"Zweibahnstraße" beim HSV: Wie geht es mit Dieter Hecking weiter?

Bleibt Hecking auch 20/21 HSV-Trainer?
Bleibt Hecking auch 20/21 HSV-Trainer? / DeFodi Images/Getty Images
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Business as usual an der Elbe: Beim Hamburger Sport-Verein hängt der Haussegen schief. Nach den enttäuschenden Auftritten aus den letzten Wochen ist der Aufstieg - wenn überhaupt - nur noch durch die Relegation zu erreichen. Traditionell wird nun auch der Trainer in Frage gestellt.
Doch wie soll es am Volkspark weitergehen? In der BILD werden Details genannt.

Ein jeder HSV-Fan stand am vergangenen Sonntag um 17:19 Uhr wohl unter Schockstarre - der HSV verlor das Spiel gegen den FC Heidenheim in der letzten Sekunde und hat vor dem letzten Spieltag die ungünstigste Ausgangslage im Hinblick auf den Relegationsrang inne. Der direkte Aufstieg wurde mit der Niederlage an der Brenz ohnehin verspielt.

Fast schon HSV-typisch wurden nach dem Spiel die Forderungen nach einer Trainerentlassung laut. Doch Dieter Hecking spaltet die Anhängerschaft des HSV. Es scheint, als würden einige Fans den erfahrenen Übungsleiter gerne behalten wollen. Vor der Saison galt der 55-Jährige als Optimallösung - nach diesem Saisonendspurt bestehen jedoch berechtigte Zweifel.

Heckings Vertrag verlängert sich nur bei Aufstieg

10 Punkte aus den vergangenen 8 Spielen stehen zu Buche - ohne Nachspielzeit wären es 8 Zähler mehr gewesen. Die HSV-Bilanz nach der Corona-Pause ist mehr als mager. Kassiert wurden die Gegentore häufig nach dem selben Schema. In der 2. Halbzeit schwamm der HSV regelmäßig. Wie ein Aufsteiger wurde nur sehr selten agiert.

Entscheiden die Patzer über die Zukunft des Trainers?
Entscheiden die Patzer über die Zukunft des Trainers? / DeFodi Images/Getty Images

Dabei würde ein potenzieller Aufstieg den Vertrag von Dieter Hecking automatisch verlängern. Wenn die Rothosen am Ende dieser Spielzeit nicht in die Bundesliga zurückkehren, endet der Kontakt des Trainers. Eins ist klar: Um die Relegation noch erreichen zu können, muss am kommenden Sonntag alles stimmen. Der HSV empfängt Sandhausen und Heidenheim hat Bielefeld vor der Brust.

Eine Frage bleibt jedoch unabhängig vom Ausgang der kommenden Partie: Trainerwechsel oder Kontinuität? Ein "richtig" oder "falsch" gibt es wohl nicht.

Nachfolger werden bereits gehandelt

Kaum war der Schlusspfiff in Heidenheim ertönt, rankten sich die Gerüchte in den Medien schon um möglicher Nachfolger auf dem Trainerstuhl. In der BILD werden beispielsweise die Namen André Breitenreiter (ehem. Hannover 96), Tim Walter (ehem. VfB Stuttgart), Alfred Schreuder (ehem. Hoffenheim) und Dimitrios Grammozis (verlässt Darmstadt am Saisonende) genannt. Letzterer wurde Berichten der BILD zufolge kürzlich vom einflussreichen Hamburger Spielerberater Thies Bliemeister unter Vertrag genommen - Kontakte in die Hansestadt bestehen damit auf jeden Fall.

Verlässt Darmstadt nach einer guten Saison - Dimitrios Grammozis
Verlässt Darmstadt nach einer guten Saison - Dimitrios Grammozis / Sebastian Widmann/Getty Images

Doch ist eine neue Person an der Seitenlinie wirklich der Schlüssel zum lang ersehnten Erfolg? Immerhin geht dem HSV am Ende jeder Saison zunehmend die Puste aus. Sicherlich haben die Punktverluste auch taktische Gründe. Einen Mann zu finden, der über ähnliche Expertise und Erfahrung wie Hecking verfügt, wird allerdings sehr schwer. Sowohl alteingesessene, als auch junge Trainer konnten die Hanseaten nicht zurück in die Spur führen, wie die letzten Jahre schmerzhaft bewiesen.

Was sagt Hecking selbst?

Einen Tag nach der vernichtenden Niederlage in Heidenheim stellte sich Dieter Hecking der Presse und redete wie gewohnt Klartext. Allgemein könnte sich der Fußballlehrer vorstellen zu verlängern, was der 55-Jährige bereits in den vergangenen Monaten mehrfach betonte. Dafür seien jedoch gewisse Voraussetzungen - insbesondere bei der Kaderzusammenstellung - nötig.

"Von meiner Seite spricht nichts dagegen, hier auch in der 2. Liga weiterzumachen. Aber natürlich müssen gewisse Voraussetzungen auch in meinem Sinne erfüllt werden. Das ist keine Einbahnstraße, das ist so etwas wie eine Zweibahnstraße. Der Kontakt zwischen Sport-Vorstand und Chef-Trainer ist sehr eng. So wie es sein muss. Wir machen uns viele Gedanken. Wir analysieren die Ist-Situation. Egal wie die Saison ausgeht – was könnte nächstes Jahr sein?", so Hecking.

Auch Jonas Boldt stärkte dem Trainer gegenüber der BILD den Rücken: "Er bleibt der erste Ansprechpartner für die neue Saison." Eine Aussage, die in der heutigen Zeit aber nicht unbedingt viel bedeutet.

Kämpferisch gibt sich Dieter Hecking jedoch definitiv. Er sei kein Typ, der aufgibt, wenn etwas auf Anhieb nicht geklappt hätte. Zusätzlich müssten jedoch einige Parameter für eine weiterführende Zusammenarbeit gewährleistet sein. Signale, dass die Zeichen auf Trennung stehen, habe es auch nach der Niederlage vom vergangenen Sonntag nicht gegeben. Auch die Analyse der Gegenwart und Zukunft spiele für einen erfolgreichen Verbleib in Hamburg eine elementare Rolle, so Hecking zur BILD.

Letzte Chance Relegation

Gemessen wird die Leistung Heckings wohl Sonntagabend. Das Erreichen der Relegation wäre zumindest ein Teilerfolg, wenn auch ein schmeichelhafter. Nach Ende der Saison, sei es nächsten Sonntag oder am 6. Juli, wird im Volkspark final entschieden. Es bleibt zu hoffen, dass die Entscheidungen nicht voreilig getroffen werden.