Der FC Bayern steht vor der schweren Herausforderung, nach dem 4:5 im Halbfinal-Hinspiel in Paris doch noch das Final-Ticket für die Champions League zu holen. Nach der Großrotation bei der Generalprobe gegen Heidenheim (3:3) wird Vincent Kompany wieder seine beste Elf an den Start bringen. Mit Lennart Karl und Tom Bischof kehren im Vergleich zum Hinspiel zudem zwei Spieler wieder zurück.
Die meisten Plätze im Bayern-Team sind vergeben, jedoch gibt es zwei Positionen, auf denen noch unklar ist, wer das Vertrauen von Kompany erhält. Jeweils drei Spieler kämpfen hier um die Plätze in der Startelf.
Außenverteidigung: Laimer vs. Davies vs. Stanisic
Im Hinspiel hat Kompany etwas überraschend auf das Duo Stanisic & Davies gesetzt und Laimer bis zur Pause außen vor gelassen. Die Wahrscheinlichkeit ist aber relativ groß, dass Laimer in die Startelf zurückkehren wird. Wenn man die gesamte Saison zusammenfasst, ist der Österreicher der stärkste und konstanteste Außenverteidiger der Bayern.
Stellt sich aber noch die Frage, ob Stanisic oder Davies den zweiten Posten übernehmen. Gegen den Kroaten spricht seine relativ schwache Vorstellung im Hinspiel. Stanisic hatte mit Khvicha Kvaratskhelia seine liebe Mühe und war bei einem Gegentor der Hauptverantwortliche. Auch offensiv kam von ihm wenig. Alphonso Davies hat hingegen eigentlich sehr ordentlich gespielt, ehe das unglückliche Handspiel den Gesamteindruck trübte.
Nun ist jedoch die Wahrscheinlichkeit größer, dass Stanisic erneut mit Kvaratskhelia Probleme bekäme als dass Davies einen weiteren Handelfmeter verursacht.
Es gibt einige Komponenten, die ebenfalls für Davies sprechen. Bedenken muss man beispielsweise die Verletzung von Achraf Hakimi. Diese hat die Folge, dass mit Warren Zaïre-Emery ein zentraler Mittelfeldspieler hinten rechts verteidigt. Folgerichtig wäre es sinnvoll, hier mit Davies einen offensivstarken Außenverteidiger zu bringen, der den jungen Franzosen gemeinsam mit Diaz mal so richtig auf den Prüfstand stellen kann.
Laimer könnte das zwar ebenso machen, jedoch ist es auch wertvoll, diesen auf rechts spielen zu lassen. Von allen Bayern-Verteidigern harmoniert Laimer am besten mit Michael Olise, der auf diese Weise noch mehr zur Waffe werden kann.
Für Davies im Vergleich zu Stanisic spricht auch, dass sein Tempo sogar noch wichtiger werden dürfte als im Hinspiel. PSG wird wohl die Bayern kommen lassen und sich mehr auf schnelle Konter fokussieren. Genau in diesen Situationen braucht man die Extra-PS von Davies.
Mittelfeld: Pavlovic vs. Goretzka vs. Musiala
Die Bayern kassierten zuletzt zahlreiche Gegentore, was neben der Positionierung der Außenverteidiger auch an der zu großen Durchlässigkeit im Mittelfeld lag. Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic sind keine Athleten vor dem Herrn und haben bei Umschaltaktionen ihre Probleme. Folgerichtig könnte es sich lohnen, sich die Idee durch den Kopf zu gehen, Leon Goretzka aufzustellen.
Mario Basler schlug im Doppelpass vor, Goretzka anstelle von Pavlovic aufzustellen. Klar, der Routinier hat gegen Heidenheim auf sich aufmerksam gemacht und ist der athletischere Spieler im Vergleich zu Pavlovic. Dies kann bei schellen Gegenzügen durchaus einen positiven Affekt haben. Wirft man jedoch einen Blick auf die Statistiken, sieht man keinen wirklichen Vorteil durch eine Goretzka-Aufstellung.
