Wie Uli Hoeneß noch immer die Fäden beim FC Bayern zieht

Florian Bajus
Auch fast ein Jahr nach seinem Rückzug hat Uli Hoeneß noch immer ein gewichtiges Wort beim FC Bayern
Auch fast ein Jahr nach seinem Rückzug hat Uli Hoeneß noch immer ein gewichtiges Wort beim FC Bayern / Alexander Hassenstein/Getty Images
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Seit fast einem Jahr ist Uli Hoeneß offiziell nur noch als stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates beim FC Bayern aktiv, das Wort des langjährigen Managers und Präsidenten findet aber noch immer Gehör und hat Gewicht. Das wirkt sich nicht immer positiv aus - im Fall von Hansi Flick und Manuel Neuer soll Hoeneß laut BILD aber geholfen haben.

Nach 40 Jahren als aktiver Entscheider wollte Uli Hoeneß nicht mehr an der Speerspitze stehen. Vor der Jahreshauptversammlung im November vergangenen Jahres kündigte er an, nicht mehr für die Präsidentschaft kandidieren und den Stab an Ex-Adidas-Chef Herbert Hainer übergeben zu wollen. Gesagt, getan: Hoeneß dankte ab, Hainer trat seine Nachfolge an. Und doch ist es Hoeneß, der auch im Jahr 2020 medial polarisiert.

Erst vor wenigen Wochen kritisierte der 68-Jährige mit scharfer Zunge die Transferpolitik von Borussia Dortmund: "Wenn Dortmund einen hochtalentierten Spieler kauft und er gut spielt, kann man wenige Monate später entweder aus dem Klub selbst oder von außerhalb hören, dass er irgendwann ein Verkaufsobjekt darstellen wird", sagte Hoeneß der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und betonte, dass es so etwas beim FC Bayern niemals geben werde: "Wir holen Spieler für Bayern München. Und niemals, um daraus Geschäfte zu machen." Typisch Hoeneß, könnte man meinen - aber nach Ruhestand klingt das nicht.

FC Bayern: Hoeneß hatte bei Flick und Neuer seine Finger im Spiel

Auch im Hintergrund zieht der Macher des FC Bayern scheinbar noch immer die Fäden. Wie BILD berichtet, habe sich Hoeneß nach der Entlassung von Trainer Niko Kovac für Hansi Flick ausgesprochen. Der Co-Trainer sollte erst für zwei Spiele übernehmen, erhielt dann eine Job-Garantie bis zur Winterpause, später bis zum Saisonende und schließlich einen Cheftrainer-Vertrag bis 2023. Zurückgezahlt hat Flick das Vertrauen mit dem Triple.

In den kniffligen Vertragsverhandlungen mit Manuel Neuer habe Hoeneß ebenfalls eine wichtige Rolle gespielt. Als die Vorstellungen beider Parteien weit voneinander entfernt und die Gespräche ins Stocken geraten sein sollen, habe Hoeneß Neuer angerufen und ihm verdeutlicht, wie wichtig er für den FC Bayern sei und umgekehrt. Daraufhin seien die Gespräche wiederaufgenommen worden - und wie Flick und Thomas Müller verlängerte auch Neuer bis 2023.

Uli Hoeneß wird sich nie verändern

Von jetzt auf gleich nach 40 Jahren 'Abteilung Attacke' in den Ruhestand zu gehen, ist kein leichter Schritt - erst recht nicht für jemanden wie Uli Hoeneß. Scheinbar kann er hinter den Kulissen aber weiterhin Positives bewirken, während er vor der Presse häufiger mit zu forschen und unüberlegten Aussagen auf sich aufmerksam macht. Zurecht wurde vor dem Champions-League-Finale gegen Paris St. Germain an seine Wutrede über Juan Bernat während der skurrilen Pressekonferenz im Oktober 2018 erinnert, auch seine Worte über den BVB hätten nicht sein müssen. Aber so ist Hoeneß nun einmal. Wenn es um seinen FC Bayern geht, ist er mit Herzblut dabei - Ruhestand hin oder her.

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