Diskussion in Spanien: Wäre Gruppenplatz zwei besser für die K.o.-Runde?

Simon Zimmermann
Sané und Co. brauchen spanische Schützenhilfe
Sané und Co. brauchen spanische Schützenhilfe / BSR Agency/GettyImages
facebooktwitterreddit

Verweigert Spanien dem DFB-Team am letzten Gruppenspieltag Schützenhilfe, weil man mit einem zweiten Platz bessere Chancen in der K.o.-Phase sieht? Der Grund für diese Gedankengänge heißt Brasilien.


Am Donnerstag steigt der Showdown in Gruppe E. Dann entscheidet es sich, ob das DFB-Team nach 2018 zum zweiten Mal in Folge schon nach der WM-Gruppenphase nach Hause fahren muss. Oder ob doch noch der Einzug ins Achtelfinale gelingt.

In der eigenen Hand hat die deutsche Nationalmannschaft ihr sportliches Schicksal nicht mehr. Fest steht, es braucht einen Sieg gegen Costa Rica - am besten einen hohen. Und keinen Erfolg der Japaner im Duell mit Spanien. Es sei denn, Deutschland würde gegen Costa Rica höher gewinnen als die Iberer (was schwer wird, da Spanien mit 7:0 siegte).

"Die Gefahr für Spanien, Gruppenerster zu werden"

Kurzum: Deutschland braucht spanische Schützenhilfe. Die Beteiligten beim Weltmeister von 2010 haben auch bereits öffentlich angekündigt, gegen Japan auf Sieg spielen zu wollen. In der Heimat wird dagegen heftig darüber diskutiert, ob das überhaupt gut wäre.

"Die Gefahr für Spanien, Gruppenerster zu werden", titelte etwa die Marca am Montag. "Ist Spanien einen Spieltag vor dem Ende der Gruppenphase wirklich daran interessiert, Erster zu werden?", hieß es vom Blatt aus Madrid weiter.

Die Angst vor Brasilien?!

Der Grund für diese Gedankengänge ist recht offensichtlich. Wird man in Gruppe E Erster, spielt man im Achtelfinale gegen den Zweiten aus Gruppe F. Es könnten Kroatien, Marokko oder Belgien warten. Während die Marokkaner durchaus überraschen konnten, enttäuschte Favorit Belgien bislang auf ganzer Linie und auch Vize-Weltmeister Kroatien wirkt schlagbar. Der Achtelfinal-Gegner wäre wahrscheinlich also nicht die allergrößte Hürde.

Im Viertelfinale würde sich das jedoch ändern. Mutmaßlich kommt es dort nämlich zum Duell mit dem Sieger aus Gruppe G. Und das wird aller Wahrscheinlichkeit nach Rekordweltmeister Brasilien sein, der bislang einen sehr starken Eindruck machte und neben Frankreich wohl DER Topfavorit auf den Titel ist.

Andersherum würde man als Zweiter der deutschen Gruppe auf den Sieger in Gruppe F treffen - also Kroatien, Marokko oder Belgien. In einem möglichen Viertelfinale würde dann statt Brasilien wahrscheinlich Portugal oder die Schweiz warten.

Spanische Gedankengänge, einem Viertelfinal-Duell mit Brasilien aus dem Weg zu gehen, sind daher nachvollziehbar. Wirklich beeinflussen werden sie die Mannschaft vor dem letzten Gruppenspiel aber nicht. Bei einer WM - und vor allem in einer K.o.-Runde - kann zu viel passieren, als dass man sich auf solche Spielchen einlassen könnte. Zumal auch die Spanier den Titel angreifen wollen. Und auf diesem Weg müsste man mit einer hohen Wahrscheinlichkeit Brasilien so oder so aus dem Weg räumen - ob jetzt in einem Viertelfinale oder in einem möglichen Finale.


Ein starker Auftritt, der Hoffnung auf mehr macht: Das 1:1 gegen Spanien in der Analyse - mit Taktik-Guru Tobias Escher.


Alles zur WM 2022 bei 90min

facebooktwitterreddit