Nur ein Punkt aus den letzten sieben Spielen, Platz 17 in der Tabelle und ein unangenehmes Restprogramm vor der Brust - der Klassenerhalt wird für Werder Bremen von Woche zu Woche eine immer größere Mammutaufgabe. Trotz der seit Monaten anhaltenden Talfahrt halten die Verantwortlichen an Trainer Florian Kohfeldt fest. Der 37-Jährige gab sich auf der Pressekonferenz am Freitag weiter kämpferisch und wehrte sich gegen die wachsende Kritik an seiner Person. Doch es müssen langsam wieder Resultate folgen, nicht nur Phrasen.


Mutig sein, jedem Gegner die Stirn bieten, frech und offensiv spielen - diese Eigenschaften haben Werder Bremen in den ersten anderthalb Jahren unter Florian Kohfeldt ausgezeichnet. Nach einer tristen Periode, in der die einst so erfolgreichen Bremer stets gegen den Abstieg gespielt haben, war wieder Werder-typischer Fußball im Weserstadion zu sehen.


Mit nur 37 Toren, aber auch nur 40 Gegentoren rettete Kohfeldt die Mannschaft in seinem ersten halben Jahr auf den elften Tabellenplatz, seine erste vollständige Saison als Cheftrainer der Grün-Weißen beendete er auf Rang acht. Doch während er noch vor zwölf Monaten als gefeierter Held sogar mit Borussia Dortmund in Verbindung gebracht wurde, wird Kohfeldt medial seit Monaten angezählt.


Dass die Saison aus den Fugen geraten ist, liegt nicht allein an ihm. Den schwerwiegenden Verlust von Max Kruse konnte die Sportliche Leitung nie kompensieren. Nach einer schwachen Kaderplanung und einem müßigen Start in die neue Saison wurde früh offensichtlich, dass das anvisierte Saisonziel - der Europapokal - nur schwer erreichbar sein würde. Und spätestens nach sechs Niederlagen zwischen den Spieltagen 10 und 17 war eigentlich klar: Es geht wieder gegen den Abstieg.


Die Talfahrt, die Mitte November mit der 1:3-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach begonnen hat, hält bis in diesen Mai und voraussichtlich darüber hinaus an. Nur zwei Siege und ein Unentschieden, zusammengerechnet sieben mickrige Punkte, bei zwölf Niederlagen. Niemand hat weniger Tore erzielt und mehr Gegentore kassiert als Werder, nur das Schlusslicht aus Paderborn hat noch häufiger verloren.


Baumann: Kohfeldt ist "der richtige Trainer"


Die Kritik an Kohfeldt wächst, weil aus keine seiner Ideen etwas Zählbares herausspringt; weil er sich mit Durchhalteparolen wehrt und selten den Finger in die Wunde legt; weil er unbestritten ein herausragender Trainer ist, diese Mannschaft aber nicht mehr in den Griff zu bekommen scheint. Die Klubführung verspürt dennoch keinen Drang, etwas auf der Trainerbank zu verändern: "Florian ist der richtige Trainer für diese Situation. Mit ihm besteht die größte Wahrscheinlichkeit, die Klasse zu halten", sagte Geschäftsführer Frank Baumann laut deichstube.de auf der Pressekonferenz vor dem wegweisenden Spiel gegen den SC Freiburg.


Unabhängig vom Ergebnis gegen Freiburg wird Frank Baumann (Foto) an Florian Kohfeldt festhalten

Der kicker ergänzt, Kohfeldt sei in den Augen von Baumann "ein Top-Trainer, von der Fachkompetenz her, seinen sozialen Kompetenzen, den rhetorischen Fähigkeiten, die Mannschaft auf ein Spiel einzustellen". Das Verhältnis zur Mannschaft sei zudem noch immer "intakt". Außerdem, so Baumann, sei ihm "dieser gute, kontinuierliche Weg viel sympathischer als der von anderen Vereinen, die drei, vier Mal den Trainer gewechselt haben und trotzdem abgestiegen sind."


Kohfeldt strahlt Selbstvertrauen aus


Kohfeldt spürt noch immer volles Vertrauen - und gibt sich selbstbewusst. Der 37-Jährige erklärte an der Seite von Baumann, er sei "nach wie vor" der beste Trainer für den SVW. "Wenn es jemand anders sehen würde, insbesondere die Geschäftsführung, dann würde man mir das sagen", betonte Kohfeldt, den die mediale Kritik schmerzt: "Ich bin seit 20 Jahren im Verein und habe alles, was ich tue, immer im Sinne des SV Werder getan. Da tut es natürlich weh, jetzt von Leuten kritisiert zu werden über die Medien, die sonst immer sehr freundschaftlich-jovial rüberkommen, aber keine Verantwortung übernehmen."


Seine Mannschaft spiele "aus verschiedenen Gründen eine richtig beschissene Saison", doch "der Vorwurf, wir würden es einfach laufen lassen, ohne Feuer", so Kohfeldt, "ist eine Frechheit". Intern würden die Versäumnisse angesprochen, öffentlich werde er einzelne Spieler aber nie an den Pranger stellen: "Einer meiner Grundsätze ist, dass ich Spieler nicht öffentlich bloßstelle. Das habe ich im Winter nicht getan und tue es auch jetzt nicht. Ich spreche die Dinge öffentlich sachlich an, ohne Namen zu nennen. Ich muss damit leben, dass diese sachliche Kritik dann eben nicht gehört wird. Aber in der Kabine fällt dieser Vorhang: Da wird auch der Einzelne angesprochen."


Auf Worte müssen Taten folgen


Kohfeldt präsentiert sich so, wie sich eigentlich auch seine Mannschaft präsentieren sollte. Doch was nützen kämpferische Worte und fußballerische Phrasen, wenn die Ergebnisse ausbleiben? Kann der Negativtrend nicht gestoppt werden, droht der erste Abstieg nach 40 Jahren.

1980 verabschiedeten sich die Bremer unter der Leitung von Fritz Langner mit gerade einmal 25 Punkten aus der Bundesliga. Um diese Marke zu überbieten und sich zumindest in die Relegation zu retten, muss in den Spielen gegen Freiburg, Gladbach, Schalke, Frankfurt, Wolfsburg, Paderborn, Bayern, Mainz und Köln vieles anders werden. Kohfeldt braucht ein Ass im Ärmel, um die Saison zu retten. Je mehr Zeit bei der Suche vergeht, umso dünner wird die Luft - sowohl für den Verein, als auch für ihn selbst.