Undav und Leweling liefern große Show ab: So hoch sind die WM-Chancen der VfB-Stars
Von Dominik Hager

Betrachtet man den DFB-Kader bei den letzten Länderspielen im Jahr 2025, könnte man meinen, dass Julian Nagelsmann seine letzte Portion Spätzle nicht geschmeckt hat. Trotz zahlreicher Optionen nominierte der Bundestrainer mit Alexander Nübel und Jamie Leweling nur zwei Akteure des VfB Stuttgart. Äußerst sparsam, dabei wirft man das doch eigentlich den Schwaben vor.
Nicht ohne Grund machte sich Enttäuschung und auch ein wenig Unverständnis beim VfB breit. Beim jüngsten 4:1-Erfolg der Stuttgarter in Leverkusen konnten einige Stars aber ein fettes Achtungszeichen senden. Bezeichnend: DFB-Sportdirektor Rudi Völler geriet im Doppelpass auf Sport1 regelrecht ins Schwärmen.
"Die ersten 20, 25 Minuten waren außergewöhnlich. Das haben wir schon im Top-Jahr von Leverkusen vor zwei Jahren gesehen. Da waren die Stuttgarter die einzigen, die auf Augenhöhe gespielt haben", lobte Völler.
"Es ist ein gutes Zeichen. Wichtig ist, die Form und die Leistung beizubehalten. Bei den nächsten Länderspiel-Phasen wird sich dann auch herauskristallisieren, wer dabei sein wird", erklärte er in Bezug auf die WM 2026.
Doch wie stehen die Chancen der VfB-Spieler jetzt wirklich? Wir sehen uns die Kandidaten im Detail an.
7. Chris Führich
Chris Führich kam im November 2024 zum letzten Mal im DFB-Team zum Einsatz. 2025 war der Flügelspieler außen vor, weil er nicht an seine starke Saison 2023/24 anschließen konnte. Auch in der laufenden Saison ist Führich beim VfB nicht gesetzt, wenngleich die Formkurve zuletzt leicht nach oben ging. In der laufenden Bundesliga-Saison verzeichnet er fünf Torbeteiligungen. Führich bräuchte schon ein kleines Wunder, um auf den WM-Zug aufspringen zu können.
WM-Chance: 5 Prozent
6. Jeff Chabot
Chabot ist die Konstante in der manchmal etwas wild zusammengewürfelten VfB-Hintermannschaft. Der 27-Jährige überzeugt mit seinem guten Stellungsspiel und seinen starken Zweikampfwerten. Tatsächlich gewinnt er knapp 69 Prozent seiner Duelle und ist zudem kopfballstark.
Allerdings fehlt es Chabot etwas an Schnelligkeit und auch im Spielaufbau ist er keine absolute Offenbarung. Dadurch dürfte es schwierig werden, zumal die Konkurrenz recht groß ist.
WM-Chance: 5 Prozent
5. Deniz Undav
Deniz Undav ist wieder in der Erfolgsspur, nachdem die Saison für ihn so schwer begonnen hatte. Nach einer Formkrise und Verletzungspause knipste der Offensiv-Star erst am achten Bundesliga-Spieltag das erste Mal. Inzwischen steht der 29-Jährige bei neun Toren und zwei Assists. Wettbewerbsübergreifend verzeichnet Undav gar 16 Scorer.
Mit seinem Gala-Auftritt gegen Leverkusen (ein Tor und zwei Assists) hat er ein mächtiges Ausrufezeichen gesetzt. Jan Åge Fjørtoft lobte Undav im Doppelpass als "Ausnahmespieler", während Stefan Effenberg seinen Assist auf Leweling als "Weltklasse-Pass" bezeichnete. Völler gefiel hingegen vor allem dessen "Ruhe vor dem Tor".
Undav agiert manchmal wie ein Phantom, hat aber die Fähigkeit, ein echter Unterschiedsspieler zu sein. Angesichts seiner grandiosen Zahlen müsste ein WM-Platz in greifbarer Nähe sein. In Wirklichkeit ist die Konstellation aber schwierig, weil Undav kein klarer Neuner ist und mit Jamal Musiala, Kai Havertz und Florian Wirtz sehr gute Zehner zur Verfügung stehen.
Hält Undav sein Niveau, sind die Chancen wohl schon ganz gut, lässt er hingegen ein paar Prozent nach, blickt er vermutlich in die Röhre.
WM-Chance: 50 Prozent
4. Maximilian Mittelstädt
Für Maximilian Mittelstädt endete das Länderspiel-Jahr 2025 mit zwei heftigen Enttäuschungen. Der Linksverteidiger wurde weder im Oktober noch im November nominiert, da Nathaniel Brown und David Raum den Vorzug bekamen.
