Für den FC Bayern beginnen die Wochen der Wahrheit. Am 10. und 17. März stehen die Champions-League-Duelle mit Atalanta Bergamo an. Zwar sind die Italiener auf dem ersten Blick kein absoluter Kracher-Gegner, jedoch dürfen sich die Münchner ihrer Sache auch nicht zu sicher sein. Natürlich haben die Bayern aber deutlich größere Ambitionen als das Überstehen des Achtelfinals. Letztlich muss für den deutschen Rekordmeister der Henkelpott das anvisierte Ziel sein.
Stand jetzt kann man aber trotz des positiven Saisonverlaufs Zweifel daran haben, dass die Münchner die Champions League erstmals seit 2020 wieder gewinnen. Wir sehen uns fünf Punkte an, in denen der FCB noch nicht titelreif ist.
1. Musiala und Karl lassen Leichtfüßigkeit vermissen

Harry Kane, Jamal Musiala und Luis Diaz sind beim FC Bayern fast schon Garanten auf Top-Leistungen – und auch Serge Gnabry erfüllt seine Rolle sehr ordentlich. Dennoch könnte gerade Jamal Musiala in Topform nochmal eine vielleicht notwendige Verbesserung in der Startelf darstellen.
Der 23-Jährige hat allerdings ein Horror-Jahr 2025 mit zwei schweren Verletzungen hinter sich. Folgerichtig ist es keine Überraschung, dass er noch nicht in Topform ist. Musiala spielt nicht schlecht, jedoch ist von seinen früher so leichtfüßigen Dribblings noch wenig zu sehen. Auch Schlüssel-Aktionen liefern eher die anderen Offensivspieler.
All das ist angesichts seiner langen Leidenszeit natürlich verständlich, jedoch braucht es in den großen Spielen womöglich auch die besonderen Momente von Musiala. Ob er diese liefern kann, ist Stand heute fraglich. Es sieht eher danach aus, als würde er etwas mehr Zeit benötigen.
Ein wenig unglücklich ist in diesem Zusammenhang, dass mit Lennart Karl ein weiterer Münchner in ein kleines Leistungsloch gefallen ist. Bedenkt man, dass der Bayern-Youngster erst 18 Jahre alt ist, kann man auch das sehr gut nachvollziehen.
In Hinblick auf die kommenden Wochen wäre es natürlich trotzdem wertvoll, wenn Karl seine Unbekümmertheit und Torgefahr wiederentdeckt. Auch er hätte schon das Können für besondere Momente.
2. Außenverteidiger derzeit nicht in Topform

Mit Konrad Laimer und Alphonso Davies verfügen die Bayern über zwei ungeheuer laufstarke und athletische Außenverteidiger. Dies ist grundsätzlich schon mal eine mögliche Trumpfkarte. Aktuell lässt sich allerdings nicht sagen, dass sich das Duo wirklich in Topform befindet.
Davies hat nach seinem Kreuzbandriss grundsätzlich ein ordentliches Comeback gefeiert, jedoch wurde er jüngst von einem Muskelfaserriss zurückgeworfen. In Topform kann der Kanadier folgerichtig noch gar nicht sein. Es wäre aber enorm wichtig, wenn er dieser in den entscheidenden Wochen so nahe wie möglich kommen würde.
Ebenfalls nicht in Topform ist der zuletzt häufiger von muskulären Verletzungen geplagte Konrad Laimer. Der Österreicher hat eine überragende Hinrunde gespielt, zeigte in den letzten Wochen aber – wenn er denn mal fit war – eher mittelmäßige Leistungen.
Man darf die Wichtigkeit der Außenverteidiger nicht unterschätzen, da die meisten internationalen Top-Klubs über pfeilschnelle und brandgefährliche Flügelstürmer verfügen.
Mit Josip Stansic und Hiroki Ito stehen zwar zur Not auch zwei ordentliche Back-Ups zur Verfügung, jedoch haben diese eben nicht den Speed von Laimer und vor allem Davies.
3. Bayern bekommen zu viele Gegentore

Der FC Bayern gewinnt zwar noch immer einen Großteil seiner Spiele, ist aber nicht mehr so souverän wie über weite Strecken der Hinrunde. Dies hängt insbesondere mit einer nicht mehr ganz so gefestigten Defensiv-Performance zusammen. In vier der letzten acht Pflichtspielen kassierten die Münchner je zwei Treffer und konnten die Matches gegen Hamburg (2:2) und Augsburg (1:2) auch nicht gewinnen.
Die Probleme sind nicht wirklich der Innenverteidigung oder den Torhütern anzulasten, sondern eher dem Gesamtkonstrukt. Die Spielweise von Vincent Kompany ist offensiv und gewagt. Wenn die Konzentration mal ein wenig nachlässt oder einzelne Akteure müde werden, kann das enorme Auswirkungen auf die Stabilität haben.
In der Hinrunde hat die Arbeit gegen den Ball trotz der offensiven Ausrichtung fast perfekt funktioniert, in den vergangenen Wochen mehrten sich kleinere Fehler mit teilweise auch größeren Folgen. Die Münchner müssen die Stabilität der Hinrunde zurückerlangen, um in der Champions League einen Coup landen zu können.
4. Kein Back Up für Harry Kane

Der FC Bayern hat zwar nicht wenig Geld dafür ausgegeben, um mit Nicolas Jackson einen Back-Up für Harry Kane an Bord zu holen, jedoch war der Deal noch nicht von Erfolg gekrönt.
Stand jetzt ist Jackson kein Spieler, der einen Mehrwert bietet und kein Spieler, den man in brenzligen Situationen als zusätzliche Spitze bedenkenlos bringen kann.
Besonders problematisch wäre demnach natürlich ein Ausfall von Kane. Die Bayern haben keinen Akteur, der den Engländer in Ansatz ersetzen könnte. Jackson sollte diese Rolle einnehmen, hat es aber nicht getan - und wird es wohl auch nicht mehr tun.
In großen Matches ist der FC Bayern auf einen fitten Harry Kane angewiesen, ansonsten wird es ganz schwer.
5. Joshua Kimmich muss seine Fehler abstellen

Joshua Kimmich hat sich mit einem starken Auftritt gegen Borussia Dortmund eindrucksvoll zurückgemeldet. Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass der Mittelfeld-Leader in den vergangenen Wochen einige gefährliche Pässe und Ballverluste in seinem Spiel hatte. Bestraft wurde das nur in einer Szene gegen Eintracht Frankfurt, während er in anderen Matches von seinen Kollegen oder purem Glück gerettet wurde.
Klar ist aber auch, dass die großen Klubs in der Champions League nochmal eine ganze Ecke besser darin sind, Fehler zu bestrafen. Kimmich ist neben Harry Kane und Michael Olise der wohl wichtigste Spieler im Bayern-Konstrukt. Die Chancen der Bayern hängen deutlich mit seinen Performances zusammen. Eine Schippe muss Kimmich definitiv noch draufpacken.
