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WM alle zwei Jahre: Auch Southgate regt eine Reform an - was macht die UEFA?

Christian Gaul
Gareth Southgate beschäftigt sich mit den Überlegungen
Gareth Southgate beschäftigt sich mit den Überlegungen / Catherine Ivill/Getty Images
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Englands Nationaltrainer Gareth Southgate spricht über die Vorschläge, alle zwei Jahre eine Weltmeisterschaft spielen zu lassen. Dabei will er die Spieler verstärkt ins Boot holen.


Ein Weltmeisterschaft alle zwei Jahre - diese Überlegungen kursieren derzeit bei der FIFA und vielen Mitgliedsverbänden. Nachdem 90min diese Thematik schon diskutierte, spricht jetzt auch Englands Nationaltrainer Gareth Southgate öffentlich über seine Gedanken zu dieser möglichen Neuerung im Weltfußball.

In erster Linie vermittelte ihm ein alter Bekannter, was genau hinter den Bestrebungen der FIFA steckt und inwiefern man gedenkt, diese umzusetzen. Zudem machte Southgate einen Vorschlag, der den Profis in dieser Debatte entgegenkommen sollte.

Spieler brauchen Mitspracherecht - Wenger vermittelt das Konzept gut

"Ich habe mich vor ein paar Wochen mit Arsene getroffen, er hat sich mit verschiedenen Trainern getroffen, also habe ich eine ziemlich gute Vorstellung von den Vorschlägen" sagte Southgate bei einer Pressekonferenz in dieser Woche (Quelle: 90plus.de).

Der ehemalige Star-Trainer Arsene Wenger beschrieb unlängst, wie der Ablauf aussehen könnte. "Stellen Sie sich das so vor: 2026 die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada; 2027 eine Europameisterschaft und die anderen Kontinental-Turniere. 2028 wieder eine Weltmeisterschaft - und so weiter", so Wenger nach Angaben des kicker.

Ähnliches wird er auch Southgate vermittelt haben, sodass der aktuelle Coach der Three Lions dem Thema nun sehr offen gegenüberstehe, wie auch Chaled Nahar berichtet.

Generell sei es für Southgate jedoch wichtig, dass die Spieler ein erhebliches Mitspracherecht in dieser Debatte beanspruchen sollten, um ihre Interessen zu vertreten. "Die Spielergewerkschaften könnten die Gedanken der Spieler zusammentragen", so der 51-Jährige.

Doch unabhängig von den auszuhandelnden Bedingungen für die Profis wird es auf ein Agreement zwischen dem Weltverband FIFA und dem europäischen Pendant UEFA hinauslaufen müssen, um tatsächlich diese Reform durchsetzen zu können.

UEFA muss einlenken, ansonsten droht die Eskalation

Auch hier sei es wieder kurz erwähnt: Die FIFA und die UEFA sind sich nur selten einig. In erster Linie streitet man sich jedoch nicht über die Ausrichtung des Sports oder die mögliche Überbelastung der Profis. Es geht wie zumeist um die eigene Geldbörse.

Denn Weltmeisterschaften spülen Unsummen in die Kassen der FIFA, während Kontinental-Turniere die Sparschweine der jeweiligen Kontinental-Verbände grunzen lassen.

Eine alle zwei Jahre ausgetragene Weltmeisterschaft würde die Einnahmen der FIFA also - vereinfacht gesagt - verdoppeln. Doch die UEFA ist seit einiger Zeit sehr bestrebt, ihr Konto durch die Produktion von neuen Formaten wie der UEFA Europa Conference League aufzuhübschen.

Während die ECL jedoch ein Klub-Wettbewerb ist, wird es der UEFA vielmehr um das bislang wenig Begeisterung verbreitende Format UEFA Nations League gehen.

UEFA Nations League Draw
Die Nations League wird der Streitpunkt sein / Robert Hradil/Getty Images

Denn sollte man tatsächlich Europa- und Weltmeisterschaften im jährlichen Wechsel anstreben, wird die Nations League definitiv aus dem Kalender fallen müssen.

Somit würde die UEFA zwar alle zwei Jahre die Einnahmen aus einer EM einstreichen, jedoch wäre der jetzige Status Quo Geschichte. Mit gleich zwei Länder-Turnieren - EM und Nations League - steht man doch gerade so wunderbar da - im Vergleich zur FIFA mit ihrem popeligen einen Turnier.

Wer die Streitereien zwischen den beiden Verbänden in den letzten Monaten und Jahren auch nur ansatzweise verfolgt hat, der wird erkennen, dass es oftmals Eitelkeiten und Interessen von Einzelpersonen sind, die ein harmonisches Miteinander kategorisch zu torpedieren versuchen.

Sollte man keine gemeinsame Lösung für diese angedachte Reform finden können, drohen absolut absurde Szenarien. Die UEFA könnte sich überlegen, innerhalb von vier Jahren nur eine WM zu akzeptieren.

Spieler, welche an der zweiten WM teilnehmen, könnten für die europäischen Klub-Wettbewerbe gesperrt werden - nur mal so als Idee. Sicherlich ist dabei die Kreativität der UEFA-Verantwortlichen bestenfalls angerissen.

Demnach muss die FIFA einen Konsens mit ihrer europäischen Schwester finden. Glücklicherweise kann man in diesem Geschäft sehr viele Unwägbarkeiten mit barer Münze beseitigen. Der ein oder andere TV-Rechte-Bonus wird sich da schon finden lassen.

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