Diese unbequeme Frage muss sich der HSV jetzt stellen lassen
Von Oliver Helbig

Mit etwas Verspätung dürfen sich die Fans des Hamburger SV auch gut zwei Wochen nach Weihnachten über ein weiteres Geschenk freuen: Noch ehe der Weihnachtsbaum aus dem Haus fliegt, können sie den Transfer von Damion Downs auspacken und damit einen neuen Torjäger bewundern.
Der frühere Kölner, der sich nach seinem Wechsel zum FC Southampton schwer tat und den ganz großen Durchbruch auf der Insel bislang nicht schaffte, wechselt aus der englischen Zweitklassigkeit ins deutsche Oberhaus. Diesen durchaus kostspieligen Transfer kann man nun getrost zum Anlass nehmen, dem HSV eine ernst gemeinte Frage zu stellen.
Poulsen-Transfer hat bisher keine Früchte getragen
Dass der Transfer des 21-jährigen US-Amerikaners für die Hanseaten ein grandioses Stück ist, steht außer Frage, und man darf wohl jede Menge vom Nationalspieler erwarten. Zumindest aber schließt er nun wohl vorerst eine Baustelle, die sich über die gesamte Hinrunde zog.
Im Sommer holte man mit Yussuf Poulsen einen eigentlichen Hoffnungsträger für den Sturm, doch außer seinem Siegtreffer im Nordderby gegen Werder Bremen blieb vom Ex-Leipziger vor allem das Verletzungspech hängen. Der Däne kam seit seiner Ankunft nur zu einem Startelfeinsatz und hinterließ bisher mehr Fragezeichen als Antworten.
Der HSV zahlte für Poulsen eine Ablöse von einer Million Euro und soll ihm zudem ein Gehalt von zwei bis 2,5 Millionen Euro zahlen. Das ist viel Geld für einen Spieler, der zwar über große Qualitäten verfügt, seinen Mehrwert aber bis dato nicht belegen konnte. Poulsen jetzt schon als teuren Fehlgriff abzutun, wäre nicht gerecht und auch noch viel zu früh. Aufgrund seiner Entwicklung behält der Transfer dennoch einen bisher bitteren Beigeschmack.
Das Warten auf Glatzel nimmt gefühlt kein Ende
Ebenso unglücklich sieht es beim großen HSV-Torjäger alter Tage aus. Robert Glatzel hatte 2025 ebenfalls ein Seuchenjahr und schlug sich von einer Verletzung zur nächsten durch. Einen sportlichen Mehrwert wie etwa in den Spielzeiten 2021/22, 2022/23 und 2023/24 konnte der gebürtige Münchner seit seinem Sehnenriss im Oktober 2024 deshalb nicht mehr erzielen.
Inzwischen stellt sich die Frage, ob der 31-Jährige nach seiner langen Leidenszeit überhaupt noch in der Lage ist, an sein Top-Niveau heranzukommen - zumal die Anforderungen in der Bundesliga weitaus anspruchsvoller sind als etwa in der 2. Bundesliga, wo Glatzel noch als zuverlässiger Knipser glänzte.
Die Hoffnung und der Glaube daran sind in Hamburg zwar groß, doch dieses Thema ist nicht erst seit heute fraglich und lässt vermuten, dass man mit mehr Hoffnung als klarem Gedanken in die Saison 2025/26 ging. Dennoch wirkt dies auch aufgrund des ausbleibenden Poulsen-Durchbruchs mehr als unglücklich für die Verantwortlichen, wenngleich erwähnt sein muss, dass Poulsen schon vor seinem Wechsel an die Elbe angeschlagen war.
Downs-Deal kommt den HSV teuer zu stehen
Nun soll der Transfer von Damion Downs Abhilfe schaffen und für eine schnelle Verbesserung der offensiven Gesamtlage sorgen. Dieser Transfer geht für die Hamburger dabei auch etwas ins Geld. Allein die Leihe bis zum kommenden Sommer kostet den HSV wohl eine halbe Million Euro, darüber hinaus würde die eingebaute Kaufoption im Sommer je nach Leistung des Angreifers zwischen neun und zwölf Millionen Euro betragen.
Außerdem muss sich der HSV bei diesem Deal auch umgehend das gesamte Gehalt von Damion Downs aufhalsen, der sichlich nicht schlecht auf der Insel verdient hat. Dieses soll dem Vernehmen nach bei gut drei Millionen Euro liegen. Ein erneut teurer Spaß, um die Saisonziele noch erreichbar werden zu lassen und der Baustelle im Sturm Herr zu werden.
Diese Frage muss man sich in Hamburg nun stellen lassen
Betrachtet man das Gesamtbild der Hamburger Transferaktivitäten in diesem Mannschaftsteil seit der Bundesliga-Rückkehr, so muss man sich an der Elbe einer unbequemen Frage stellen: Wäre es nicht deutlich einfacher und am Ende womöglich sogar deutlich günstiger gewesen, einfach den Vertrag mit dem mehr als dafür offenen Davie Selke zu verlängern?
Selke machte den Wiederaufstieg des HSV als Torschützenkönig der vergangenen Zweitligasaison in weiten Stücken erst möglich und brachte sowohl seine Liebe zum Verein als auch seine Bereitschaft, bleiben zu wollen, mehrfach deutlich zum Ausdruck. Laut eigenen Angaben war Selke sogar dazu bereit, Abstriche zu machen oder zumindest mit Blick auf bessere Konditionen durch den Aufstieg zu einem gewissen Teil zu verzichten.
Letztlich hätte der HSV wohl besser daran getan, den beliebten Torjäger aus der Vorsaison, der integriert, motiviert und wenig verletzungsanfällig war, zu halten, anstatt sich nun über ein halbes Jahr mit dem immer wiederkehrenden Thema befassen zu müssen, ohne zu wissen, wie diese Geschichte bis zum Saisonende ausgeht.
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