Die WM 2026 verspricht reichlich Spannung. Während einige spannende Underdogs für eine Überraschung sorgen könnten, droht höher gewetteten Teams ein böses Erwachen. Wir werfen in unserem Ranking einen Blick auf die Nationen, die zwar zu den Favoriten oder zum erweiterten Kreis der Titelanwärter gehören, aber genauso gut ein böses Erwachen erleben können.
6. Spanien
Spanien ist als amtierender Europameister gemeinsam mit Frankreich der größte Titelfavorit und hat einen in der Breite unfassbar gut aufgestellten Kader. Und doch sind Zweifel erlaubt, ob die Iberer wirklich genauso stark performen können wie noch vor zwei Jahren.
Sorgenfalten gibt es insbesondere in der Offensive. Bei der EM 2024 waren Lamine Yamal und Nico Williams als Flügelzange tragende Säulen der Mannschaft. Beide waren bis zuletzt verletzt und müssen nun einen Kaltstart hinlegen. Hinzu kommt, dass der bei der EM ebenfalls überragende Dani Olmo keine gute Saison hingelegt hat. Mittelfeld-Anker Rodri ist noch immer sehr gut, nach seinem Kreuzbandriss aber einen Ticken schwächer als früher. Spieler wie Mikel Merino, Gavi und Fabian Ruiz mussten ebenfalls Verletzungen durchstehen.
In der Innenverteidigung fehlt zudem ein richtiger Haudegen von Weltklasse-Format, der den spielstarken Pau Cubarsi unterstützen könnte.
In Summe hat Spanien natürlich noch immer einen Top-fünf-Kader, jedoch sind die Voraussetzungen nicht ganz so gut, wie noch bei der EM. Vieles hängt von der Fitness von Yamal und Williams ab. Zumal auch ein echter Top-Torjäger im Sturmzentrum fehlt.
Die Leistungen in den letzten Monaten waren schwankend. Zwar konnte man beispielsweise in der Qualifikation die Türkei mit 6:0 an die Wand spielen, kam aber gegen Ägypten und zuletzt Irak nicht über ein Remis hinaus.
Blickt man auf die letzten großen Turniere war zwischen Titelgewinn und frühes Ausscheiden kaum etwas dabei.
5. Argentinien
Argentinien zählt als Titelverteidiger natürlich auch zum absoluten Favoritenkreis. Ähnlich wie die Spanier haben aber auch die Gauchos ein paar Sorgen. Lionel Messi hat bei der WM 2022 nochmal sein ganzes Können abgerufen. Der Superstar hat jedoch Verletzungsprobleme und wird wohl kaum nochmal auf einem so hohen Level performen können.
Es sei jedoch gesagt, dass dafür mit Julian Alvarez, Lautaro Martinez und Nico Paz andere Offensivspieler ein Feuerwerk zünden könnten.
Um das zentrale Mittelfeld braucht man sich keine Sorgen zu machen, dieses ist erstklassig besetzt. Selbiges gilt jedoch nicht für die Abwehr. Cristian Romero und Lisandro Martinez haben zuletzt eher mäßig performt und auf den beiden Außenverteidiger-Positionen stehen keine Top-Spieler zur Verfügung. Auch Emiliano Martinez im Tor befindet sich nicht mehr in der Form von 2022.
Ob man mit so einer Defensive um den Titel mitspielen kann, ist fraglich. Die Performance in der WM-Qualifikation war allerdings stark.
4. Brasilien
Was ist mit der Selecao los? Die WM-Qualifikation war fast schon dramatisch schwach. Die Teilnahme war zwar nie ernsthaft in Gefahr, Rang fünf ist aber dennoch nicht das, was man in Brasilien erwartet. Immerhin: Im März konnte das Team von Star-Coach Carlo Ancelotti Kroatien bezwingen und war Frankreich nur knapp mit 1:2 unterlegen.
Im Kader steckt mit Spielern wie Vinicius Junior und Raphinha massiv Potenzial. Zudem ist die Innenverteidigung mit Gabriel und Marquinhos zumindest auf dem Papier vielleicht die beste der Welt. Eklatant sind dafür die Probleme auf den Außenverteidiger-Positionen. Danilo und Alex Sandro waren bei der letzten WM schon über dem Zenit. Jetzt dürften sie wieder Stamm spielen, nachdem sich Wesley bittererweise verletzt hat.
Im Mittelfeld sind Spieler wie Fabinho und Casemiro in die Jahre gekommen. Bruno Guimarães steht daher besonders in der Verantwortung, hat aber nicht die beste Saison hinter sich.