Die Situation ist eben, dass Deutschland drei Linksverteidiger hat, die zwar nicht überragend sind, aber doch auf einem guten Niveau agieren. Mit acht Pflichtspiel-Scorern spielt Mittelstädt in der laufenden Saison insbesondere in Bezug auf seine Offensiv-Performance sehr stark. Mittelstädt hat zudem eine Leader-Rolle inne und ist sehr verlässlich.
Viele dieser Fakten treffen aber auch auf David Raum und Youngster Nathaniel Brown zu. Letztlich wäre es gleichermaßen gerechtfertigt, Mittelstädt in die Startelf zu stellen oder eben nicht mal zu nominieren.
Möglicherweise beruft Nagelsmann alle drei Spieler in den vorläufigen Kader und entscheidet dann je nach Form.
WM-Chance: 55 Prozent
3. Jamie Leweling
Jamie Leweling hat zwar erst vier Länderspiele auf dem Konto, war in den letzten Länderspielphasen aber meist mit dabei. Der Stuttgarter hat eine ordentliche, aber nicht überragende Hinrunde gespielt, konnte nun mit seinen zwei Toren gegen Leverkusen aber ein deutliches Zeichen senden. Auch Völler meinte im Doppelpass anerkennend, dass er und Undav "schon sehr gut" seien.
Unter dem Strich kommt Leweling in der laufenden Saison auf 13 Torbeteiligungen in 25 Pflichtspielen. Stand jetzt könnte das für eine Nominierung reichen, jedoch ist die Situation auf dem Flügel überhaupt nicht vorhersehbar. Was wird aus den Routiniers Serge Gnabry und Leroy Sané? Wie schlagen sich die Youngster Lennart Karl und Said El Mala in der Rückrunde? Mit Kai Havertz und Jamal Musiala sollten weitere Offensiv-Stars nach Verletzung zurückkehren.
Leweling ist ein verlässlicher Spieler, dürfte aber auch ein klein wenig darauf angewiesen sein, dass bei seinen direkten Konkurrenten nicht alles zu 100 Prozent nach Plan läuft.
WM-Chance: 55 Prozent
2. Angelo Stiller
Über kaum eine Nichtnominierung wurde im November 2025 so heftig diskutiert wie über jene von Angelo Stiller. Der Mittelfeld-Mann der Schwaben kam zwar nicht optimal in die Saison hinein, wurde aber binnen kürzester Zeit wieder zum Leistungsträger.
Stiller ist beim VfB Stuttgart der absolute Taktgeber im Mittelfeld und der Ausgangspunkt vieler Tore. Der ein oder andere Fehler war in der laufenden Saison zwar auch dabei, jedoch gehört der 24-Jährige eigentlich schon in die Nationalmannschaft.
Das Problem von Stiller ist lediglich die Tatsache, dass er ein ähnlicher Spielertyp wie Aleksandar Pavlovic und Joshua Kimmich ist. Athletischere Spielertypen wie ein Felix Nmecha haben deswegen einen kleinen Vorteil. Nun gilt es aber ohnehin noch abzuwarten, ob Kimmich im Mittelfeld oder rechts hinten spielen soll.
Gegebenenfalls könnte es für Stiller sogar noch um die DFB-Startelf gehen. Umso wichtiger wäre es für den VfB-Star, eine gute Rückrunde zu spielen. Es kann alles passieren, im Negativen, wie im Positiven.
WM-Chance: 65 Prozent
1. Alexander Nübel
Alexander Nübel wird sich damit abfinden müssen, nicht als Nummer eins zur WM zu fahren. Oliver Baumann ist als Sieger aus dem einst engen Duell hervorgegangen. Nübel spielt beim VfB keine so richtig gute Saison und hat schon einige Fehler gemacht. Auf der anderen Seite waren zwar auch einige starke Partien dabei, jedoch sind die Leistungen nicht gut genug, um am Thron von Baumann zu rütteln.
Die Chance, beim Turnier dabei zu sein, sind ziemlich groß, hängen aber mit der ein oder anderen ungewissen Personalie zusammen. Gelingt Marc-André ter Stegen das Comeback, würde Nübel auf Position drei rücken. Zudem wären da auch noch die Diskussionen um Neuer, der aber wohl tatsächlich nicht dabei sein wird.
Mit Noah Atubolu gibt es noch einen gefährlichen Herausforderer und auch andere Keeper könnten noch ins Rennen eingreifen. Unter dem Strich müsste Nübel aber schon viel Pech haben, um komplett rauszufallen, da vielleicht sogar vier Keeper mitfahren.
WM-Chance: 80 Prozent
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