Die Spielzeit 2025/26 ist so gut wie in den Büchern und neben den ganz großen Entscheidungen über die zu vergebenden Titel im deutschen Fußball stehen nur noch die letzten Entscheidungen im Auf- und Abstiegskampf aus.
Zeit, sich auch mal den etwas im Verborgenen liegenden Themen zu widmen. Da stellt sich vor allem mit Blick auf den 1. FC Nürnberg die große Frage: Warum spricht eigentlich niemand über den Kult-Klub aus Franken?
Im Schatten anderer: Der FCN macht vieles richtig gut
Mit dem Ende dieser Saison hat auch FCN-Chefcoach Miroslav Klose sein zweites volles Jahr beim Club abgeschlossen. Die Entwicklung unter dem WM-Helden von 2014 ist beeindruckend – und erhält viel zu wenig Aufmerksamkeit. Der 47-Jährige hat den FCN zu einer soliden Mannschaft mit solider Entwicklung geformt, die sich auch von zahlreichen namhaften Abgängen nicht aus der Bahn werfen und in den Tabellenkeller zerren lässt.

Anlass genug, Klose und dem FCN einmal auf die Schulter zu klopfen. In beiden Spielzeiten unter dem Ex-Stürmer beendete Nürnberg eine Spielzeit in der 2. Bundesliga auf einem ansehnlichen Mittelfeldplatz und hatte immer wieder mal Phasen, in denen man das Gefühl hatte, dass der Club auch nochmal im Aufstiegsrennen angreifen könnte. Zunächst belegten die Franken in der Saison 2024/25 Rang zehn und verbesserten sich nun sogar auf Rang acht, obwohl sich der Verein immer wieder von seinen Leistungsträgern verabschieden musste.
Auch dieser Aspekt erhält viel zu wenig Aufmerksamkeit. Nürnberg hat sich zu einem der attraktivsten Ausbildungsverein Deutschlands entwickelt und damit seinen zuvor auferlegten Plan bislang sehr erfolgreich umgesetzt.
In den Top-fünf der teuersten Verkäufe der Vereinsgeschichte stehen Transfers aus den letzten beiden Spielzeiten unter Miro Klose enorm im Rampenlicht. Allein mit den drei Verkäufen von Stefanos Tzimas, Caspar Jander und Finn Jeltsch hat Nürnberg seit Kloses Ankunft 48 Millionen Euro eingenommen. Spieler, die unter Klose debütierten und einen rasanten Aufstieg erfuhren.

Caspar Jander entwickelte sich als ablösefreier Neuzugang des Drittligisten MSV Duisburg im Sommer 2024 im Eiltempo zum Shootingstar und katapultierte seinen Marktwert innerhalb eines Jahres unter Klose von einer auf zehn Millionen Euro. Nach nur einer Saison verkaufte der FCN Jander für zwölf Millionen Euro nach England zum FC Southampton.
Nicht weniger erfolgreich verlief die Entwicklung von Sturmjuwel Stefanos Tzimas, dessen Marktwert sich unter Klose von 1,8 Millionen auf 22 Millionen Euro steigerte. Der Grieche erzielte unter seinem Mentor in Nürnberg zwölf Tore in 24 Ligaspielen.

Welche großen Aufsteiger Nürnberg in diesem Sommer noch zu viel Geld macht, ist unklar. Die Entwicklung weiterer Shootingstars wie Berkay Yilmaz, der vom SC Freiburg ausgeliehen war und seinen Marktwert unter Klose von 500.000 auf fünf Millionen Euro gesteigert hat, Fabio Gruber, der sich vom Transfer aus der 3. Liga in Windeseile zum Kapitän gemausert hat, Rafael Lubach, der für 80.000 Euro vom BVB kam und mittlerweile einen Marktwert von 3,5 Millionen Euro hat, oder Torwart Jan Reichert, der sich zum sicheren Rückhalt entwickelt hat, spricht jedoch Bände.
Der 1. FC Nürnberg ist mittlerweile eine attraktive Adresse für Talente, die ihrer Karriere einen ambitionierten Schub verleihen wollen. Das wissen auch die Bundesligaklubs (siehe Yilmaz und Freiburg) und das zeigt sich auch daran, dass sich der heiß begehrte U17-Weltmeister Justin von der Hitz beispielsweise gegen einen Verbleib beim 1. FC Köln und für einen Wechsel nach Nürnberg entschieden hatte. Ebenso, dass der FC Bayern München sein Talent Javier Fernández zum Weiterreifen etwas weiter nördlich nach Franken geschickt hat.
Der Club spielt solide
Ein weiterer Beweis dafür, dass die Entwicklung des FCN unter Miroslav Klose auf einem beeindruckenden Weg ist, ist die Tordifferenz nach Saisonende. In beiden Spielzeiten unter Klose war diese nämlich positiv. Das letzte Mal, dass der Club zwei aufeinanderfolgende Spielzeiten mit einem positiven Torverhältnis abschloss, liegt bereits einige Jahre zurück und datiert aus der Zeit von 1999 bis 2001. Damals stieg Nürnberg im zweiten Jahr unter dem damaligen Cheftrainer Klaus Augenthaler sogar in die Bundesliga auf.

Nach zwei Jahren Miro Klose ist die Entwicklung der Franken solide und sie schreiten im Schatten anderer Klubs still und heimlich weiter voran. Dennoch verdient sie großes Lob und möglicherweise auch etwas mehr Aufmerksamkeit.
Es ist nicht auszuschließen, dass der FCN in absehbarer Zeit vielleicht auch wieder unter den Top-drei der 2. Liga landet und ernsthafte Aufstiegschancen hat. Dafür müsste Klose aber wohl auch Mal einen längeren Zeitraum mit einem festen Kern arbeiten können und nicht nach jedem Sommer die großen Leistungsträger verlieren. Gerade aus diesem Gesichtspunkt betrachtet ist der konstante Weg bergauf des 1. FC Nürnberg vielleicht besonders beachtenswert.
FCN-Zukunft rosig? Die Jugendarbeit liefert
Auch im Unterbau des Vereins ist der Erfolg groß: Die U23 des FCN wurde erstmals Meister der Regionalliga Bayern. Da die Franken wie die SpVgg Unterhaching jedoch keine Lizenz für die 3. Liga beantragt haben, bleiben sie auch weiterhin in der höchsten Spielklasse des Bundeslandes. Die Aufstiegsspiele erhielten deshalb die Würzburger Kickers. Doch damit nicht genug.
Die U14 gewann unter dem Trainerteam um Club-Legende Enrico Valentini und Co-Trainer Alex Zeltner die Meisterschaft in der DFB-Nachwuchsliga und ließ den Nachwuchs des FC Bayern hinter sich. Zudem holte man sich ein bedeutendes internationales Turnier mit Teilnehmern aus Deutschland, England, Österreich und Dänemark und blieb über das gesamte Turnier ungeschlagen.

Und wer immer noch nicht davon überzeugt ist, dass der 1. FC Nürnberg mehr Aufmerksamkeit verdient, sollte einen Blick in den deutschen WM-Kader werfen. Mit dem gebürtigen Nürnberger Jamie Leweling und Nathaniel Brown stehen dort zwei ehemalige Nachwuchskicker der Franken, die als Hoffnungsträger gelten und ihr Ticket für die WM 2026 erhielten. Brown wird mittlerweile sogar mit einem Transfer zum FC Bayern in Verbindung gebracht.
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