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Welchen Adrian Fein bekommen die Bayern zu sehen?

Jul 28, 2020, 2:16 PM GMT+2
Adrian Fein
Unrühmlicher Abschied aus der Hansestadt: Adrian Fein nach dem 1:5 gegen Sandhausen am letzten Spieltag / Pool/Getty Images
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Nach der für ihn und seine Mannschaft enttäuschend verlaufenden Saison, ist Leihspieler Adrian Fein vom Hamburger SV zurück zu seinem Stammverein FC Bayern München gegangen. Die sportliche Zukunft für den 21-Jährigen in München ist jedoch ungewiss. Vorerst erhält er an der Säbener Straße offenbar die faire Chance, sich für einen Kaderplatz zu bewerben.

Ich gebe es an dieser Stelle zu: aus der Euphorie eines starken Saisonstarts "meines" HSV heraus habe ich mich Ende August vergangenen Jahres zu der Prognose hinreißen lassen, Fein könne auf Dauer die Thiago-Rolle beim FC Bayern übernehmen. Und wo ich schon mal dabei war, habe ich dem guten Adrian auch gleich noch eine Perspektive in Jogi Löws Nationalmannschaft aufgezeigt. Zwar mit den üblichen einschränkenden Floskeln, aber trotzdem.

Jetzt hoffen wir, dass er den nächsten großen Schritt bei uns in München macht.

Wie gut ist Adrian Fein wirklich?

Ganz ehrlich: ab Juni, sprich mit der Rückkehr in den Liga-Betrieb, habe ich mich dann schon fast geschämt für meine voreiligen Lobeshymnen. Von dem Spieler, der mich noch zwischen August und Oktober so begeistert hatte, war so gut wie nichts mehr übrig geblieben. Der Ehrlichkeit wegen gilt das leider auch für fast alle übrigen Rothosen.

Nun ist Adrian Fein also wieder zurück in München. Und zieht bislang das Vorbereitungsprogramm mit der ersten Mannschaft vollumfänglich durch. Einfach "glücklich, wieder daheim zu sein" sei er.
"Es fühlt sich sehr gut an, sich hier mit so vielen internationalen Top-Spielern messen zu können. Die ersten Tage zurück an der Säbener Straße haben richtig Spaß gemacht", erklärte der Sechser gegenüber der vereinseigenen Webseite. Bereits einige Tage zuvor hatte die Mopo über einen Instagram-Post geschrieben, in dem Fein seine Freude über die Rückkehr in seine Geburtsstadt mit seinen Followern teilte, und darüber dass derselbige den "HSV-Fans vermutlich ziemlich wehtun" dürfte.

Ich bin mir da nicht mehr so sicher. Teils natürlich aus einem quasi-kindlichen Trotz (wo sonst kann der Mann von heute noch Kind sein, wenn nicht im Fußball?) heraus, dass man als Fan eines Vereins denjenigen, die diesem den Rücken kehren (aus was für teils durchaus nachvollziehbaren Gründen auch immer) keine Träne nachweint. Nicht nachweinen will. Nach dem Motto: wer nicht mit uns ist, ist gegen uns. Was im Fußball ja auch ziemlich offensichtlich ist. Doch zum Teil auch den Eindrücken der zweiten Saisonhälfte (und da bin ich noch wohlwollend, denn eigentlich ging es schon ab dem 11. Spieltag und dem 6:2 gegen den VfB stetig bergab) geschuldet. Einen Fein in der Form von Winter und Frühjahr - vermisst keiner. Weder in Hamburg, noch (erst recht nicht) in München.

Kein Spieler steht über dem Klub - weder beim HSV noch sonstwo

Und dann gibt es ja noch die historische Perspektive. Bislang hat sich gezeigt, dass so gut wie jeder Spieler, selbst die allergrößten, in irgendeiner Form zu ersetzen sind. Ist Bayern München untergegangen, als Gerd Müller oder Franz Beckenbauer den Klub verlassen haben? Ist der FC Barcelona implodiert, als die Ära Cruyff beendet war? Oder musste auch der HSV den Spielbetrieb einstellen, als Magath, Kaltz und Co. gingen? Nein. Irgendwie geht es immer weiter. Mal mehr, mal weniger erfolgreich.

Schon beim Aufzählen der Namen dieser Größen des Fußballsports fällt einem auf, wie sehr in der heutigen Zeit dazu geneigt wird, Spielern binnen kürzester Zeit das Etikett der Spitzenklasse umzuhängen. Das mag an der immer weiter sich beschleunigenden Lebenszeit unserer Generation liegen. Muße oder gar Langeweile sind mittlerweile verpönt, oder schlimmer noch: werden als Schimpfwörter benutzt. Alle müssen ständig unter Strom stehen, und schon morgen muss das next big thing gefunden sein, auf das sich dann alle stürzen können. In diesem Wahn um das ständig höhere, schnellere und weitere kommt es dann entsprechend zu voreiligen Schlussfolgerungen.

Adrian Fein wird, so stellt es sich zumindest aktuell dar, die faire Chance bekommen, sich für die erste Mannschaft des FC Bayern zu bewerben. Ob er diese dann nutzt oder nicht, bleibt abzuwarten. Ich hätte auch keine Probleme damit, wenn meine August-Prophezeiungen wahr würden. Bis dahin haben wir ja eh schon wieder einen neuen, kommenden Weltstar. Wetten?

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