Pro & Kontra zur Gnabry-Verlängerung: Zu teurer Back Up oder wichtiger Leader?
Von Dominik Hager

Der FC Bayern hat den Vertrag mit Serge Gnabry bis 2028 verlängert. Damit ist ein ablösefreier Abgang im Sommer – wie es bei Leon Goretzka der Fall sein wird – vom Tisch. Doch haben die Münchner Verantwortlichen mit der Gnabry-Verlängerung die richtige Entscheidung getroffen?
Wir sehen uns die Vor- und Nachteile der Verlängerung an:
Pro: Gnabry ist der perfekte Back Up
Der FC Bayern ist in der Offensive herausragend aufgestellt. Mit Michael Olise, Jamal Musiala und Luis Diaz stehen gleich drei absolute Top-Spieler im Kader, die hinter Harry Kane zaubern können. Hinzu kommt Lennart Karl als aufstrebendes Supertalent, der möglichst viel Spielzeit bekommen soll. Es würde folgerichtig überhaupt keinen Sinn machen, einen weiteren Top-Star zu holen oder ein weiteres Talent, welches sich mit Karl um die erste Back-Up-Rolle streitet.
Gnabry ist als vierte oder fünfte Option schlichtweg der passende Mann. Der 30-Jährige kennt den Verein, bringt Erfahrung mit, weiß wo das Tor steht und auch, wie man als Bayern-Profi gegen den Ball arbeiten muss. Hinzu kommt, dass er keinen Ärger macht, wenn er mal nicht von Beginn an spielt und verlässliche Leistungen zeigt, wenn er von der Bank kommt. Was kann man sich mehr von einem Rotationsspieler oder Back Up wünschen?
Kontra: Gehalt
Zwar sinkt das Gehalt von Serge Gnabry Medienberichten zufolge von 18 auf 15 bis 16 Millionen Euro, jedoch ist das – wenn zutreffend – noch immer verdammt viel Kohle. Immerhin ist davon auszugehen, dass Gnabry in den kommenden beiden Jahren eher nicht zu den Stammspielern zählen wird.
Natürlich gilt es zu bedenken, dass die Bayern zumindest keine Ablöse bezahlen müssen, jedoch wirkt das Gehalt für die Rolle, die er voraussichtlich einnehmen wird, sehr hoch. Es gäbe gewiss interessante Back Ups, die nur gut die Hälfte vom Gnabry-Gehalt verlangt hätten.
Eigentlich sollten beim FC Bayern nur die absoluten Leistungsträger so hohe Gehälter erhalten. Mit der Gnabry-Verlängerung geht man wieder einen Schritt in die andere Richtung.
Pro: Gnabry ist wichtig in der Kabine
Serge Gnabry gehört zu den dienstältesten Bayern-Spielern im Kader und hat im Verlauf der Jahre gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Inzwischen stellt sich der 30-Jährige auch unangenehmen Fragen neben dem Platz. Viel wichtiger ist aber, dass Gnabry bei seinen Kollegen sehr beliebt sein soll. Der Offensiv-Star versteht sich mit allen gut, fungiert als Kommunikator und ist wichtig für den Zusammenhalt. Nach dem Abschied von Thomas Müller sind solche Fähigkeiten gefragter denn je. Nicht umsonst wurde er von Vincent Kompany, Max Eberl und Christoph Freund häufig gelobt.
Im Sommer besteht zudem die Möglichkeit, dass Manuel Neuer seine Handschuhe an den Nagel hängt. Ohne den langjährigen Kapitän würde die Rolle von Gnabry in der Kabine noch wichtiger werden. Ein Team braucht schließlich auch eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern.
Kontra: Typische Leistungssteigerung vor Vertragsende?
Es ist keine Seltenheit, dass Spieler besser performen, wenn der Vertrag ausläuft. Bei Gnabry ist gewissermaßen genau das der Fall. Nach enttäuschenden Spielzeiten hat sich der Routinier deutlich formverbessert gezeigt. Hierbei sei jedoch angemerkt, dass Gnabry zuvor auch mit einem privaten Schicksalsschlag zu kämpfen gehabt haben soll, über den jedoch keine Details bekannt sind.
Nun stellt sich natürlich die Frage, ob Gnabry für einen neuen Vertrag besonders viel Gas gegeben hat und es im Anschluss wieder ein wenig schleifen lässt oder er weiter seine Performance hochhält. Eine Sicherheit hat der FC Bayern hier allerdings nicht.
Pro: Gnabry-Abgang wäre ablösefrei gewesen
Es ist nicht bekannt, ob der Rekordmeister eine Signing Fee für Gnabry zahlt, jedoch ist eher nicht davon auszugehen. Folgerichtig wäre es nicht wirklich attraktiv gewesen, Gnabry einfach so ablösefrei zu verlieren. Auf der anderen Seite hätte ein Ersatz schließlich ordentlich Ablöse gekostet. Insbesondere im Offensivbereich ist der Markt ziemlich überhitzt. Die Kosten, die Bayern für die Leihe von Nicolas Jackson zu bezahlen hat, zeigen das nur zu gut. Ob die Münchner in der Zukunft noch einen Cent Ablöse für Gnabry kassieren, sei allerdings mal dahingestellt.
Kontra: Gnabry ist verletzungsanfällig
Wichtig wäre, dass Gnabry nicht von zu vielen Verletzungen zurückgeworfen wird. Genau diese nehmen ihm nämlich immer wieder die Fitness. Mit seinen 30 Jahren ist Gnabry natürlich in einem Alter, in dem sich diese eher mehren als reduzieren. Immer wieder hatte der erfahrene Flügelstürmer mit muskulären Verletzungen zu tun. Seine Verfügbarkeit ist folgerichtig auch nicht so hoch, wie bei manch anderem Spieler im Kader.
Fazit:
Unter dem Strich sind die Argumente pro Gnabry dann doch die stärkeren. Der 30-Jährige ist ein Top-Kaderspieler für die Offensive, der alle Positionen abdecken und gut performen kann. Zudem kennt er den FC Bayern perfekt und ist in der Kabine wichtig.
Zwar kassiert er für seine wohl angedachte Rolle wohl weiterhin zu viel Gehalt, jedoch ist die Verlängerung wirtschaftlich dennoch besser als ein ablösefreier Verlust und der Kauf eines teuren Neuzugangs. Bleibt nur zu hoffen, dass Gnabry nicht von zu vielen Verletzungen heimgesucht wird und weiterhin mit Elan bei der Sache ist.
Weitere Bayern-News lesen:
feed