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Werder Bremen möchte Corona-Krise als Chance nutzen – Bode lässt Investor-Frage offen

Nov 14, 2020, 11:46 AM GMT+1
Marco Bode
Marco Bode (51) möchte noch viele Jahre Aufsichtsratschef des SV Werder bleiben | TF-Images/Getty Images
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Für Werder Bremen verlief der sportliche Start in die neue Bundesliga-Saison durchaus zufriedenstellend. Finanziell geht es den Grün-Weißen allerdings deutlich schlechter als manch anderem Klub. Aufsichtsratschef Marco Bode sprach im Interview mit dem Weser-Kurier über die künftigen fünf Jahre, einen möglichen Investor und die Wahrung der familiären Werte und Normen.

Auch Bode ist klar, dass Werder bis dato nicht mit attraktivem Offensivfußball überzeugen konnte. Ganz im Gegenteil: als Spaßverderber der Liga sammeln sich die Hanseaten mit dreckigem Defensivfußball die essenziellen Punkte für den Klassenerhalt zusammen. Aber: "Fußball in der Bundesliga ist immer auch Ergebnissport", fasst der 51-Jährige gegenüber dem Weser-Kurier treffend und nüchtern zusammen. Von der langfristigen Idee, anschaulichen Offensivfußball zu spielen, wolle man sich zwar nicht verabschieden, angesichts der aktuellen Situation stünden aber auch Mut und Leidenschaft im Fokus.

"Manchmal liegt in der Not auch eine Chance, das Richtige zu tun. "

Marco Bode im Weser-Kurier
Jean Manuel Mbom
Hätte Jean Manuel Mbom (20) es ohne Coronakrise nicht in die Startelf geschafft? | Oliver Hardt/Getty Images

Zudem befinde man sich weiterhin im Krisenmodus - insbesondere wirtschaftlich. Das habe auch zum Verkauf von Leistungsträger Davy Klaassen geführt. Deshalb gehe es gerade in dieser Spielzeit mehr denn je darum, junge Spieler einzubauen. Die finanziellen Mittel für starke Transfers fehlen dem Klub angesichts der zuletzt aufgenommenen Kredite nämlich noch langfristig. "Bei aller Kritik, dass wir aus wirtschaftlichen Gründen keinen spielstarken Mittelfeldspieler verpflichten konnten, hat sich ein Eigengewächs wie Manuel Mbom genau deshalb in die Mannschaft gespielt", erklärt Bode. "Auch wenn das platt klingt: Manchmal liegt in der Not auch eine Chance, das Richtige zu tun."

Corona kegelt Werder aus der Bahn: Investor möglich

Hinsichtlich Corona müsse man sich dennoch selbstkritisch eingestehen, dass man "als Werder Bremen, aber auch als Liga nicht gut vorbereitet" war. "Durch Corona, aber auch durch die sportliche Krise der vergangenen Saison, sind wir aus der Balance geraten und müssen jetzt sehen, dass wir zusammenhalten und unsere Strategie für die nächsten Monate und Jahre anpassen", verrät Bode. Man wolle alles dafür geben, sportlich weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben - und genau das sei die Herausforderung.

"Wir tun alles dafür, dass wir diese Krise so überstehen, dass wir sportlich trotzdem weiter wettbewerbsfähig sind. Genau das ist die Herausforderung."

Marco Bode denkt auch über Investor nach

Eine immense Herausforderung, die ohne wirkliche finanzielle Unterstützung nur äußerst schwierig zu stemmen scheint. "Wir müssen eine stabile Zukunft vor Augen haben, die Werder wieder erfolgreicher macht. Es liegt einiges auf dem Tisch, womit wir uns beschäftigen." Auch hinsichtlich eines Investors gebe es dabei keine Denkverbote, meint Bode. "Wir versuchen, für alle Überlegungen offen zu sein, die uns wirtschaftlich stärken und robuster machen und uns sportlich nach vorne bringen."

Haltung und Philosophie des SVW weiter wichtig

Trotz all dieser Gespräche und Spekulationen über eine neue Strategie beim SV Werder, dürfe man die alten Normen und Werte nicht aus den Augen verlieren: "Mir ist zudem wichtig, dass Werder seinen Kern behalten und stärken muss, ein sozial engagierter Fußballklub zu sein, der aus einer Haltung heraus handelt", unterstreicht Bode. "Das wird möglicherweise nicht zu mehr Einnahmen führen, aber es geht ja auch darum, dass wir im Kampf um Talente und Profis Argumente brauchen, die hier und da vielleicht nicht finanziell sind. Deshalb ist es wichtig, über das Thema Haltung und Philosophie des Vereins immer wieder nachzudenken."

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In Bremen werden Werte und Normen noch groß geschrieben - auch bei den Fans: eine einzig große Werder-Familie | PATRIK STOLLARZ/Getty Images

Einige Veränderungen im Klub habe es bereits gegeben: "Man sieht, dass wir viel weniger verletzte Spieler haben und das Thema Nachwuchsförderung zentral ist." Dabei helfe auch die zunehmende Digitalisierung. Werders Weg bleibt eine Frage der Zukunft. "Wenn wir in fünf Jahren weiter in der ersten Liga sind und die Werder-Fans sagen, dass es gute Jahre waren, dann bin ich zufrieden. Aber natürlich würde ich auch gerne mal ein Ausreißerjahr nach oben erleben, nachdem es vergangene Saison einen Ausreißer nach unten gab", bleibt Bode gewohnt optimistisch und träumerisch.

Bode mit Duo Kohfeldt-Baumann in die Zukunft

Der Weg soll dabei übrigens weiterhin mit Cheftrainer Florian Kohfeldt und auch Manager Frank Baumann bestritten werden. Der Vertrag des Bremer Sportdirektors läuft im Sommer 2021 aus. Fünf Jahre möchte Baumann gerne noch arbeiten, ehe er sich mit 50 vorerst seiner Familie widmet. "Bis zur sehr kurzen Winterpause in diesem Jahr soll eine Entscheidung gefallen sein", betont Bode und fügt hinzu: "Ich würde es nicht als Formalität bezeichnen, aber ich bin optimistisch, dass wir die Gespräche führen und diese gut verlaufen werden."

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