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Trotz wachsender Zweifel: Darum sollte Köln an Wagner festhalten

Der 1. FC Köln hat den Klassenerhalt praktisch sicher. Trotz durchwachsener Punkteausbeute sollte René Wagner auch über die Saison hinaus das Vertrauen bekommen.
Die Zukunft von René Wagner ist noch ungewiss
Die Zukunft von René Wagner ist noch ungewiss | picture alliance/GettyImages

Obwohl der 1. FC Köln auch in dieser Saison wieder die Reißleine zog und Trainer Lukas Kwasniok aufgrund ausbleibender Ergebnisse entließ, verzichteten die Verantwortlichen dieses Mal auf einen Feuerwehrmann à la Friedhelm Funkel. Stattdessen bekam ein noch relativ unerfahrener Mann aus den eigenen Reihen das Vertrauen: René Wagner, der in seiner jungen Trainerkarriere bislang nur Erfahrung als Assistent sammelte, wurde ins kalte Wasser geworfen.

Zu Beginn sah es so aus, als hätte der 37-Jährige sofort das Schwimmen gelernt. Der Effzeh holte bei seinem Debüt als Chefcoach einen 0:2-Rückstand gegen Eintracht Frankfurt noch zu einem 2:2 auf, ehe eine Woche später beim Heimsieg gegen Werder Bremen der Befreiungsschlag gelang. Doch der 3:1-Sieg im Duell mit dem direkten Konkurrenten sollte rund drei Wochen später der einzige Sieg bleiben.

Bei St. Pauli holten die Kölner immerhin spät einen überlebenswichtigen Punkt zum 1:1, gegen Bayer 04 Leverkusen gab es trotz guter Leistung eine 1:2-Niederlage. Ein Muster, das den Effzeh-Fans aus der jüngeren Vergangenheit bekannt vorkommen dürfte. Denn auch unter Kwasniok hielten die Kölner eigentlich immer gut mit, waren auch gegen individuell stärkere Teams mindestens auf Augenhöhe, belohnten sich aber zu selten mit Punkten.

Wagner mit Kwasniok zu vergleichen, ist nicht fair

Dass es nun auch bei Union Berlin - diesmal trotz eigener 2:0-Führung - nicht zu drei Punkten reichte, sorgte trotz des praktisch feststehenden Klassenerhalts für Enttäuschung. Vor allem, weil sich die Punkteausbeute im Vergleich zu Kwasnioks Amtszeit nicht so verbessert hat, wie es sich die meisten vorgestellt haben. Noch dazu hatte Wagner mit einem missglückten Dreifachwechsel eine Teilschuld an der gefühlten Niederlage an der Alten Försterei. Klar ist: Die Zweifel daran, dass Wagner der richtige Mann für den Effzeh ist, wachsen.

Die Berichte häufen sich, dass der zunächst nur bis Sommer gültige Vertrag von Wagner womöglich nicht verlängert und im Sommer ein neuer Trainer an der Seitenlinie stehen wird. Angesichts der Kontinuität, nach der am Geißbockheim seit Jahren mit überschaubarem Erfolg gestrebt wird, wäre das der nächste Rückschritt für den Verein – und gegenüber Wagner unfair.

Der junge Coach hätte eine gesamte Sommervorbereitung verdient, um seine eigene Spielidee zu implementieren. Bislang verzichtete Wagner bewusst darauf, nach dem Trainerwechsel mitten im Saisonendspurt alles umzuwerfen, da Kwasniok eine intakte Mannschaft hinterlassen hatte. Somit ist es nicht verwunderlich, dass sich die Punkteausbeute in den vergangenen Wochen nicht wirklich verbessert hat. Schließlich kann mit einem neuen Trainer nicht alles auf Knopfdruck besser werden, auch wenn die Feuerwehrmänner dieser Welt wie Friedhelm Funkel einen das manchmal glauben lassen.

Auch Toppmöller und Blessin wären ein Risiko

Die Skeptiker werden behaupten, dass es ein zu großes Risiko wäre, an Wagner festzuhalten. Doch die Frage lautet: Bei welchem Trainer gäbe es kein Risiko? Bei Dino Toppmöller etwa, der in seiner Trainerkarriere bislang nur bei einer Station überzeugen konnte und ein Vielfaches des Gehalts von Wagner verlangen würde? Oder bei Alexander Blessin, dessen FC St. Pauli nach einer miserablen Rückrunde vor dem Abstieg steht?

Fakt ist: Wagner hat seine Aufgabe, den Effzeh in der Klasse zu halten, erfüllt - und damit eine faire Chance verdient.


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