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Warum Waldemar Anton für den BVB wichtiger ist als Nico Schlotterbeck

Mit Nico Schlotterbeck und Waldemar Anton hat der BVB zwei absolute Ausnahmeverteidiger in seinen Reihen - mit unterschiedlichen Maßstäben.
VonOliver Helbig
Waldemar Anton zählt zu den unauffälligen Führungsspielern beim BVB
Waldemar Anton zählt zu den unauffälligen Führungsspielern beim BVB | ANP/GettyImages

Mit vier Siegen aus den ersten vier Bundesligaspielen ist Borussia Dortmund erfolgreich in die Saison gestartet und durfte sich somit über die lange Länderspielpause hinweg über den ersten Platz im deutschen Oberhaus freuen – noch vor dem FC Bayern München. Eine schöne Momentaufnahme, die es in den kommenden Wochen und Monaten zu bestätigen gilt.

Dass die Gelb-Schwarzen wieder als eine ernstzunehmende Hausnummer im deutschen Fußball daherkommen, liegt zum einen an Trainer Niko Kovac, der wieder Ordnung, Struktur und vor allem defensive Stabilität zurückbrachte. Zum anderen liegt das aber natürlich an den Hauptdarstellern, die diese defensiven Ideen des Trainers auch auf den Rasen bringen und umsetzen. Zu den wichtigsten gehören in Dortmund dabei ganz klar die beiden DFB-Stars Nico Schlotterbeck und Waldemar Anton.

Schlotterbeck und Anton - der BVB verfügt über zwei Top-Verteidiger

Mit der Vertragsverlängerung von Nico Schlotterbeck im April dieses Jahres konnte der BVB etwas Ruhe in die ständigen Wechselgerüchte um den Innenverteidiger bringen - zumindest auf dem Papier.

Dass ein Abgang des angesehenen Leaders zu einem namhaften Top-Player des europäischen Fußballs damit für lange Zeit vom Tisch wäre, ist jedoch nicht gesagt und wird auch unter BVB-Fans längst noch nicht abgekauft. Grund dafür ist die vermeintliche Ausstiegsklausel im neuen Arbeitspapier des Starspielers. Schlotterbeck steht weiterhin auf dem Zettel vieler Spitzenklubs und gilt als weltweit bewunderter Abwehrrecke mit enormem Potenzial und eigenen ganz großen Ansprüchen.

Waldemar Anton und Nico Schlotterbeck
Waldemar Anton und Nico Schlotterbeck | picture alliance/GettyImages

Weitaus ruhiger verläuft der Hype um Waldemar Anton, den zweiten Top-Verteidiger in Kovacs Kader. Während der Fokus auf Schlotterbeck liegt, fliegt Anton in dessen Deckungsschatten nicht weniger erfolgreich mit und gehört zu den ganz großen Stabilisatoren und Leistungsträgern des BVB. Kein Wunder also, dass die Dortmunder seinen 2028 auslaufenden Vertrag verlängern und den 30-Jährigen langfristig an den Verein binden wollen.

Bei genauerem Nachdenken stellt sich jedoch auch die Frage, welcher der beiden Spieler für den BVB (aktuell) insgesamt die größere sportliche Bedeutung hat und selbst wenn man sich diese Frage noch nicht gestellt hat, lohnt sich ein genauerer Blick darauf.

Steile These: Anton ist für den BVB aktuell wichtiger als Schlotterbeck

Während Schlotterbeck den weitaus größeren Hype und Aufmerksamkeit auf sich zieht, als gefragter Starspieler ohnehin deutlich mehr im Fokus steht und zudem einen spektakuläreren Spielstil als sein Nebenmann pflegt, wirkt Anton bei genauerer Betrachtung insgesamt aber sogar wichtiger als Schlotterbeck. Das mag eine durchaus steile These sein, doch die Fakten lassen eben genau das vermuten.

Diese Annahme beruht jedoch nicht etwa darauf, dass Waldemar Anton erheblich mehr Qualität als Schlotterbeck mitbringen würde – insgesamt ist Schlotti vermutlich sogar deutlich talentierter als Anton und hat mit 26 Jahren auch noch deutlich mehr Luft nach oben und Entwicklungsspielraum als sein Teamkollege.

Doch was nützt all die Qualität, wenn sie nicht auf dem Platz steht? Und genau da kommt der springende Punkt der Frage auf. Betrachtet man nämlich den Zeitraum seit Waldemar Antons Wechsel zum BVB im Juli 2024, dann zeigt sich deutlich, dass Antons Fähigkeiten den Dortmundern deutlich häufiger zur Verfügung stehen als die des verletzungsgeplagten Schlotterbeck.

Nico Schlotterbeck wird häufig zum Sorgenkind beim BVB
Nico Schlotterbeck wird häufig zum Sorgenkind beim BVB | BSR Agency/GettyImages

Während Anton seit seiner Ankunft beim BVB 93 Pflichtspiele für die Borussen absolvierte, waren es bei Schlotterbeck im gleichen Zeitraum nur 76 – ganze 17 Spiele weniger. Überspitzt gesagt fehlte Schlotterbeck dem BVB seit Antons Ankunft vor zwei Jahren somit bereits eine halbe Bundesligasaison. Natürlich verteilt sich das Fehlen aber auf verschiedene Wettbewerbe.

Seit Waldemar Anton zum BVB kam, hat der leidgeprüfte Nico Schlotterbeck für Verein und Nationalelf bis heute bereits 35 Pflichtspiele verpasst. Bei Anton waren es im selben Zeitraum nur 13 Spiele.

Noch brisanter wird es, wenn man besondere Phasen der Saison betrachtet, in denen Schlotterbeck seinem Verein nicht weiterhelfen konnte.