Zwar ist er in der laufenden Champions-League-Saison in Sachen Zweikampfstärke einen Ticken besser (50 Prozent zu 47,5 Prozent), jedoch Pavlovic dafür in fast allen anderen Defensiv-Parametern, seien es abgefangene Bälle, Tacklings oder klärende Aktionen mindestens auf Augenhöhe. Es ist also nicht so, als würde mit Goretzka plötzlich das absolute Defensiv-Monster auf dem Platz stehen. Bedenkt man nun, dass Pavlovic im Spiel mit dem Ball eklatant stärker als Goretzka ist und die Bayern viel Ballbesitz haben werden, macht es keinen Sinn, Pavlovic draußen zu lassen. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass sich Kompany überraschend gegen den Youngster entscheidet.
Realistischer erscheint da schon, dass Goretzka für Musiala in die Startelf rückt. Der 23-Jährige ist noch nicht in absoluter Topform und man könnte auch meinen, dass Luis Diaz, Michael Olise und Harry Kane zu dritt für ausreichend Gefahr sorgen können. Dies würde dafür sprechen, den defensivstärkeren Goretzka für Musiala zu bringen. Noch dazu kommt die Tatsache, dass auch Goretzka Torgefahr ausstrahlen kann, selbst wenn man die beiden Treffer gegen Heidenheim jetzt nicht überbewerten sollte.
Ein weiterer Vorteil wäre es, mit Jamal Musiala noch eine zusätzliche offensive Option von der Bank zu haben. Dies könnte gegen konditionell wohl nicht top aufgelegte Pariser im entscheidenden Moment zum Vorteil werden. Man darf nicht vergessen, dass das Spiel über 120 Minuten gehen kann und man sonst nur Nicolas Jackson und den noch nicht ganz fitten Lennart Karl als offensive Joker hätte.
Es gibt allerdings auch zwei ziemlich starke Gründe dafür, warum Kompany von Goretzka in der Startelf absehen sollte. Zum einen gilt, dass Goretzka überhaupt kein Zehner ist. Wann immer er - egal ob im Klub oder im DFB-Team - in dieser Rolle zum Einsatz kam, wirkte er mehr oder weniger verloren. Letztlich erfolgt immer die gleiche Bewegung in die Box, die aber ausrechenbar ist, wenn er ohnehin offensiv positioniert ist. Zudem fehlt ihm für einen Zehner einfach die Handlungsschnelligkeit am Ball und die Kreativität. Gegen ein wohl recht tief stehendes Paris ist Goretzka in einer solchen Rolle vermutlich ziemlich auf verlorenem Posten.
Zwar könnte man Goretzka auch auf der Achter-Position bringen, was seine stärkere Position ist, jedoch müsste Kompany dann das System umstellen. Dies ist allerdings wenig ratsam, weil die Bayern das ganze Jahr über im 4-2-3-1-System gespielt und die Abläufe verinnerlicht haben. Schon viele Trainer haben in großen Spielen plötzlich die gewohnte Taktik über Bord geworfen, geklappt hat es allerdings fast nie. Kompany sollte also davon absehen, plötzlich in einem 4-3-3-System zu spielen.
Letztlich wird das vermutlich auch nicht passieren. Unter anderem Joshua Kimmich hat auch schon nach dem Heidenheim-Spiel angemerkt, dass man an der taktischen Ausrichtung nichts verändern sollte und seinem Stil treu bleiben wird. Zwar würden die Bayern defensiv im 4-3-3 vielleicht einen Ticken besser stehen, jedoch benötigt es natürlich auch Tore. Vergessen wir nicht, dass die Bayern aktuell mit einem Tor hinten sind.
Wenn Kompany Goretzka bringt, dann wohl tatsächlich als Zehner, im Endeffekt ist aber eher mit Musiala zu rechnen, der fußballerisch auf dieser Position einfach mehr zu bieten hat.
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