Nimmt der FC Bayern in diesem Sommer doch die ganz große Kohle in die Hand? Zunächst deutete darauf nicht so wahnsinnig viel hin, jedoch sieht die Sache in Wirklichkeit womöglich ganz anders aus. Inzwischen haben sich die Zeichen verdichtet, dass die Münchner tatsächlich einen Transfer von Anthony Gordon forcieren.
Selbst Uli Hoeneß soll sich für eine Verpflichtung des Engländers ausgesprochen haben - und das mag schon was heißen. In England heißt es bereits, dass sich die Bayern grundsätzlich mit dem Angreifer geeinigt haben.
Knackpunkt bleibt aber die Ablöseforderung der Magpies. Zwar wird der FC Bayern laut Angaben der Sport Bild nicht die geforderten rund 90 Millionen Euro aufbringen, jedoch habe ein Gordon-Deal Priorität. Nicht ausgeschlossen also, dass der 25-Jährige letztlich für ca. 70 bis 80 Millionen Euro an die Isar wechselt.
Immerhin haben die Bayern zuletzt häufig gute Erfahrungen mit Spielern aus der Premier League gemacht, wie die Beispiele Harry Kane, Michael Olise und Luis Diaz zeigen. Hinzu kommt, dass die Bilanz von Gordon mit 17 Saisontoren auf dem ersten Blick wahrlich vielversprechend aussieht.
Und doch gibt es reichlich Gründe, warum die Bayern in der Gordon-Thematik oberste Vorsicht walten lassen sollten.
Gordon erzielt über 50 Prozent seiner Tore per Elfmeter
Zunächst sei erwähnt, dass in Sachen Scoring der Schein erheblich trügt. Zwar hat Gordon in 46 Pflichtspielen 17 Tore erzielt, jedoch waren neun davon Elfmeter-Treffer. Bedenkt man, dass Harry Kane beim FC Bayern der Elfmeterschütze Nummer eins ist, bringt diese Qualität kaum einen wirklichen Mehrwert mit sich. Zieht man diese neun Tore ab, kommen wir bei Gordon nur noch auf acht Saisontore, was keineswegs außergewöhnlich ist.
Besonders ins Auge sticht bei Gordon die Bilanz in der Champions League, in der er mit zehn Treffern auf dem geteilten dritten Platz in der Torjägerliste steht. Doch auch hier muss man deutlich anmerken, dass die Zahl besser aussieht als die tatsächliche Leistung. Vier seiner zehn Tore hat er beim 6:1 gegen Qarabag erzielt. Zwei weitere beim 4:0 gegen Union Saint-Gilloise. Hinzu kommt eben wieder, dass er fünf seiner zehn Tore per Elfmeter erzielt hat und im Achtelfinale gegen Barca ohne Torbeteiligung blieb.
In der Premier League ist seine Bilaz mit sechs Toren ohnehin schon nicht herausragend, auch hier stammen zudem wieder 50 Prozent aus Elfemetern. Zudem gelang ihm ein Treffer im FA-Cup - auch per Elfmeter.
Ein Kritikpunkt ist auch, dass Gordon für einen Offensivspieler nur wenige Vorlagen liefert. Wettbewerbsübergreifend sind es in der bisherigen Saison fünf. Rechnet man die Elfmeter weg, kommt man also nicht auf Zahlen, die für den FC Bayern normalerweise interessant sind und eine gigantische Ablösesumme rechtfertigen würden. Mit neun Toren und sieben Assists in 42 Pflichtspielen war seine Bilanz 2024/25 im Übrigen auch nicht weltbewegend. Besser schnitt er hingegen 2023/24 (zwölf Tore, 16 Assists) ab.
In der Nationalmannschaft kommt Gordon auf zwei Tore und null Vorlagen in 17 Spielen, was ebenfalls die Zweifel an seiner Bayern-Tauglichkeit nährt.
Gordon wäre beim FC Bayern wohl nur Backup
Unter dem Strich kann man sich kaum vorstellen, dass der Offensiv-Allrounder eine realistische Chance hat, sich gegen Michael Olise, Luis Diaz, Harry Kane oder einen fitten Jamal Musiala durchzusetzen. Selbst Newcastle-Legende Alan Shearer äußerte bei Prime Video deutliche Zweifel an Gordon. "Er würde es nicht in diese Mannschaft schaffen", so das knallharte Urteil des Rekordtorschützen der Premier League.
Charakterlich scheint Gordon in den letzten Jahren zwar etwas gereift zu sein, jedoch bleiben auch diesbezüglich noch ein paar Fragen offen. Beim FC Everton schwänzte er drei Tage das Training, um den Wechsel zu den Magpies zu provozieren. Zudem gilt er als temperamentvoller Spieler, der immer wieder mit dem Schiedsrichter oder Gegenspielern in Reibereien gerät. Zwar überzeugt Gordon mit seinem Ehrgeiz, neigt allerdings auch zur Frustration, wenn es mal nicht so läuft. Ähnliches mussten die Bayern bereits bei Leroy Sané miterleben.
Zwar entspricht es der Realität, dass die Bayern noch einen hochkarätigen Backup benötigen, der Gordon mit seiner Schnelligkeit und starken Technik durchaus sein kann, jedoch erscheint es eher abwegig, das gesamte Sommer-Budget in einen Ersatzmann zu stecken.
Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass der FC Bayern auch noch andere Baustellen hat. Beispielsweise würde ein hochkarätiges Talent für rechts hinten nicht schaden, sei es ein Givairo Read oder ein anderer Youngster.
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