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Götze, Boateng & Co. -Wer springt noch auf Flicks WM-Zug auf?

Timo Christ
Germany v Czech Republic - 2018 FIFA World Cup Qualifier
Germany v Czech Republic - 2018 FIFA World Cup Qualifier / Boris Streubel/GettyImages
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Seit dem 01. August 2021 ist Hans-Dieter Flick offiziell Trainer der deutschen Nationalmannschaft und somit Nachfolger von Weltmeister-Coach Joachim Löw, der nach 15 Jahren sein Amt zur Verfügung gestellt hatte.

Flick gelang es als erstem deutschen Bundestrainer, alle sieben Auftaktpartien zu gewinnen und die deutsche Mannschaft somit souverän zur Weltmeisterschaft 2022 in Katar zu führen - mit einem beachtlichen Torverhältnis von 31:2.

Und für diese Weltmeisterschaft wird es nach jetzigem Stand nur 23 Kaderplätze geben, für die Hansi Flick eine Vielzahl an Spielern zur Verfügung hat. Selbst wenn das Aufgebot – analog der EM 2020 – coronabedingt wieder auf 26 Spieler ausgeweitet werden würde, wird es im hochklassig besetzten deutschen Aufgebot einige Härtefälle geben.

Flick setzt auf U21-Europameister

Flick ist auch durch seine sehr erfolgreiche Zeit beim FC Bayern München dafür bekannt, dass er gerne und gut mit jungen Spielern arbeitet, diese fördert, auch fordert und regelmäßig einsetzt. Bestes Beispiel hierfür ist Jamal Musiala, den er beim Rekordmeister zum Profispieler formte und der bereits jetzt, mit seinen erst 18 Jahren, nicht mehr aus dem deutschen Team wegzudenken ist.

Aus diesem Grund ist es wenig verwunderlich, dass mit David Raum (TSG 1899 Hoffenheim), Florian Wirtz (Bayer 04 Leverkusen), Karim Adeyemi (RB Salzburg) und Lukas Nmecha (VfL Wolfsburg), gleich vier U21-Europameister aus dem Sommer 2021 die ersten Debütanten in Flicks Ära als Hauptverantwortlicher beim DFB waren. Mit Freiburgs Shootingstar Nico Schlotterbeck wartet noch ein weiterer Spieler auf sein Debüt, der bisher zu allen Länderspielen unter seiner Leitung zumindest eine Einladung erhielt.

Leistung zählt: Für einige Routiniers wird es eng

Dass Hansi Flick so auf die Nachwuchsspieler setzt und auch im offenen und engen Austausch mit den Verantwortlichen der U21-Auswahl steht, ist zum einen ein sehr gutes Zeichen im Hinblick auf das was nachkommt, allerdings zeigt dies auch, dass der ein oder andere erfahrene Spieler es wohl eher schwer haben dürfte, nochmal in die Nationalmannschaft zurückzukehren. Anders als zuletzt unter Löw, ist bei Flicks Nominierungen die aktuelle Leistung im Verein hauptsächlich entscheidend dafür, ob ein Spieler für das Nationalteam berufen wird oder nicht.

Den Dortmunder Innenverteidiger Mats Hummels (33) hat der 56-Jährige dabei ganz sicher auf dem Zettel, ihn jedoch aus Gründen der Belastungssteuerung und da er seit der EM mit einigen Verletzungen zu kämpfen hatte, bisher noch nicht berücksichtigt. Nach aktuellem Stand dürfte sich daran jedoch auch erstmal nichts ändern. Auch andere Spieler, darunter Innenverteidiger Robin Koch (25, Leeds United) oder Emre Can (28, Borussia Dortmund) dürften in Flicks Gedankengängen weiterhin eine Rolle spielen. Auch sie hatten in der Vergangenheit des Öfteren mit Verletzungen zu kämpfen und waren deshalb bisher keine Option für den neuen Bundestrainer.

Haben Götze und Boateng eine Chance aufs DFB-Comeback?

Es gibt aber auch andere Spieler, bei denen man sich nicht sicher sein kann, dass Flick sie auf seinem Zettel hat. Darunter ganz sicher Deutschlands Siegtorschütze aus dem WM-Finale 2014, Mario Götze. Der inzwischen 29-Jährige spielt mittlerweile in der niederländischen Eredivisie für die PSV Eindhoven und kann dort immer wieder mit guten Leistungen überzeugen. Ob dies allerdings ausreicht, dass Götze noch einmal in den Kreis der Nationalmannschaft zurückkehrt, ist fraglich. Sein letztes Länderspiel bestritt er am 14. November 2017 gegen Frankreich.

