniger das Kraut auch nicht mehr fett macht? Es wirkt auf mich abermals wie ein Ausdruck der Inkompetenz und des fehlenden Weitblicks in Dortmund.

Wenn man schon unbedingt möchte, dass Book, der auch bei Sky Rede und Antwort stehen musste, etwas zu diesem Thema sagt, dann achte ich doch darauf, dass dies nur in dosierten Nebensätzen passiert, nachdem sich zuvor andere um den brennenden Großteil dieses Themas gekümmert haben und den Fokus auf sich lenken, um den neuen Hoffnunsgträger vorerst noch unbehaftet zu lassen.

Hätte sich an diesem Wochenende ein anderer großer BVB-Kopf dem Schlotterbeck-Thema entgegenstellen müssen?
Hätte sich an diesem Wochenende ein anderer großer BVB-Kopf dem Schlotterbeck-Thema entgegenstellen müssen? | INA FASSBENDER/GettyImages

Mir tut Ole Book nun fast schon leid. Ihm das Mikrofon zu überlassen und ein klares Dementi zu einer Ausstiegsklausel abzugeben, wäre clever gewesen, denn dann wäre sein Gesicht mit einem positiven Erlebnis für jeden Anhänger verbunden. Nun wird er vorgeschoben, um sich den Fackeln und Mistgabeln aus dem gelb-schwarzen Lager entgegenzustellen, vor denen sich andere entweder fürchten oder auf die sie keine Lust haben. Wenn man genauer darüber nachdenkt, ist es ein fußballerischer Fiebertraum.

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