Schlotterbeck fehlte regelmäßig in wichtigen Spielen und Saisonphasen

In der Vorsaison 2025/26 beispielsweise, als der BVB in der Zwischenrunde der Champions League gegen Atalanta Bergamo ausschied. Schlotterbeck laborierte in dieser Phase an muskulären Problemen, während Anton auf dem Platz stand.

In der Saison 2024/25 fehlte Schlotterbeck beim Champions-League-Aus im Viertelfinale gegen den FC Barcelona in Hin- und Rückspiel aufgrund einer Meniskusverletzung. Anton spielte beide Partien über die volle Distanz.

Mr. Zuverlässig beim BVB: Waldemar Anton
Mr. Zuverlässig beim BVB: Waldemar Anton | NurPhoto/GettyImages

Ebenfalls auffällig ist, dass Schlotterbeck im Saisonendspurt der Bundesliga-Spielzeit 2024/25 ab dem 28. Spieltag fehlte, den er wegen einer Gelbsperre verpasste, und anschließend aufgrund des besagten Meniskusrisses, kein Saisonspiel mehr bestritt. Anton hingegen spielte in dieser Phase alle Spiele über die vollen 90 Minuten und war fester Bestandteil des Teams, das mit sieben Siegen aus den letzten acht Spielen die anfängliche Katastrophensaison noch rettete und die Qualifikation für die Champions League sicherte.

In der Vorsaison 2025/26 absolvierte Waldemar Anton bis auf zwei Spiele, die er wegen einer Oberschenkelverletzung aussetzen musste, alle 32 Saisonspiele in der Bundesliga über die vollen 90 Minuten. Nico Schlotterbeck machte hingegen vier Spiele weniger als sein Mitstreiter und verpasste fünf der sechs Saisonspiele ohne seine Beteiligung aufgrund von Verletzungen. Einmal fehlte er wegen einer Gelbsperre.

Kleine Randnotiz: Waldemar Anton hat noch kein einziges Spiel des BVB aufgrund einer Gelb- oder Rotsperre verpasst. Im selben Zeitraum waren es bei Schlotterbeck sechs Spiele – zusätzlich zu den Verletzungen.

BVB-Pechvogel: Schlotterbeck bleibt vom Verletzungspech verfolgt

Auch in der noch jungen Spielzeit 2026/27 hat Schlotterbeck schon wieder massives Verletzungspech und kommt für den BVB erst auf 167 Pflichtspielminuten, während Waldemar Anton als zuverlässiger Stammspieler bereits 607 Spielminuten absolviert hat und seine Sache zu voller Zufriedenheit verrichtet.

Schlotterbeck hatte nach seiner Verletzung bei der WM 2026 ein nur recht kurzes Comeback, ehe er sich im DFB-Team während der jüngsten Länderspielpause erneut verletzte und der Abwehrchef schon wieder zum Zuschauen verdammt war.

Nico Schlotterbeck
Nico Schlotterbeck | Alexander Hassenstein/GettyImages

Es geht also keineswegs um eine Qualitätsfrage, wenn man diese beiden Leistungsträger vergleicht, sondern vielmehr um die regelmäßige Verfügbarkeit – auch in wichtigen Momenten der Saison. Und da hinkt Nico Schlotterbeck seinem Nebenmann leider hinterher.

Das Dilemma: Anton ist so wichtig, weil Schlotterbeck so häufig fehlt

Nico Schlotterbeck ist ein Spieler, der das Zeug zur Weltklasse hat. Würde der DFB-Star nicht regelmäßig vom Verletzungspech geplagt ausfallen, wäre er möglicherweise schon gar nicht mehr in Dortmund.

Seine enormen Qualitäten sind unbestritten und dass er den BVB besser macht, wenn er da ist, steht ebenfalls außer Frage. Doch gerade weil Schlotterbeck so oft ausfällt, ist die Bedeutung von Waldemar Anton beim BVB um einiges gestiegen und aus dieser Sichtweise betrachtet eine Nasenlänge am Dortmunder Kapitän vorbeigezogen.

Die Verlässlichkeit des 30-jährigen Ex-Stuttgarters ist daher besonders wertvoll. Hätte Dortmund keinen eigentlich immer fitten Anton in seinen Reihen, wäre es sicherlich umso schwieriger, die Flughöhe auf Strecke zu halten. Das würde auch den Transfermarktbedarf der Borussen erneut öffnen – auch weil mit Emre Can und Filippo Mane ja zwei weitere Innenverteidiger lange Ausfallzeiten haben.

Waldemar Anton ist der stille Leader des BVB
Waldemar Anton ist der stille Leader des BVB | Alexandre Simoes/GettyImages

Abschließend ist noch einmal wichtig zu betonen, dass es sich bei dieser Fragestellung nicht um die Qualität, sondern um die Zuverlässigkeit in puncto Verfügbarkeit handelt.

In diesem Punkt wirkt Anton im Vergleich zu Schlotterbeck deutlich stabiler. Das soll aber nicht in Stein gemeißelt sein und bleiben, denn auch über die Grenzen Dortmunds hinaus wünscht man sich in Fußball-Deutschland sehnlichst einen fitten und verletzungsfreien Nico Schlotterbeck. Das wurde zuletzt bei der WM deutlich und klar. Vielleicht schafft es der Dortmunder Abwehrchef ja künftig, sich das ganz große Verletzungspech vom Hals zu halten.

Denn eines ist klar: Die Qualitäten eines fitten und einsatzfähigen Nico Schlotterbeck würden in dieser Einschätzung ganz anders gewichtet werden und hätten massiven Einfluss auf den Erfolg von Borussia Dortmund. Ohne Verletzungen, wäre an der Wichtigkeit des Abwehrchefs nicht zu rütteln.


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