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Warum Bruno Labbadia nicht das Hauptproblem von Hertha BSC ist

Simon Müller
Trainer Labbadia und Manager Preetz im Gespräch
Trainer Labbadia und Manager Preetz im Gespräch / Maja Hitij/Getty Images
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Nach dem Chaos in großen Teilen der Vorsaison war bei Hertha über den Sommer ein wenig Harmonie und Entspannung zu spüren. Kurz vor dem Jahreswechsel stehen die Zeichen aber wieder auf Krise: Nur 13 Punkte in 13 Spielen, zuletzt ein trostloses 0:0 gegen Mainz und 1:4 gegen Freiburg - das passt nicht zu Herthas Ambitionen.

In sportlichen Krisen ist es bei den Profi-Klubs der Bundesliga üblich, den Trainer zu hinterfragen oder zu wechseln. Auch bei Hertha wird die Arbeit Labbadias sicher begutachtet werden, wenn in der nun anstehenden Winterpause die bisherige Leistung der Mannschaft analysiert wird.

Insbesondere unter Hertha-Fans mehrt sich aber der Eindruck, dass das Problem des Klubs vielleicht auf einer anderen Ebene zu finden ist. Manager Michael Preetz, der in den Jahren vor dem Windhorst-Einstieg vor allem transfertechnisch einen guten Job machte, steht mittlerweile in der Kritik. Genau so auch Präsident Werner Gegenbauer, der sich in der Vergangenheit immer hinter Preetz stellte - bei der Mitgliederversammlung im Herbst wurde Gegenbauer nur mit knapp über 50% wiedergewählt, Vertrauen sieht anders aus.

Vor allem die Trainer-Entscheidungen von Manager Preetz stehen bei Hertha schon lange in der Kritik. Unter seiner Regie stieg der Verein zwei Mal ab, auch weil Preetz auf Trainer wie Michael Skibbe oder einen in die Jahre gekommenen Otto Rehhagel setzte.

Dardai-Trennung der Startpunkt der Misere

Der größte Fehler dürfte im Rückblick aber die Entlassung von Vereinsikone Pal Dárdai im Sommer 2019 sein: Die darauffolgende Saison wurde zum Chaos-Jahr mit vier verschiedenen Chef-Trainern. Die Stabilität all der Jahre unter Dárdais Regie ging schon in den ersten Monaten verloren.

Nach der Trennung von Pal Dardai ging es mit der Hertha steil bergab
Nach der Trennung von Pal Dardai ging es mit der Hertha steil bergab / TF-Images/Getty Images

Besonders bitter ist aber, das sich diese Entscheidung bis heute auf Herthas Abschneiden auswirkt: Durch das allgemeine Chaos 2019/2020 gelang es keinem Trainer, den Umbruch bei Hertha gebührend zu moderieren. Und so stand letztlich Labbadia im Sommer vor der Aufgabe, innerhalb weniger Monate Nachfolger für prominente Abgänge wie Per Skjelbred, Vedad Ibisevic und Salomon Kalou zu finden.

Dazu kommt noch, dass Preetz zwar mit einem schmalen Budget stets gute Arbeit leistete und mehr oder weniger das Maximum rausholte. Mit den Windhorst-Millionen schmeißt der Manager zwar nicht um sich, an der einen oder anderen Stelle kann man sich aber fragen, ob es unter Umständen cleverere Investitionsmöglichkeiten gegeben hatte.

Anstatt in der aktuellen Krise direkt wieder den Trainer zu wechseln, sollte man bei Hertha genau analysieren, wo eigentlich die Probleme liegen. Im Winter sollte wieder genügend Geld vorhanden sein, um den einen oder anderen Neuzugang nach Berlin zu lotsen. Wenn man dabei Rücksicht auf die Wünsche von Trainer Labbadia nimmt, gibt es keinen Grund, warum es unter ihm nicht bald wieder bergauf gehen sollte.

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