Prestianni nach Rassismus-Eklat gesperrt: Klub-Präsident übt scharfe Kritik
Von Dominik Hager

Die Sperre von Gianluca Prestianni ist der Aufreger schlechthin vor dem Rückspiel in den Champions-League-Playoffs zwischen Real Madrid und Benfica SL. Die UEFA hatte den jungen Argentinier vorläufig für das Spiel am Mittwochabend gesperrt, nachdem es im Hinspiel zu einer Auseinandersetzung zwischen ihm und Real-Star Vinicius Junior gekommen war.
Es steht der Vorwurf im Raum, dass Prestianni den Brasilianer rassistisch beleidigt habe, jedoch wird dieser weiterhin untersucht und ist nicht bestätigt. Dem Benfica-Spieler droht im Nachgang noch eine wesentlich längere Sperre. Die FIFA möchte sich zu gegebener Zeit dazu äußern.
Rui Costa stärkt Prestianni den Rücken: "Wir glauben unserem Spieler"
Prestianni selbst bestreitet die Vorwürfe und erhält öffentliche Rückendeckung aus der Klub-Spitze. Präsident Rui Costa betonte im Rahmen der PK mehrfach, dass der 20-Jährige kein Rassist sei. "Wir glauben unserem Spieler, und darüber hinaus kennen wir unsere Spieler. Prestianni wird als Rassist bezeichnet, aber er ist alles andere als das. Das kann ich garantieren", legte er seine Hand für den Spieler ins Feuer. Es sei eine "unangenehme Situation für den Verein und für den Spieler, der gekreuzigt wird".
Rui Costa ist der Meinung, dass Prestianni nicht nur ausgeteilt habe, sondern auch selbst einstecken musste - und derartiges beim Fußball schon mal vorkäme. "Auf dem Spielfeld gibt es oft Beleidigungen von beiden Seiten und sicherlich wurde auch Prestianni ziemlich beleidigt", meinte Rui Costa. Er hätte allerdings niemals zugelassen, dass ein "rassistischer Spieler einen Verein von der Größe Benficas vertritt, der in seiner Geschichte für alles steht, was antirassistisch ist".
Prestianni soll Vinicius als Affen bezeichnet haben
Zur Auseinandersetzung zwischen den beiden Spielern ist es gekommen, als Vinicius Junior seinen 1:0-Siegtreffer provozierend bejubelte und von Prestianni angegangen wurde. Der Benfica-Youngster soll den Real-Star mehrmals als Affen diffamiert haben. Dies war aber nicht eindeutig zu sehen, da er sich das Trikot über den Mund gezogen hatte. Unter anderem berichtete Kylian Mbappé von der Version der Geschichte. "Der Spieler hat Vini fünfmal als Affen bezeichnet. Dieser Kerl hat es nicht mehr verdient, in der Champions League zu spielen", so der Franzose nach dem Spiel.
Als Beweis sieht die Benfica-Seite das aber nicht an, weshalb Rui Costa die Sperre als "nicht gerechtfertigt" betitelte. "Wir sind der Meinung, dass nichts bewiesen ist. Er wird wegen Rassismus verurteilt, obwohl er kein Rassist ist. Und genau deshalb verdient er unsere Unterstützung", machte der Benfica-Präsident deutlich.
Benfica hat bereits am Montag Berufung gegen die vorläufige Sperre eingelegt, hat aber wohl nur schlechte Chancen auf Erfolg.
Courtois stellt sich hinter Vinicius und übt Kritik
Im Lager von Real Madrid sieht man die Sache ohnehin ganz anders. "Ich glaube Vini zu 100 Prozent. Er hat in der Vergangenheit nie einen gegnerischen Spieler mit Rassismusvorwürfen belegt. Er hat Prestianni das ganz sicher sagen hören, das hat er uns mehrmals versichert", betonte Real-Keeper Thibaut Courtois auf der Pressekonferenz.
Der Belgier kritisierte in diesem Zusammenhang auch Benfica-Coach Jose Mourinho deutlich. "Mourinho ist Mourinho, als Trainer verteidigt man immer seinen Verein und glaubt an seine Spieler. Aber eine Sache hat mich enttäuscht. Mourinho benutzte Vinis Torjubel als Ausrede. Man kann Rassismus nicht mit einem Torjubel rechtfertigen", monierte er.
"Es war ein großartiges Tor, aber der Jubel war respektlos. Diese Dinge passieren immer wieder in den Stadien, in den Vinicius spielt", hatte Mourinho nach der Partie gesagt. Als er zuletzt im Rahmen einer PK auf seine Aussage angesprochen wurde, meinte er nur, nicht näher darauf eingehen zu wollen. Der Star-Coach wird das Rückspiel aufgrund einer Gelb-Roten Karte, die er sich in der hitzigen Schlussphase eingefangen hatte, wie Prestianni auf der Tribüne verfolgen müssen.
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