Die große Trumpfkarte könnte Ancelotti auf der Trainerbank sein. Die unbeständigen Leistungen und zum Teil schwierigen Charaktere lassen aber auch ein absolutes WM-Debakel zu.
3. Deutschland
Ein gewisser Pessimismus ist in Deutschland fast vor jedem Turnier zu vernehmen, jedoch ist zu befürchten, dass dieser in diesem Jahr erneut Realität wird. Potenzielle Probleme finden sich fast überall im Kader. Das Dilemma beginnt bereits im Tor, wo die Rückkehr von Manuel Neuer für viel Wirbel gesorgt hat. Wie fit und gut ist der 40-Jährige wirklich noch?
Deutlich schwerwiegender ist aber das Problem hinten rechts, weshalb Joshua Kimmich hier wieder aushelfen soll. Dies ist aber womöglich nicht die beste Idee, weil Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha im zentralen Mittelfeld ein ziemlich unerprobtes Duo abgeben.
Kommen wir zu den drei Fragezeichen in der Offensivreihe. Florian Wirtz hat keine sonderlich starke Saison hinter sich und Jamal Musiala ist nach seiner schweren Verletzung noch nicht in Topform. Leroy Sané hat sich durch den Ausfall von Lennart Karl vom Herausforderer zum Starter manövriert. Hinter seiner Leistungsfähigkeit steht jedoch auch ein Fragezeichen.
Deutschland darf heilfroh sein, dass zumindest Kai Havertz trotz seiner Verletzungshistorie in Topform ist.
Das Kuriose am DFB-Team ist, dass es wenn alles rund läuft sogar um den Titel mitspielen kann. Entscheidend sind vor allem die Performances von Musiala und Wirtz. Die Möglichkeit, dass die WM 2026 wie schon die letzten beiden total in die Hose geht, ist aber auch voll und ganz gegeben.
2. Kroatien
Bei der WM 2018 hatte Kroatien die ganz große Chance, Weltmeister zu werden, verlor jedoch im Finale gegen Frankreich. Es war die große Generation um Ivan Rakitic, Luka Modric und Mario Mandzukic. Inzwischen haben aber viele Spieler dieser goldenen Ära ihre Karriere beendet oder sind weit über ihrem Zenit. Spieler wie Modric, Perisic und Kovacic sind noch immer dabei, jedoch stehen Fragezeichen hinter dem tatsächlichen Leistungsvermögen.
Gut besetzt ist Kroatien in der Abwehr mit Spielern wie Luka Vuskovic, Josip Stanisic und natürlich Josko Gvardiol. Der Rest des Teams ist jedoch in die Jahre gekommen oder hat nicht das ganz große Niveau. Vorne ruhen die Hoffnungen auf Andrej Kramaric, der auch mit 34 Jahren eine Top-Saison gespielt hat und auf Martin Baturina, der als großes Talent gilt.
Im Vergleich zu anderen Top-Nationen sind die Kroaten dennoch ziemlich dünn besetzt. Ein tiefer Run wäre schon eine Überraschung.
1. Niederlande
Sehen wir bei der WM 2026 die schwächste Elftal seit vielen Jahren? Die Gefahr dazu besteht definitiv. Große Sorgen bereitet vor allem die Offensive, was für Oranje absolut unüblich ist. Der auf dem Papier stärkste Spieler ist Cody Gakpo, jedoch hat dieser keine gute Saison in Liverpool gespielt. Alle anderen Spieler verfügen nicht über das absolute Top-Vermögen, zumal auch Memphis Depay in die Jahre gekommen ist. Xavi Simons fällt verletzt aus. Immerhin hat Ex-BVB-Stürmer Donyell Malen ein überragendes letztes Halbjahr bei der Roma hinter sich.
Das Mittelfeld ist mit Spielern wie Frenkie de Jong und Tijjani Reijnders eigentlich super besetzt, jedoch haben beide ein schwieriges Jahr hinter sich. In der Abwehr ist auf Virgil van Dijk natürlich Verlass, jedoch fallen Jurrien Timber und Matthijs de Ligt verletzt aus. Zwar stehen trotzdem noch starke Verteidiger zur Verfügung, die Defensive muss sich aber erst noch finden.
Die Eindrücke in den letzten Spielen waren auch alles andere als gut. Zuletzt gab es eine Niederlage gegen Algerien und einen mickrigen 2:1-Sieg gegen Usbekistan. Die Elftal lebt aktuell eigentlich fast nur von ihrer Tradition und ihrem gefürchteten Namen.
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