Auch Innenverteidiger Jérôme Boateng (33), der derzeit mit Olympique Lyon nur auf Platz 11 der französischen Liga steht, hat das klare Ziel, noch einmal in die Nationalmannschaft
zurückzukehren. Hansi Flick ist ein bekennender Fan des Weltmeisters, kennt ihn sehr gut aus seiner Zeit beim FC Bayern und hat ihm dort durch sein Vertrauen in ihn zu alter und gewohnter Stärke verholfen. Boateng ist allerdings aufgrund seines fortschreitenden Alters nicht weniger verletzungsanfällig geworden und auch sein Start in Frankreich lief nicht ganz so, wie er sich das erhofft hatte. Nichtsdestotrotz verfügt Boateng selbstverständlich über eine Menge Erfahrung und dürfte zumindest auf der erweiterten Liste des Bundestrainers stehen. Die Konkurrenz auf seiner Position ist allerdings groß.

Problemzone hinten rechts

Eher wenig Konkurrenz gibt es derzeit für den Gladbacher Jonas Hofmann, den Flick vom
Mittelfeldspieler zum rechten Verteidiger umfunktioniert hat, da ihm Ridle Baku (VfL Wolfsburg) und der Leipziger Lukas Klostermann auf dieser Position nur bedingt gefallen haben. Hier kommt ein weiterer Name ins Spiel: Benjamin Henrichs.

Der 24-jährige Außenverteidiger in Diensten von RB Leipzig bleibt leider seit Jahren hinter den Erwartungen zurück und schaffte es seit seiner Rückkehr in die Bundesliga im Juli 2020 bisher nur wenig zu überzeugen. Er gilt zwar weiter als hochveranlagter und sehr talentierter Spieler, der noch dazu flexibel auf beiden Außenverteidigerpositionen und im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden kann, jedoch wird er ohne regelmäßige Einsatzzeiten im Verein keine Chance auf einen Platz im Kader haben. Auch wenn er 2017 mit dem DFB-Team den Confed-Cup in Russland gewinnen konnte.

Qual der Wahl im Mittelfeldzentrum: Bekommt Weigl eine Chance?

Gerade im defensiven Mittelfeld der deutschen Mannschaft hat Hansi Flick die Qual der Wahl. Neben der Bayern-Achse bestehend aus Goretzka und Kimmich und City-Spielgestalter İlkay Gündogan, stehen u.a. mit Florian Neuhaus, Maximilian Arnold, Mahmoud Dahoud, Suat Serdar und dem Leverkusener Nadiem Amiri noch zahlreiche weitere Spieler auf der Liste des Bundestrainers, die allesamt den Anspruch haben, sich in der deutschen Auswahl zu etablieren. Ein weiterer Name fehlt auf den ersten Blick, sollte aber nicht vergessen werden: Julian Weigl. Der 26-jährige zentrale Mittelfeldspieler zieht seit Januar 2020 beim portugiesischen Rekordmeister Benfica Lissabon die Fäden und steht auch schon in Kontakt mit Hansi Flick, dem dessen Leistungen nicht entgangen sind.

Hany Mukhtar
Hany Mukhtar im Trikot des Nashville SC / Emilee Chinn/GettyImages

Ein absoluter Außenseiter ist Hany Mukhtar (26), den der ein oder andere vielleicht gar nicht kennen mag. Der gebürtige Berliner, der bereits für etliche deutsche Jugendnationalmannschaften gespielt und Titel in Deutschland, Portugal und Dänemark gewonnen hat, zählte in der vor kurzem abgelaufenen Saison zu den besten Spielern der amerikanischen Major League Soccer (MLS) und scheiterte mit seinem Klub Nashville SC erst in den Meisterschafts-Playoffs. Er ist zweifelsfrei ein interessanter Spieler, der selbst wenn ihn Flick auf dem Zettel hätte, aufgrund der starken Konkurrenz auf seiner Position keine Chance auf eine Nominierung haben dürfte.

Rund 300 Tage sind es noch, bis die erste Winter-WM der Geschichte angepfiffen wird. Bis dahin wird noch viel Fußball gespielt und der Bundestrainer dürfte noch das ein oder andere ausprobieren. Es bleibt spannend, wer am Ende tatsächlich den Sprung in den Weltmeisterschaftskader packt.


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